Schulterschluss extrem rechter Parteien? NPD, Die Rechte und Der Dritte Weg mobilisieren zu gemeinsamer „Sonnenwendfeier“

Am vergangenen Samstag kamen im niedersächsischen Eschede gut 100 Neonazis zu einer „Sonnenwendfeier“ zusammen. Während nachmittags ein „Kinderprogramm“ vorgesehen war, hatten die Veranstalter für den Abend drei extrem rechte Bands angekündigt. Das Besondere bei diesem Treffen: Es wurde gemeinsam von den konkurrierenden Parteien NPD, Der Dritte Weg und Die Rechte beworben.

„Sonnenwendfeiern“ gehören zu den traditionellen Höhepunkten im Kalender der extrem Rechten. In Mecklenburg-Vorpommern versammeln sich jedes Jahr mehrere Hundert Neonazis in Jamel, dem Wohnort des mehrfach vorbestraften Ex-NPD-Kommunalpolitikers Sven Krüger. Wie kaum ein anderer Ort in Deutschland gilt das kleine Dorf im Landkreis Nordwestmecklenburg als Neonazi-„Hotspot“; während des NPD-Verbotsverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht wurden die dortigen Aktivitäten der Szene ausführlichst diskutiert. In Eschede in Niedersachsen feierten die rund 100 angereisten Neonazis in diesem Jahr sogar Jubiläum – es sollte laut Flyer „25 Jahre Widerstand im Heide(n)land“ begangen werden. Vor einem Vierteljahrhundert, berichten Beobachter vor Ort, habe die mittlerweile verbotene „Nationale Liste“ hier eine Wehrsportübung abgehalten.

Familienfeier mit Rechtsrock

Für ihre aktuelle Zusammenkunft hatten die Veranstalter ein großzügiges Programm zusammengestellt. Der Nachmittag stand mit Kaffee und Kuchen, einer „traditionellen Feierstunde“ und „Kinderprogramm“ im Zeichen der braunen Familienpflege. Den musikalischen Rahmen sollten der Liedermacher „Barney“, bei dem es sich laut Blick nach Rechts um Mirko Szydlowski aus Jena handele, unterstützt durch „Rommel“, gestalten. Am Abend sollte sich das Duo mit „Flak“, die 2017 eine Live-Scheibe veröffentlicht haben, sowie dem aus Braunschweig stammenden Neonazi-Barden „Gassenraudi“ die Bühne teilen.

Auf seiner Facebook-Seite machte „Gassenraudi“, der bislang über das Demostadium nicht hinausgekommen ist, Werbung für die „Sonnenwendfeier“. Ansonsten fiel die öffentliche Mobilisierung vergleichsweise kümmerlich aus. Trotzdem zählte die Polizei nach eigenen Angaben mehr Teilnehmer als in den Vorjahren, obwohl es sich um eine „kleinere private Feier“ gehandelt habe.

Bekannter Veranstaltungsort

Um das weitläufige Gelände um den Hof von Joachim Nahtz besser überblicken zu können, setze die Polizei vier berittene Beamte ein. Nahtz gilt als langjähriger Aktivist, laut NDR sei er NPD-Mitglied (Stand September 2016). Der 1935 geborene Landwirt trat in der Vergangenheit für die extrem rechte Partei zu Landtags- und Bundestagswahlen an. In früheren Jahren hätten sich auf dem Hof mehrere Hundert Neonazis zu Brauchtumsfeiern oder Rechtsrock-Konzerten zusammengefunden, schreibt die Lokalpresse. Nach dem Verkauf eines großen Teils des Grundstückes und eines Brandes im August 2014 standen den Organisatoren nunmehr geringere Ressourcen zur Verfügung.

Auf einem in der Szene kursierenden Flyer warben gleich mehrere extrem rechte Organisationen für die Teilnahme. Neben der „Gefangenenhilfe“, die mit Kontaktadresse in Schweden „inhaftierte Nationalisten“ unterstütze, und den „Düütschen Deerns“, sind die Logos der NPD, ihrer Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten (JN), des Dritten Weges und Der Rechten abgedruckt.

Gegenproteste im Visier

Die augenscheinliche Zusammenarbeit der eigentlich konkurrierenden Parteien dürfte vor allem mit ihrer organisatorischen Schwäche in Niedersachsen zusammenhängen. Zuletzt verloren feste Strukturen mehr und mehr an Bedeutung, vielmehr finden sich Neonazis mittlerweile zu bestimmten Anlässen und Kampagnen zusammen. Ob der „Schulterschluss“ in Eschede mit Zustimmung der Landes- oder Bundesgremien der Parteien zustande kam, ist nicht überprüfbar. Immerhin sind sich viele der „Köpfe“ der unterschiedlichen Parteien spinnefeind, wenngleich zuletzt eine Annäherung beobachtet werden konnten. So sprach jüngst der Die Rechte-Kader Sascha Krolzig auf einer JN-Veranstaltung in Dresden.

Einige Neonazis sicherten das Treffen, unter dessen Besuchern sich der Hamburger NPD-Chef Lennart Schwarzbach befand, ab. Mehrere Male fuhren Autos vorbei, um Gegendemonstranten zu fotografieren. An der Einfahrt zum Hof-Nahtz hatten sich fast 100 Personen – organisiert vom „Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus“ – versammelt, um ihrem Protest gegen die „Sonnenwendfeier“ Ausdruck zu verleihen. Ankommende „Gäste“ empfingen sie mit einem lauten Pfeifkonzert.

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