von Marc Brandstetter
   

Stumme Hetzer: Bremer Polizei bricht NPD-Kundgebung vorzeitig ab

Die Besatzung des NPD-„Flaggschiffs“ steuerte gestern im Rahmen ihrer „Deutschlandfahrt“ Bremen an. Dort kam es zum Eklat: Die Polizeiführung brach die Kundgebung ab, da die Rechtsextremisten gegen Auflagen verstoßen haben sollen. Zuvor lieferten sich Polizisten bereits einzelne Scharmützel mit NPD-Gegnern. Außerdem soll ein NPD-Anhänger versucht haben, einen Gegendemonstranten anzugreifen, was Beamte in letzter Minute verhinderten.

Ankommen, auspacken, aufbauen, loslegen. So sieht – vereinfacht gesagt – der Plan der Organisatoren für die Termine der NPD-„Deutschlandfahrt“ aus. Gestern in Bremen kamen die Rechtsextremisten über die Vorbereitung ihrer Redebeiträge nicht hinaus. Noch bevor ein einziges Wort den Veranstaltungsort in Bremen-Vegesack beschallen konnte, ordnete die Einsatzleitung der Polizei die Auflösung der Kundgebung an. Der Grund: Der braune Wahlkampftross soll „umstrittene Marschmusik, die als Glorifizierung des NS-Regimes“ angesehen werden könne, abgespielt haben. Laut Holger Apfel habe es sich um den „Badenweiler Marsch“ gehandelt, der zu den liebsten Musikstücken Adolf Hitlers gehört haben soll. Damit aber habe die Truppe um Versammlungsleiter Ronny Zasowk gegen Auflagen der Behörde verstoßen, hieß es in einer Pressemitteilung.

Bereits vorher war es zu vereinzelten Auseinandersetzungen zwischen den 120 Polizeibeamten und einigen Gegendemonstranten gekommen, die versucht hatten, die Absperrung zu durchbrechen. Laut Polizeiangaben soll es dabei zu Steinwürfen auf die Polizisten gekommen sein. Nur der Einsatz starker Kräfte, die auch Schlagstöcke einsetzten, habe eine Konfrontation der beiden politischen Lager verhindert. Fünf Gegendemonstranten seien vorläufig festgenommen worden. Gegen sie wurden Ermittlungsverfahren u. a. wegen Landfriedensbruchs eingeleitet. Der Großteil der 150 Anti-NPD-Aktivisten habe aber friedlich demonstriert.

Nach Informationen des Weser Kuriers bewarfen einige Gegendemonstranten das abrückende „Flaggschiff“ mit Eiern und Steinen. Daraufhin sei ein NPD-Anhänger aus einem Fahrzeug gestürmt – bewaffnet mit einem Feuerlöscher. Wieder hatte die Polizei alle Hände voll tun, um ein Aufeinandertreffen von NPD-Aktivisten und Demonstranten zu unterbinden.

Für die NPD-Wahlkämpfer war der Tag damit aber nicht beendet. Ihr Konvoi wurde auf der A 27 gestoppt. Die Ermittler nahmen die Personalien aller Beteiligten auf und fertigten nach Parteiangaben Videoaufnahmen aller NPD-Unterstützer an. Der Verdacht: Aus den Reihen der „Flaggschiff“-Besatzung sei eine gefährliche Körperverletzung begangen worden. Die ungeplante Unterbrechung soll insgesamt rund eine Stunde gedauert haben. Parteifunktionäre sprachen von „skandalösen Zuständen“ und vom „Polizeistaat“.


Foto: Archiv

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