von Redaktion
   

„Trauern“ bei Neonazis nicht mehr in Mode

Noch vor einigen Jahren gehörten sogenannte Trauermärsche zu den „Höhepunkten“ in den Demonstrationskalendern der extremen Rechten. Der Aufzug in Magdeburg trat bald an die Stelle von Dresden, wo zivilgesellschaftlicher Widerstand den Neonazis ihre Pläne mehr und mehr durchkreuzte. Doch an diesem Wochenende fanden sich in der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt nunmehr noch 230 „Trauernde“ ein.

Der Trauermarsch in Magdeburg (Foto: Presseservice Rathenow)

In den letzten Wochen und Monaten verging kaum ein Tag, an dem in Deutschland nicht irgendwo Neonazis aufmarschierten. Die überwiegende Mehrheit der Aktionen richtet sich gegen Flüchtlinge, ihre Unterstützer oder „die Politik“. Neben Dresden, wo selbsternannte „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ Stimmung machen, hetzen in Mecklenburg-Vorpommern gleich mehrere Gruppierungen – einige davon aus dem direkten Umfeld der NPD. Identitätsstiftende Termine zum „Arbeiterkampftag“ am 1. Mai oder zu bestimmten Terminen der Geschichte gerieten offensichtlich ins Hintertreffen.

Rückläufige Teilnehmerzahlen

Im Schatten des „Trauermarsches“ von Dresden – in der sächsischen Landeshauptstadt sorgte wachsender zivilgesellschaftlicher Widerstand für zunehmenden Unmut auf Seiten der Neonazis – entwickelte sich Magdeburg zu einem der wichtigsten Aufmarschgebiete der Szene. Noch vor fünf Jahren kamen in der Ottostadt 1.200 Geschichtsklitterer zusammen, danach gingen die Teilnehmerzahlen stetig zurück. Nach Polizeiangaben bestand das überschaubare Häufchen am vergangenen Samstag noch aus 230 Personen. Die zumeist schwarz gekleideten jungen Männer waren offenkundig fast vollständig der Neonazi-Szene zuzurechnen. Mit Sigrid Schüßler, einer früheren NPD-Funktionärin, gehörte ein bekannteres Gesicht zur Spitzengruppe des Aufmarsches, der mindestens ein Mal blockiert wurde.

Neonazis folgen mehr oder weniger interessiert einer Rede (Foto: Presseservice Rathenow)

Für den Teilnehmerschwund dürfte neben dem gesellschaftlichen Gegenwind ein Verwirrspiel um die Organisatoren beigetragen haben. Das „Bündnis gegen das Vergessen“ zog sich zurück und konzentrierte seine verbliebenen Kräfte auf die Demonstration in Dresden Mitte Februar. Mit Andy Knape, bis vor rund eineinhalb Jahren Vorsitzender der NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten, tritt einer der wichtigsten Strippenzieher des „Trauermarsches“ nicht mehr öffentlich in Erscheinung. Dass ferner Anhänger des lokalen Pegida-Ablergs Magida die Fühler nach dem eigentlich traditionellen Termin ausgestreckt hatten, sorgte szeneintern für Unmut.

Aufmarsch von Gewalt begleitet

Die Polizei sprach in ihrer Pressemitteilung von einem weitgehend störungsfreien und friedlichen Verlauf. An den Aktionen der demokratischen Kräfte zu deren Höhepunkt die „Meile der Demokratie“ mit gut 10.000 Besuchern gehörte, beteiligten sich mehr als 160 Initiativen, Vereine, Schulen oder Kirchengeneiden. Im Neustädter Bahnhof seien allerdings 40 Neonazis auf 80 Gegendemonstranten getroffen, die sich im und um das Gebäude aufgehalten hätten. Um eine direkte Konfrontation zu vermeiden, hätten die Beamten Platzverweise gegen linke Aktivisten ausgesprochen, die teilweise „mittels einfacher körperlicher Gewalt“ durchgesetzt worden seien.Demonstrationsteilnehmer mit Combat 18-Tattoo (Foto: Presseservice Rathenow)

Nicht der einzige Zwischenfall. Wie die taz berichtet, seien in Ochersleben bei Magdeburg zehn Teilnehmer des Aufmarsches von rund zwei Dutzend Linksautonomen überfallen worden. Während sechs Angreifern die Flucht gelang, wurden vier Opfer teilweise schwer verletzt. Ein 34-jähriger Mann sei mit lebensbedrohlichen Kopfverletzungen notoperiert worden. Offenbar hatten sich die mit Eisenstangen und Baseballschlägern bewaffneten Gewalttäter hinter einem Gebäude in der Nähe des Bahnhofs versteckt.

Weitere Fotos bei Presseservice Rathenow.

