von Oliver Cruzcampo
   

Todestag von Hitler-Stellvertreter Heß: Neonazis wollen durch Berlin marschieren

Anlässlich des 30. Todestages des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß ist Mitte August ein Neonazi-Aufmarsch in Berlin geplant. Laut Anmeldung werden mehrere Hundert Teilnehmer erwartet, auch international wird mobilisiert.

Fotos eines Aufmarsches für Heß im Jahr 2004; Foto: Marek Peters/www.marek-peters.com

Am 17. August jährt sich der Tod Rudolf Heß´ zum 30. Mal. Der Hitler-Stellvertreter begang am 17. August 1987 im sogenannten Kriegsverbrechergefängnis in Berlin Spandau Selbstmord – ein Umstand, der in Neonazi-Kreisen bis heute geleugnet wird. Dort wird Heß bis heute als Märtyrer verehrt, die Rede ist von Mord.

Am 19. August soll es in Berlin einen Neonazi-Aufmarsch anlässlich des Todestages geben, seit Anfang Mai wird über eine anonyme Internetseite für die Demo mobilisiert. Angemeldet wurde diese laut Polizei von einer Privatperson von 12 bis 20 Uhr, die Organisatoren haben 500 Teilnehmer angemeldet. Ob die relativ hohe Zahl realistisch ist, kann zum bisherigen Zeitpunkt schwer eingeschätzt werden. Auf Facebook mobilisieren vor allem NPD- und JN-Kreise für den Aufmarsch. Allerdings wurden die Aufrufe in insgesamt neun weiteren Sprachen online gestellt, somit spricht einiges für eine Mobilisierung über die Landesgrenzen hinaus.

Die genaue Route steht derzeit noch nicht fest, würde sich jedoch in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf-Spandau bewegen. Ziel dürfte vermutlich auch die Wilhelmstraße sein, dort befand sich das Kriegsverbrechergefängnis bis zum Abriss 1987.

Motto des rechtsextremen Aufzuges lautet „Mord verjährt nicht, gebt die Akten frei – Recht statt Rache!“. Die Organisatoren beziehen sich damit offenbar auf eine Sperrfrist, die dieses Jahr nach 30 Jahren ablaufen soll. In dem Aufruf ist von „präsentierten Selbstmord-Thesen“ die Rede, bis heute verweigern Neonazi-Kreise die Anerkennung des Selbstmordes.

Wunsiedel als Pilgerstätte

Bereits vor zehn Jahren gab es zu Heß´ Todestag mehrere Neonazi-Demonstrationen in Deutschland, Behörden versuchten, diese zu unterbinden. Auch die oberfränkische Stadt Wunsiedel, in der Heß begraben lag, hatte sich seitdem zu einer Pilgerstätte für Neonazis entwickelt. Das Grab wurde jedoch 2011 aufgelöst.


Foto der Demo des Dritten Weges im vergangenen November; Foto: Thomas Witzgall

Vor allem Neonazis des Dritten Weges instrumentalisieren Wunsiedel seitdem für ihre Aufmärsche. Zuletzt zogen über 200 Teilnehmer für ein „Heldengedenken“ durch die Stadt, direkte Bezüge auf Heß sind in jeder Form untersagt.

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