von Oliver Cruzcampo
   

Verbotsverfügung: Kein Lunikoff im Thinghaus

Einmal wurde ein Auftritt von Lunikoff, dem Ex-Sänger der verbotenen Neonazi-Band Landser, bereits verhindert, jetzt wollte die NPD den Rechtsrock-Star erneut in das Thinghaus laden. Doch die Stadt Grevesmühlen verbot den Auftritt – nun können nur noch Marmeladen getauscht werden. Für den Szene-Treffpunkt ein weiterer herber Rückschlag.

Lunikoff beim "Rock für Deutschland", Screenshot YouTube

Seit Monatsbeginn wird in rechtsextremen Kreisen bereits mit dem Auftritt von Lunikoff im Thinghaus geworben. Dahinter steckt Michael Regener, der frühere Sänger der als kriminelle Vereinigung eingestuften Rechtsrock-Band Landser ud aktuelle Bandleader der „Lunikoff Verschwörung“. Der Mann sollte im Rahmen des „Tag des offenen Thinghauses“ in der Szene-Location in Grevesmühlen auftreten.

Doch die Stadt verbot den Auftritt, da ein nicht abschätzbares Gefahrenpotenzial vorhanden sei. Jürgen Ditz bestätigte dem Nordkurier, dass das Verbot am Donnerstag zugestellt worden sei. Die Untersagung war an David Böttcher adressiert, NPD-Kreistagsabgeordneter und Mitarbeiter der Landtagsfraktion in Schwerin. Auch David Petereit schien maßgeblich an der Organisation beteiligt gewesen zu sein – er soll an Vorbereitungsgesprächen teilgenommen zu haben.

Veranstalter nehmen Verbot hin

Gegen das Verbot gingen die beiden Rechtsextremen nicht vor – Rechtsmittel wurden beim Verwaltungsgericht Schwerin nicht eingelegt, wie eine Sprecherin gegenüber ENDSTATION RECHTS. bestätigte. „Das Verbot wird sich aufgrund organisatorischer Gründe nicht kippen lassen“, heißt es derweil aus dem Umfeld der Veranstalter.

Zuvor hieß es auf MUPinfo, dem von Petereit verantworteten Neonazi-Portal, dass der erste Konzertversuch „durch die Polizei rechtswidrig verhindert“ worden sei. Jetzt wollte man die Rechtsrock-Größe erneut an die Ostsee lotsen, denn den ursprünglich verhinderten Auftritt „wollte keiner auf sich sitzen lassen“. Nun heißt es erneut, dass der Auftritt nachgeholt werden soll. Dahinter ein Smilie. Etlichen potentiellen Besuchern dürfte das Lachen indes vergangen sein. Mittlerweile wird das dritte Mal in Folge ein Konzert im Thinghaus unterbunden. Ein Kommentator schrieb kürzlich dazu: „Und wenn sie tausend mal unsere Konzerte, Feiern und Geburtstage verbieten. Dann ist es eben gerade keine Zeit zu feiern – sondern endlich Zeit zu kämpfen!“ Ob dies die Besucher ebenso sehen, die nach teils stundenlanger Anreise unverrichteter Dinge wieder abreisen mussten, bleibt fraglich.

Die Veranstaltung an sich soll dennoch stattfinden, schreiben die Organisatoren auf Facebook: „Zur Klarstellung: Der Tag des offenen Thinghauses findet ansonsten wie geplant statt.“ Geplant ist ein Kinder- und Laternenfest, auch eine Tauschstation für Marmeladen soll es geben. Diese Angebote dürften aber vermutlich kaum ausreichen, um die enttäuschten Lunikoff-Fans dennoch nach Grevesmühlen zu locken.

Kommentare(4)

GVM Samstag, 25.Oktober 2014, 17:53 Uhr:
Schön, da bleibt den Bewohnern von Kreihndörp ja so mancher Nazi erspart. Wann räumen die diesen Schandfleck endlich mal auf? Kann Frau Krüger aus Jamel denn nicht mal das?
 
Irmela Mensah-Schramm Samstag, 25.Oktober 2014, 18:51 Uhr:
Marmeladen tauschen ?
Braune (Pflaumenmus) gegen Rote ? (Himbeermarmelade)
Oder umgekehrt.
Wer macht so etwas schon mit ?

Ein großes Kompliment an die Stadt Grevesmühlen, die das Verbot erwirkt hat.
 
kritiker Samstag, 25.Oktober 2014, 22:22 Uhr:
Wie sich doch die Geschichte wiederholt . Im furchtbaren NS-Regime waren es
die Vertreter der sogenannten entarteten Musik (z.B. Jazz u.a.), in der SED-
Diktatur waren es Lieder von Biermann und Co. und jetzt in der Superdemokratie
BRD ist es schon wieder Musik, die nicht aufgeführt werden darf.
Udo Jürgens, beileibe kein Freund einer nichtlinken Gesinnung, hat es in einem
seiner Lieder treffend ausgedrückt : "Man kann den Sänger in Ketten legen, aber
niemals sein Lied !"
 
Roichi Sonntag, 26.Oktober 2014, 16:18 Uhr:
@ kritiker

Wie haben wir doch auf einen solchen Kommentar gewartet.
Inhaltlich meilenweit am Thema vorbei.
Einen sinnfreien Vergleich ziehend.
Und natürlich wird auch nicht auf den Artikel eingegangen.
Aber immerhin ist die rechte Empörung drin. Mehr auch nicht.
 

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