Kommentare(5)

Ahmed Dienstag, 19.Januar 2016, 12:42 Uhr:
Die Neonazis haben eben Konkurrenz am rechten Rand erhalten... sie haben - und werden zunehmend Personal an die Neue Rechte verlieren, die sich vom NS distanziert und diesem teils sogar unversöhnlich gegenüber steht.

Damit verlieren auch die 2. WK - Themen an Relevanz, die Neonazis wollen diesen uminterpretieren, die Neue Rechte will einen Schlussstrich ziehen.

Für die Neonazis wird das auch einiges an Frust mit sich bringen, schliesslich wäre das nun ihre Chance, aber die Leute gehen zu Pegida, AfD und Co. und ihnen bleibt nichts anderes übrig als sich an diesen Trend anzuhängen.

Was der Überfall der Linksextremen angeht... primitiv, dumm, gefährlich... nicht nur das Menschen beinahe getötet wurden, damit hat man auch noch eine Steilvorlage geliefert um mit den Nazischlägern in einem Topf zu landen. Nazis mit Nazimethoden zu bekämpfen... abscheuliche Dummheit!
 
kritiker Mittwoch, 20.Januar 2016, 01:28 Uhr:
@ Ahmed
"Was den Überfall der Linksextremen angeht ..."
Ja, so klingt es, wenn "Kämpfer gegen Rechts" versuchen, sich von den Gewalt-
taten linker Extremisten so richtig zu "distanzieren". Da sind brutale Gewalttaten
und ein versuchter Totschlag (wenn nicht sogar versuchter Mord) ganz einfach
nur "primitiv", "dumm" und "gefährlich". Eine eigenartige Sichtweise auf solche
Taten ! Und die Angst, durch diese Taten mit "Nazischlägern" in einen Topf ge-
worfen zu werden wiegt für Ahmed offensichtlich mehr als die Tatsache, daß
ein Mensch (ist ja nur ein "Nazi") beinahe getötet wurde. Also für Ahmed (und
ich vermute auch für viele wackere "Kämpfer gegen Rechts") kein verabscheu-
ungswürdiges Gewaltverbrechen, sondern n u r eine "abscheuliche Dummheit".
Man stelle sich vor, es wäre umgekehrt und 2 Dutzend Rechtsextreme hätten
4 Linksextreme vorsätzlich schwer verletzt, einen sogar lebensgefährlich. Eine
Flut von Protesten und Hasstiraden gegen Rechts würde hier über ER herein-
brechen und auch die systemtreuen Medien würden ebenso heftig gegen Rechts
geifern. Aber die Täter waren ja nur eine Antifa-SturmAbteilung und die Opfer
nur Rechte. Also für die Öffentlich ohne Bedeutung. Nach dem gegenwärtig
geltenden politisch-korrekten Grundsatz : Links ist immer gut, Rechts ist immer
böse.
 
kritiker-kritisierer Mittwoch, 20.Januar 2016, 09:41 Uhr:
@kritiker:

Sag mal geht es eigentlich noch? Ahmed schreibt doch "...nicht nur das Menschen beinahe getötet wurden...". Ich lese da nicht von Relativierung oder Verniedlichung der Taten, sondern für mich ist das eine eindeutige Verurteilung der Taten. Was willst du eigentlich? Soll Ahmed den Opfern höchstpersönlich Blumen vorbei bringen? Kann ja echt nicht, sein wie du Ahmed hier angehst, als ob er persönlich an dem Überfall beteiligt war oder daran schuld wäre. Komm mal zurecht!
 
Irmela Mensah-Schramm Mittwoch, 20.Januar 2016, 10:45 Uhr:
@oh kritiker..
Sind denn Nazis "bessere Menschen", oder ist der Totschlagsversuch gegen sie schlimmer als umgekehrt ?
Gewiss, dieser Angriff ist auf jeden Fall zu verurteilen und faschistoid, - eben gerade deshalb, weil die Nazis permanent ebenso agieren.
Schließlich gibt es weit mehr als 100 Todesopfer rechter Gewalt, aus niedrigsten Beweggründen, auch Rassismus.
Auch gegern mich gab es wiederholt Morddrohungen und tätliche Angriffe (nachweisbar)..............
Demo Opfer ist zu wünschen, dass er so unbeschadet überlebt, dass er vielleicht die Chance nützt, mal auch über seine Zukunft nachzudenken!
 
Roichi Mittwoch, 20.Januar 2016, 11:51 Uhr:
@ Kritiker

Du Vermutest, du behauptest du postulierst, du pöbelst, aber mehr machst du nicht.
Deine Behauptungen sind mit einfachen Mitteln, wie Lesen zu widerlegen.
Weder hat Ahmed etwas relativiert, noch wird der Angriff in der Medienwelt verschwiegen.

Kannst du nur noch mit Lügen arbeiten, um die Ideologie zu halten?
 

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