von Redaktion
   

Torschlusspanik: NPD will AfD in giftige Wahl-Allianz zwingen

Erst das Verbotsverfahren in Karlsruhe, dann die ungünstigen Umfragewerte und nun die Wahlergebnisse der AfD im hessischen Wahlkampf: Die rechtsextreme NPD dürfte in diesen Tagen mit großer Anspannung auf die Wahlen vor allem in Sachsen-Anhalt blicken. Angesichts der Erfolge der selbsternannten Alternative versucht die NPD nun offenbar zu retten, was zu retten ist. In einer Pressekonferenz schlug der Bundesvorstand eine Wahl-Allianz zwischen NPD und AfD vor. Ein Angebot, das die AfD nur ablehnen kann.

Die NPD-Spitze (in der Mitte Bundeschef Frank Franz) stellt ihre verzweifelte Zweitstimmenkampagne vor

Vor fünf Jahren waren die Rechtsextremisten von der NPD knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Jüngste Umfragen sahen sie für die Wahl in Sachsen-Anhalt nur noch zwischen ein und drei Prozent. Im Gegensatz zur AfD, die deutlich die Hürde von fünf Prozent überspringen dürfte.

Was also tun, wenn sich mit rasenden Schritten die politische Klippe nähert? NPD-Bundesvorsitzender Frank Franz hat sich für die Flucht nach vorn entschieden und dem Hauptgegner AfD heute eine strategische Allianz vorgeschlagen. Der geneigte Wähler solle sich nicht zwischen den beiden Parteien entscheiden müssen, sondern einfach beide wählen. Die AfD mit der Erststimme, die NPD mit der Zweitstimme.

Satire-Aktion ähnlichen Inhalts

Was auf den ersten Blick an eine Satire-Aktion aus dem Februar erinnert, scheint seitens der NPD aber ernst gemeint zu sein. Seinerzeit hatten Unbekannte dazu aufgerufen, auf dem Wahlzettel NPD und AfD gleichzeitig anzukreuzen. Wohl mit dem Hintersinn, dass Wähler, die mit dem Wahlsystem nicht so vertraut sind, dann tatsächlich beispielsweise zwei Zweitstimmen vergeben und der Wahlzettel anschließend als ungültig gezählt werden muss.

NPD-Franz stellt sich indessen natürlich etwas anderes unter der Allianz vor. Die AfD dürfte nämlich – genauso wie die NPD selber – kein übermäßiges Interesse an Erststimmen haben, die für Direktmandate entscheidend sind. In aller Regel gelingt es kleineren Parteien nämlich nicht, ein solches Direktmandat zu erlangen, die abgegebenen Erststimmen aller nicht-gewählten Wahlkreisbewerber „verfallen“.

Viel wichtiger sind hingegen die Zweitstimmen, die über die Anzahl der Sitze im Landesparlament entscheiden und damit dringend gebraucht werden, um möglichst viele Kandidaten von der AfD- bzw. NPD-Landesliste in den jeweiligen Landtag einziehen zu lassen.

Der Vorschlag der NPD, die AfD möge im Rahmen einer Allianz also die – für kleine Parteien vergleichsweise uninteressanten – Erststimmen abfassen, während die NPD die lukrativen Zweitstimmen auf sich versammelt, dürfte bei der AfD lediglich Gelächter hervorrufen. Die Umworbenen antworteten prompt über Twitter: „Gefälschte Plakate, unerträgliche Kooperationsangebote. Mit der #npd möchte die #AfD nichts zu tun haben“, teilte ihr Pressesprecher mit.   

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