von Marc Brandstetter
   

Thüringen: Saisonauftakt für Neonazi-Konzerte

Erst vor wenigen Tagen prägte Thüringen die Berichterstattung zum 1. Mai – in Weimar sprengten Neonazis eine DGB-Veranstaltung, in Saalfeld marschierten gut 700 höchst aggressive Teilnehmer durch die Stadt, da werfen die nächsten Ereignisse ihre Schatten voraus. Bereits an diesem Wochenende soll die extrem rechte Hooligan-Band „Kategorie C“ in Kloster Veßra auftreten, bevor am 23. Mai in Hildburgshausen das „Rock für Meinungsfreiheit“ über die Bühne gehen soll. Mittendrin: Neu-Gastronom Tommy Frenck.

Neu-Gastronom und Neonazi-Kader Tommy Frenck auf einer NPD-Veranstaltung (Foto: Thomas Witzgall, Archiv)

Kaum hatte der umtriebige Neonazi Tommy Frenck den Gasthof „Zum Goldenen Löwen“ zu Beginn dieses Jahres gekauft, brachte er ein umfangreiches Veranstaltungspaket auf den Weg. Die antisemitische „Europäische Aktion“ referierte zur „Geostrategischen Lage von Russland und Europa“, vor knapp drei Wochen redete darüber hinaus der Ex-NPD-Bundesvorsitzende und mehrfach vorbestrafte Holocaust-Leugner Günter Deckert auf einem Treffen des NPD-nahen „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ (BZH), für das Frenck im örtlichen Kreistag sitzt. Mit einem Balladenabend des früheren Sängers der als kriminellen Vereinigung verurteilten Rechtsrock-Band „Landser“, Michael „Lunikoff“ Regener, lockte der einstige NPD-Lokalpolitiker am 24. März über 150 Gäste in das 80.000 Euro teure Fachwerkhaus. Den Grundstein für eine weitere Einnahmequelle hat der gelernte Koch damit gelegt, zumal der normale Betrieb, zu dem ein regelmäßiger „Deutscher Stammtisch-Abend“ gehört, weiterzugehen scheint.

Am kommenden Samstag steht mit einem Konzert der Hooligan-Gruppe „Kategorie C“ der nächste Großevent ins Haus. Nach Band-Angaben sei der Auftritt genehmigt und finde unter Auflagen statt. Die Bremer um Sänger Hannes Ostendorf haben erst kürzlich eine neue CD mit dem Titel „Falsch gelebt“ veröffentlicht, die sie nun in der thüringischen Provinz promoten wollen. Nicht selten wurden „Kategorie C“-Konzerte in der Vergangenheit verboten, wie im November 2011, als die Bremer Senatsverwaltungen einen Auftritt der vierköpfigen Truppe unterband, da es dort zu „massiven Rechtsguts- und Gesetzesverletzungen kommen“ könne. Aufgetreten ist die einschlägig bekannte Band hingegen beim größten „HoGeSa“-Aufmarsch in Köln, der in Straßenschlachten zwischen Hooligans und der Polizei endete.

„Thüringentag der nationalen Jugend“ vor Neubeginn

Der 1987 geborene laut Spiegel Online wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte Frenck will sein Netzwerk außerdem nutzen, um dem „Thüringentag der nationalen Jugend“ neues Leben einzuhauchen. Die letzte Auflage war 2013 mit nur 160 Besuchern gnadenlos gefloppt. Zwei Jahre früher machten sich 800 Neonazis zum zehnjährigen Jubiläum auf den Weg nach Sondershausen, wo neben dem damaligen NPD-Chef Udo Voigt die beiden Rechtsrock-Größen „Sleipnir“ und „Words of Anger“ auf der Bühne standen. Als Termin für den Neubeginn hat der Betreiber des entlarvend betitelten Online-Shops „Druck 18 Werbetechnik“ in Schleusingen den 6. Juni ins Auge gefasst.

Zwei Wochen vorher beteiligt sich Frenck mit einem Redebeitrag an dem von Patrick Schröder organisierten und vom brauen Internet-Kanal „FSN TV“ beworbenen „Rock für Meinungsfreiheit“ auf dem Festplatz in Hildburghausen. Neben dem Neu-Gastronomen werden der Landesorganisationsleiter der NPD, David Köckert, und Alexander Kurth (Die Rechte Sachsen), die beide bei der 1. Mai-Demonstration in Erfurt mitmarschierten, zum Mikrophon greifen.

Patrick Schröder vor Gericht (Foto: Thomas Witzgall, Archiv)

Außerdem sind Sebastian Schmidtke, Chef der Berliner NPD, und Schröder selbst als Redner angekündigt. Den musikalischen Teil gestalten die seit mehr als 20 Jahren aktiven „Sleipnir“, „Überzeugungstäter“ aus Sachsen, deren Debüt umgehend auf der Indizierungsliste landete, „Faust“, „Killuminat!“, „Ahnenblut“ und „Mjöllnir“.

Frenck und Schröder - Revolutionäre mit Geschäftssinn

Das ursprüngliche Konzept schmiss Schröder um – das „Rock für Meinungsfreiheit“ läuft mittlerweile unter dem Etikett „Kundgebung“. Damit sollen behördliche Maßnahmen möglicherweise erschwert werden. Einen Fehlschlag kann sich der geschäftstüchtige bayerische NPD-Funktionär und Selbstdarsteller Schröder nämlich nicht leisten. In zweiter Instanz war der Geschäftsführer der Neonazi-Modemarke „Ansgar Aryan“ vom Landgericht Weiden erst vor wenigen Wochen zu einer Geldstrafe von 4.200 Euro verurteilt worden. Der Richter sah es als erwiesen an, dass der 31-Jährige in der 87. „FSN TV“-Sendung den Hitlergruß gezeigt hatte. 

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