von Oliver Cruzcampo
   

Udo Voigts Kampf um den Chefposten: Zeit für Angriff rückt näher

Auf dem für kommendes Wochenende geplanten Bundesparteitag der NPD will Holger Apfel das Zepter übernehmen und Udo Voigt als NPD-Vorsitzenden aus dem Amt drängen. Nun hat sich Voigt erstmals öffentlich zu dem möglichen Machtwechsel geäußert. Seine Zeit zum Angriff würde noch kommen.

In zumindest einem Punkt ist Holger Apfel dem 59-jährigen Voigt einen Schritt voraus. Sein Angriff auf den Chefposten der NPD war von langer Hand geplant. Bereits seit Wochen steht fest, dass der sächsische NPD-Landesvorsitzende kandidieren würde. Zudem gelangte ein internes Personaltableau an die Öffentlichkeit, in dem Apfel seine Wunschkandidaten für einen neuen NPD-Vorstand aufzählte.

Mehrere Personen dieser Vorschlagsliste haben sich in den vergangenen Tagen nun für Holger Apfel ausgesprochen: NPD-Präsidiumsmitglied Jörg Hähnel, der sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Arne Schimmer oder auch Michael Schäfer, Vorsitzender der NPD-Nachwuchsorganisation „Junge Nationaldemokraten“.

Aber auch in Mecklenburg-Vorpommern hat es Apfel in den vergangenen Monaten geschafft, sich mächtige Verbündete ins Boot zu holen. Der NPD-Landesvorsitzende aus M-V, Stefan Köster, hat sich bereits öffentlich für Apfel als neuen NPD-Vorsitzenden ausgesprochen. Einige Tage zuvor tat der NPD-Fraktionschef Udo Pastörs es bereits gleich. Kein Wunder: Pastörs drängt auf einen Posten in der Bundespartei. Auf Apfels Personaltableau ist für den verurteilten Volksverhetzer der Posten des stellvertretenden Vorsitzenden vorgesehen.

Udo Voigt hat sich lange Zeit gelassen, um dem Angriff Apfels auf den Chefposten Paroli zu bieten. Erst am Sonnabend, eine Woche vor dem geplanten Bundesparteitag in Dessau-Roßlau, wurde auf dem Online-Portal der Deutschen Stimme ein Interview mit Voigt veröffentlicht. Darin bezieht der Bundesvorsitzende nun erstmals öffentlich Stellung und geht auf seinen Konkurrenten Holger Apfel ein.

Er „strotze vor Energie und Visionen und fühle [sich] mit 59 Jahren auch keineswegs zu alt für das Amt des Parteivorsitzenden“, schreibt Voigt. Auf die Frage, ob ihm der nötige Schwung fehle, antwortet der NPD-Chef: „Wenn die Zeit zum Angriff da ist, werden viele meinen `Schwung´ kennenlernen.“ Wann genau denn die Zeit dafür reif sei, erwähnt Voigt jedoch nicht. Auf dem Bundesparteitag wäre es dafür eventuell bereits zu spät.

Dass Holger Apfel sich um den Chefposten bewerben werde, drang bereits vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus in die Öffentlichkeit durch. Darüber war der dortige Spitzenkandidat Udo Voigt sichtlich verärgert. Der Berliner Wahlkampf hätte unter diesen „überflüssigen Diskussionen“ gelitten. Insgesamt kam die NPD in der Hauptstadt auf lediglich 2,1 Prozent und war von einem Einzug in das Abgeordnetenhaus weit entfernt.

Apfel hatte in den vergangenen Wochen den Begriff der „seriösen Radikalität“ geprägt, will so den „Erneuerungswillen der NPD“ dokumentieren. Dem 40-Jährigen geht es dabei wohlgemerkt nur um das Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit: Es verstehe sich von selbst, so Apfel, dass es „bei der ´seriösen Radikalität´ nicht um inhaltliche Anpassung und die Aufweichung unserer Grundsätze geht“.

So weit würde es bei Voigt jedoch gar nicht erst kommen, der Bundesvorsitzende wird dem radikalen Flügel der rechtsextremen Partei zugerechnet und so will Voigt im Falle der Wiederwahl vor allem auch klassische NPD-Themen besetzen wie die Ausländerrückführung. „Wir sind derzeit immer dann auf der Verliererseite, wenn wir mit Forderungen der Etablierten korrelieren. Daraus folgert, Themen zu besetzen, welche für die Etablierten tabu sind“, so Voigt.

Bezugnehmend auf die vor allem von der sächsischen NPD vorangetriebene Ausrichtung, sich in der Öffentlichkeit gemäßigter zu präsentieren und einen „gegenwartsbezogenen und volksnahen Nationalismus” zu verkörpern, werde es unter Voigt „eine weichgespülte NPD als diffuse `Rechtspartei´“ nicht geben. 

Als Udo Pastörs im Frühjahr 2009 gegen Voigt ins Feld zog, unterlag er dem 59-Jährigen noch relativ deutlich. 62,4 Prozent der insgesamt 218 Parteidelegierten sprachen sich seinerzeit für Voigt aus, der mittlerweile seit 15 Jahren im Amt ist. Diesmal dürfte es jedoch deutlich enger werden.

Kommentare(4)

WW Montag, 10.Oktober 2011, 19:56 Uhr:
Wenn das keine Steilvorlage für die Apfelfront ist.
 
Roichi Dienstag, 11.Oktober 2011, 08:58 Uhr:
Pattex-Udo vs. Fallobst-Holger
Die Schlacht der Winzlinge.
In den Nebenrollen: Schläger-Stefan, Hetzer-Udo, Milchbubi-Michael und Andere.

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Anton Mittwoch, 12.Oktober 2011, 11:45 Uhr:
Die Frage ist. Was macht Apfel aus der Partei? Was meint er mit modern und Wähleransprache?

Wenn man gesehen hat, wie Pästörs sich am Wahlabend in den Medien präsentiert hat:

"Wir sind die demokratische Alternative"

Dann kann das auch genz schnell ein Problem für das Parteienspektrum werden.
 
Amtsträger Mittwoch, 12.Oktober 2011, 15:41 Uhr:
Man kann also eine tragfähige Mehrheit an Wählern hinter sich versammeln, indem man "Wir sind die demokratische Alternative"" ausspricht?

Um es mit den Worten von Al Borland zu sagen: "Ich denke nicht, Tim!"
 

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