von Marc Brandstetter
   

„Tag der deutschen Zukunft“: Maulkorb für neun von zehn Rednern

Mit dem „Tag der deutschen Zukunft“ steht eine der größten Neonazi-Demonstrationen des Jahres vor der Tür. Die Stadt Karlsruhe macht drei Tage vorher den Planungen einen Strich durch die Rechnung. Neun der zehn angemeldeten Redner wurden durch die Versammlungsbehörde abgelehnt, da zu ihnen polizeiliche Erkenntnisse vorliegen würden.

Teilnehmer einer früheren TddZ-Demonstration (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

Die Organisatoren des „Tags der deutschen Zukunft“ (TddZ) haben sich auf den bekannten Kanälen bislang noch nicht geäußert. Die von der Stadt Karlsruhe getroffene Maßnahme dürfte unter den Neonazis jedenfalls hektische Betriebsamkeit auslösen. Denn die Versammlungsbehörde hat nach einer Überprüfung neun der zehn angemeldeten Redner abgelehnt. Der Grund: Zu diesen Personen würden polizeiliche Erkenntnisse vorliegen, die von „gewalttätig“, über die Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen bis hin zur Volksverhetzung reichten. Namen nannte die Behörde in ihrer Mitteilung keine – wie die Organisatoren im Übrigen auch. Auf den im Internet einsehbaren Mobilisierungsmaterialien sind keine Redner aufgeführt.

1.000 gewaltbereite Neonazis erwartet

„Wir können nicht akzeptieren, dass Redner, die selbst als Gewalttäter bekannt sind, auf die erwartete große Zahl der teilweise ebenfalls gewaltbereiten Teilnehmenden einwirken“, betont Björn Weiße, Leiter des Ordnungs- und Bürgeramtes der Stadt Karlsruhe. Die Polizei rechnet mit 1.000 gewaltbereiten Neonazis, von denen 100 sogar als „extrem gewaltbereit“ geführt werden. Zur letztjährigen Auflage des „Tags der deutschen Zukunft“ versammelten sich in Dortmund 900 Teilnehmer, am Abend nach der Demonstration griffen Neonazis Polizisten mit Pfefferspray und Feuerlöschern an.

Am Samstag wird die Polizei im Karlsruher Stadtteil Durlach mit starken Kräften präsent sein. Mit 3.000 Polizisten handelt es sich um einen der größten Einsätze in der Geschichte Baden-Württembergs. Trotzdem befürchten die Behörden Straf- und Gewalttaten, auch weil im Internet mit Videos, in denen vermummte Personen Pyrotechnik zünden und Straftaten begehen, für den szeneübergreifenden Aufmarsch mobilisiert wird. Beim „Tag der deutschen Zukunft“ versammeln sich Angehörige unterschiedlichster extrem rechter Organisationen von der NPD, über Die Rechte bis hin zu klassischen „Freien Kräften“ und „Autonomen Nationalisten“. Auf der Mobilsierungs-Webseite rufen u. a. der niedersächsische Neonazi Dieter Riefling und der Die Rechte-Kader Sascha Krolzig zur Teilnahme auf.

Redner und Ordner abgelehnt

Nach Angaben der Stadt Karlsruhe würden die TddZ-„Macher“ juristische Mittel gegen das Auftrittsverbot der neun geplanten Einpeitscher prüfen. Neben den Rednern wurden außerdem 16 angezeigte Ordner abgelehnt, da sie „mit einschlägigen Verhaltensweisen“ aufgefallen und aus Sicht der Behörde nicht die Gewähr dafür bieten würden, einen „ordnungsgemäßen Ablauf der Versammlung sicherzustellen“.

Kommentare(2)

Preda Freitag, 02.Juni 2017, 00:14 Uhr:
Ich habe dem Text leider nicht entnehmen können, warum diese Menschen "rechts" sind, um ihn Ihrem Vokabular zu bleiben. Einfach nur rechts zu kennzeichnen oder Begründung, ohne entsprechenden Sachverhalt ist keine Berichterstattung. Das ist Populismus.
Schauen Sie, das unten stehende, das ist nicht nur rechts in Ihrem Sinne sondern auch Volksverhetzung. Haben Sie darüber schon berichtet?
Deniz Yücel schrieb
"Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite. " (QUelle: 1. März ZeitOnline)
 
Roichi Freitag, 02.Juni 2017, 10:49 Uhr:
@ Preda

Manchmal hilft Wikipedia wirklich weiter:
https://de.wikipedia.org/wiki/Politisches_Spektrum
oder der Duden:
http://www.duden.de/rechtschreibung/Rechte_Hand_Schlag_Stroemung

Deine Ablenkung ist notiert und ins Leere gelaufen.
 

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