von Oliver Cruzcampo
   

„Tag der deutschen Zukunft“ – Nach einem Kilometer war Schluss

Hunderte Mitglieder mehrerer rechtsextremer Parteien und Anhänger freier Kräfte versammelten sich am Sonnabend in Neuruppin zum „Tag der deutschen Zukunft“. Gegen die „Überfremdung des deutschen Volkes“ sollte protestiert und marschiert werden. Doch bereits nach einem Kilometer kam der Trupp zum Stehen – erstmals wurde die Demo in ihrer siebenjährigen Geschichte blockiert.

Gleich am Bahnhof Neuruppin/West, der am Samstagmittag als Treffpunkt der rechtsextremen Szene dienen sollte, wurde deutlich, was die anwesenden Pressevertreter über den Tagesverlauf immer wieder ereilen würde. Etliche Neonazis bewegten sich auf Journalisten zu, behinderten sie an ihrer Arbeit und bedrängten sie. Erst nach etlichen Minuten schritt die Polizei ein.

Rund 500 Teilnehmer hatten sich gegen Mittag am Sammelpunkt eingefunden. In seltener Einigkeit hatten sich Mitglieder der rechtsextremen Parteien NPD, Der Dritte Weg sowie die Rechte vor Ort eingefunden. Dazu gesellten sich Anhänger freier Kräfte sowie Kameradschaften. Erstmals wurde der „Tag der deutschen Zukunft“ (TddZ) 2009 durchgeführt, seitdem soll parteiübergreifend und gemeinsam gegen einen „Bevölkerungsaustausch“ und die „Überfremdung des deutschen Volkes“ auf die Straße gegangen werden.

Dementsprechend befand sich auf der Rednerliste allerlei Szene-Prominenz wieder. Für die NPD übernahm den Part der Parteivize Stefan Köster. Für die Rechte der Dortmunder Kader Michael Brück – der letztendlich allerdings nicht am Pult stand – , und für den Dritten Weg der umtriebige Maik Eminger, dessen Zwillingsbruder mutmaßlicher NSU-Unterstützer ist.

Auffallend war, dass der starke NPD-Landesverband aus Mecklenburg-Vorpommern, der neben der JN auch zur Teilnahme mobilisiert hatte, nur äußerst schwach vertreten war. Neben Köster und seinem Mitarbeiter Torgai Klingebiel reisten – trotz geographischer Nähe – nur vereinzelt Unterstützer an. Selbst JN-Chef Sebastian Richter zog am Sonnabend andere Aktivitäten vor. Die Kameradschaftsszene aus Vorpommern entschied sich ebenfalls geschlossen gegen eine Teilnahme.

Auf der Website brüsten sich die Organisatoren des TddZ damit, bislang jeweils erfolgreich durch die jeweilige Stadt marschiert zu sein – am Samstagnachmittag kam es allerdings bereits nach wenigen Hundert Metern zu einer ersten Blockade durch rund 150 Teilnehmer. Die Polizeiführung entschied sich zu dem Zeitpunkt noch, den Neonazi-Trupp in nur wenigen Metern Abstand vorbeizuleiten. Zahlreiche Flaschen flogen aus beiden Seiten – die angespannte Situation ging glimpflich vorüber.


Nach nur rund einem Kilometer ging es nicht mehr weiter für die Rechtsextremen; Foto: Screenshot

Wenige Hundert Meter weiter kam der Tross Neonazis allerdings erneut zum Stehen. Auf einem Kreisverkehr hatten es sich über Hundert Gegendemonstranten bequem gemacht – ein Weiterkommen des politischen Gegner sollte im zweiten Versuch unterbunden werden. Diesmal mit Erfolg. Polizeiführung und Dave Trick, Anmelder und NPD-Stadtvertreter aus Neuruppin, konnten sich nicht einigen, der Rechtsextreme löste kurz vor 16 Uhr die Demonstration auf. Sichtlich zum Unmut der angereisten Gesinnungsgenossen. Diese hatten sich bei sengender Hitze bereits seit über einer Stunde die Beine in den Bauch gestanden und auf ein Weiterkommen gehofft. Vergeblich.

2016: Dortmund

Die Kampagne „Tag der deutschen Zukunft“ konnte somit im siebten Jahr erstmals nicht ihr Ziel erreichen und musste die Versammlung vorzeitig auflösen. Lediglich einen Kilometer marschierten die Rechtsextreme, bevor es kein Weiterkommen mehr gab. „Das „NOTDDZ“-Bündnis bedankt sich bei allen die heute mit uns auf der Straße waren, was dazu geführt hat, dass die Neonazis ihre Demonstration frühzeitig selbst auflösten“, schreibt die Initiative „NOTDDZ“ auf ihrer Facebook-Seite.

Die Veranstalter des Aufmarsches haben bislang keine Stellungnahme veröffentlicht. Währenddessen wird bereits für das kommende Jahr mobilisiert – die gestrigen Geschehnisse sollen offenbar schnellstmöglich vergessen werden. Am 4. Juni 2016 soll es dann nach Dortmund gehen – Mitglieder verbotener Kameradschaften, die nun für die Rechte aktiv sind, verteilten am gestrigen Nachmittag bereits Flyer für die Demo. Damit verliert der TddZ auch zunehmend seinen ursprünglichen Charakter – fast sämtliche Demos fanden bislang im norddeutschen Raum statt.

Kommentare(2)

Insider wissen mehr! Sonntag, 07.Juni 2015, 22:36 Uhr:
Der „Firle-Franz“ ward nicht gesehen (und auch nicht vermißt)!
 
Irmela Mensah-Schramm/ Montag, 08.Juni 2015, 08:46 Uhr:
Fest dürfte jedoch stehen, dass einzig die erfolgreichen Blockadeaktionen den Naziaufmarsch - zwar leider nicht gänzlich verhindert - , aber dennoch reichlich behindert, d.h. verkürzt haben.
Ich freue mich darüber riesig und danke allen Mirblockierern - auch für den solidarischen Umgang miteinander !
 

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