von Redaktion
   

Schlag auf Schlag: Nach der Neonazi-Kneipe „Zum Henker“ macht auch der „Club 88“ dicht

Die Neonazi-Szene verliert einen weiteren wichtigen Treffpunkt. Wie die Stadt Neumünster bestätigte, schloss der bundesweit bekannte „Club 88“ bereits im Januar seine Pforten. Das Gewerbe wurde von Amts wegen abgemeldet. Erst am Wochenende hatten die Betreiber die Berliner Szene-Kneipe „Zum Henker“ geräumt.

Aus und vorbei: Der Club 88 am Ende

Er galt jahrelang als wichtige Anlaufstelle der Neonazi-Szene in Norddeutschland: Der „Club 88“ in Neumünster. Welches Klientel an die Bar gelockt werden sollte, machte bereits der Name deutlich: Die Zahl „88“ verwenden Teile der extremistischen Rechten, um den sogenannten Hitlergruß ohne strafrechtliche Konsequenzen zu nutzen – denn dieser ist seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges verboten. Die „8“ steht für den achten Buchstaben des Alphabets, „88“ bedeutet demnach „Heil Hitler“.

Neonazi-Treffpunkt „Club 88“ macht nach 18 Jahren dicht

Zuletzt hatte der Besucherstrom allerdings merklich nachgelassen, die Geschäfte liefen wohl eher schlecht als recht. Wohl auch, weil ein Teil der Kundschaft fortan lieber in der Kneipe „Titanic“ in der Innenstadt ihr Bier trinkt. und damit einen neuen Treffpunkt etabliert hat. Die Betreiberin des Szenetreffpunktes Christiane Dolscheid, die nach Informationen des Blick nach Rechts einst die „Gemeinschaft Deutscher Frauen“ mitbegründete, habe bereits im Januar den Mietvertrag gekündigt und anschließend die Koffer gepackt. Anschließend habe sie die Schlüssel bei ihrem Vermieter abgegeben, berichtet der Holsteinische Kurier.

In den 18 Jahren des Bestehens versuchte die Stadt mehrmals, Dolscheid die Konzession zu entziehen. Die Gerichte spielten hierbei nicht mit, auch, weil die Betreiberin nicht vorbestraft ist. Jetzt aber konnte die Gaststättenkonzession von Amts wegen abgemeldet werden, hieß es aus dem Rathaus der viertgrößten Stadt Schleswig-Holsteins. Grund sei, dass Dolscheid nicht auf entsprechende Schreiben reagiert hätte.

Zivilgesellschaftliche Projekte hatten dem „Club 88“ das Leben zusätzlich schwer gemacht. Mit Unterschriftensammlungen, Mahnwachen und anderen Protest-Aktionen engagierten sich viele Projekte für die Schließung, die Gründung des „Vereins für Toleranz und Zivilcourage in Neumünster“ war eine Reaktion auf den Neonazi-Treffpunkt. 2009 demonstrierten rund 600 Personen gegen die Lokalität. Zu deren Betreibern zählte vor einigen Jahren der frühere NPD-Landeschef Peter Borchert, der einst gemeinsam mit seinem Weggefährten Steffen Hupka versucht hatte, die NPD noch weiter zu radikalisieren. Mittlerweile ist der 40-Jährige, der mehr als ein Viertel seines Lebens hinter Gittern verbracht hat, beim Rockerclub „Bandidos“ gelandet.

Berliner Neonazis verlieren ebenfalls ihre Anlaufstellen

Erst am Wochenende schleppte der Pächter gemeinsam mit wenigen Helfern Umzugskisten aus einer weiteren bundesweit bekannte Szene-Gaststätte: Im Februar hatte ein Gericht der Räumungsklage der Erlanger Immobilien-Unternehmens ZBI gegen den „Zum Henker“-Betreiber Paul Barrington stattgegeben.

Am Wochenende ausgeräumt: Die Berliner Neonazi-Kneipe „Zum Henker“

Mit dem Laden des Berliner NPD-Vorsitzenden Sebastian Schmidtke, dem „Hexogen“, steht darüber hinaus ein weiterer Neonazi-Treff unmittelbar vor dem Aus. Offenbar hat der Militaria-Shop nicht genug abgeworfen.

Foto: Indymedia, Lizenz: CC

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