von Julian Barlen
   

Stumpf ist Trump(f) – Neuer US-Präsident beflügelt Rechtspopulisten

Es ist schon bizarr und trotzdem passt es doch ins aktuelle Bild: Donald J. Trump ist der nächste Präsident der USA – nach einem Wahlkampf, der an Schmutz und „Post-Faktizismus“ wohl kaum zu überbieten ist. „Make America Great Again“, so Trumps von Ronald Reagan entliehener Wahlkampfslogan, lässt international vor allem rechtspopulistische Augen glänzen. Ein Kommentar

Donald Trump, Foto: Marc Nozell, CC BY 2.0

Üblicherweise überwiegen nach einer Präsidentschaftswahl auf diplomatischem Parkett die Gratulationen und Bekundungen der guten Zusammenarbeit. Nach Trumps, bis zuletzt demoskopisch unerwartetem, Sieg liegen aber auch hier die Pole weit auseinander. Während vielfach Ratlosigkeit und Schock vorherrschen, sind andere freudig aus dem Häuschen.


„Die Amerikaner holen sich ihr Land zurück“

„Glückwünsche an den neuen Präsidenten der USA, Donald Trump, und an das freie amerikanische Volk!“, übersandte Marine Le Pen vom Front National. Aus Großbritannien schloss sich sogleich Nigel Farage, Ex-Chef der rechtspopulistischen Ukip, an. Es scheine, als werde 2016 zum Jahr zweier großer politischer Revolutionen.

Der nächstes Jahr vor einer Parlamentswahl stehende niederländische Populist Wilders ging so weit zu sagen, die Amerikaner holten sich durch die Wahl Trumps „ihr Land zurück“. In Deutschland reagierte die AfD zunächst fast ungeahnt nüchtern, wenngleich auch hier der Erfolg Trumps als Beleg für die eigene Politik gesehen wird. So äußerte sich Beatrix von Storch mit den Worten: „Der Sieg von Donald Trump ist ein Signal dafür, dass die Bürger in der westlichen Welt einen klaren Politikwechsel wollen“. Zumindest mit Blick auf die USA dürfte diese Einschätzung tatsächlich zu dem Wahlergebnis geführt haben. Rund 80 Prozent der Befragten gaben an, dass Trump ihrer Meinung nach für einen Wandel stehe. Nur ein Bruchteil traute dies Clinton zu.

Frauke Petry sagt in einem eigenen Artikel in der „Jungen Freiheit“: „Die Political Correctness ist am Ende.“ Es werde höchste Zeit, dass das „vom politischen Establishment entmündigte Volk seine Stimme“ zurückerhalte. Heißt, die kulturelle Errungenschaft, nicht zu Zwecken der eigenen Profilierung die Interessen einzelner Gruppen mit Füßen zu treten, hat endlich ausgedient.

„Make betreffendes Land Great Again“

Wandel, ja. Fragt sich nur, in welche Richtung. Während Trump im Wahlkampf keine Gelegenheit ausließ, gegen Immigranten und alles „Etablierte“ – abgesehen von ihm selber, versteht sich – zu wettern und ein Revival der Industrialisierung, des Kohletagesbaus und der (bewaffneten) Bürgerrechte versprach, betonte er in seiner Siegesrede eine Präsidentschaft für alle Amerikaner, unabhängig von deren Abstammung und Religion. Finde den Fehler.

Auch wenn Rechtspopulisten es in Europa vermieden haben, in Regierungsverantwortung zu kommen und sich beweisen zu müssen, dürfte der Trump-Wahlkampf den rechten Wahlstrategen hierzulande doch als Blaupause dienen.

Ein stärkeres Abzielen auf die Gemütsregungen „Unzufriedenheit“, „Angst und Unsicherheit“, „Neid und Missgunst“ sowie „Stolz auf die eigene Gruppe“ dürfte nicht machbar sein. Gleiches gilt für die konsequente Anwendung des „Sündenbock-Prinzips“. Die „Mexikaner“ sind für Kriminalität und Vergewaltigungen verantwortlich. Die „anderen Politiker“ und „internationale Kooperation statt Abgrenzung“ für den Niedergang der US-Wirtschaft und Arbeitslosigkeit. Die „politische Korrektheit und das Tabuisieren von Wahrheiten“ für den eigentlichen Verfall der Sitten. Weiß gegen Nicht-Weiß, Machos gegen Softies, Heteros gegen Homos, Stadt gegen Land, Wir gegen Die.

Dass diese Strategie gegenüber Kandidat*innen des „Establishments“ erfolgreich ist, hat Trump erneut bewiesen. Dass er seine Anhänger nun auch auf der Handlungsebene überzeugen muss, stimmt ebenfalls. Alle Akteure „links“ des Rechtspopulismus müssen um so dringender die Frage beantworten, was geschehen muss, damit der demokratische Wettstreit um die besten Konzepte, die gegenseitige Toleranz und Achtung von Vielfalt und die Bewertung von Fakten für anschließende konkrete Handlungen wieder zum Maßstab für gute, erfolgreiche Politik werden. Auch und vor allem für die „angry white men“.

Kommentare(1)

Thomas Wendt Dienstag, 15.November 2016, 11:55 Uhr:
> Finde den Fehler.

Die extrem einseitige Berichterstattung. Aus einer einstündigen Rede 30 Sekunden nach eigenem Blickwinkel zu filtern führt zwar zum vom Redakteur gewünschtem Bild, aber eben zwangsläufig zu einer falschen Analyse, bei denen, die sich auf diese Art der Berichterstattung verlassen. Besser sich bei YouTube ganze Originalreden von Trump anschauen. Dann liegt man mit seiner Ahnung von dem was Trump antreibt und was er davon wirklich umsetzen will sicher besser.

Das mit dem gewünschtem "demokratischen Wettstreit um die besten Konzepte" wurde nicht von Trump konterkariert, sondern von den Handlagern und Hintermännern Clintons gegenüber Bernie Sanders. Darüber sollten "linke Akteure" mal ernsthaft nachdenken. Dann würde man auch den Ursachen für das Versagen und darum den europaweiten Niedergang der Sozialdemokratie auf die Spur kommen.

Ohne das Versagen der "Linken" keine "Rechten".
 

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