von Marc Brandstetter
   

„Saustall“ NPD

Seit Jahren liegt die hessische NPD am Boden, einen ordentlich gewählten Landesvorsitzenden gibt es nicht. Der frühere Chef, Jörg Krebs, verlässt nun die Partei – nicht ohne kräftig nachzutreten. Derweil stürzt sich die Bundes-NPD in neue Projekte.

NPD-Zentrale in Berlin: Sinnbild für den Zustand der Partei

Im letzten Herbst wurde die NPD 50 Jahre alt. In Feierlaune waren die meisten der nunmehr wahrscheinlich noch rund 5.000 Anhänger angesichts der anhaltenden Krise der Partei kaum. Selbst das Erscheinen der geplanten Festschrift verzögert sich auf unbestimmte Zeit, der Bearbeiter des 50 Euro und 250 Seiten starken Wälzers „Deutschland muss leben“ sei aus „persönlichen Gründen“ zurückgetreten, verkündete die NPD kleinlaut als Randnotiz in der Mai-Ausgabe ihres Sprachrohrs Deutsche Stimme.

Nach dem Verlust ihrer Landtagsfraktion in Sachsen ist der dortige Landesverband nicht mehr auf die Beine gekommen; im Westen sieht es noch trüber aus. Die Bayern versanken nach dem Abgang von Karl Richter und Sigrid Schüßler bzw. der vorübergehenden Inhaftierung ihres „Bandidos“ Sascha Roßmüller in einem Führungschaos, viele Kreisverbände sind politisch handlungsunfähig. Von der hessischen NPD ganz zu schweigen, die seit rund 18 Monaten über keinen gewählten Landesvorsitzenden mehr verfügt. Das Chaos nahm der frühere Frontmann Jörg Krebs zum Anlass, mit seinen bisherigen Weggefährten abzurechnen.

Chaos überall

Der langjährige Funktionär trete nach 16 Jahren Parteimitgliedschaft zum 30. Juni „schweren Herzens“ aus der NPD aus, schreibt Krebs auf Facebook. Obwohl sich der Frankfurter Stadtrat nach wie vor mit dem Programm und den Zielen seiner früheren politischen Heimat identifiziere, seien „die Gräben zum hessischen Landesverband zu tief“. Er könne und wolle sich nicht länger, so der Ex-Landeschef weiter, „mit einer Entourage in einen Topf werfen lassen, die sich ohne Bedenken auf proisraelischen Versammlungen herumtreibt, im Internet mit Pornodarstellerinnen posiert, reine Saufurlaube auf `Malle´ verbringt und durch Trunkenheitsfahrten mit dem PKW zu `glänzen´“ wisse. Der Landesverband sei ein „organisatorischer Saustall“, die letzte Wahl des Landesvorstandes liege bereits dreieinhalb Jahre zurück, was satzungswidrig sei.

Den Angaben von Krebs zufolge hätten unterdessen seine beiden Vorgänger im Amt, Hans Schmidt und Marcel Wöll, sowie sein Nachfolger, Daniel Knebel, ebenfalls ihre NPD-Ausweise an die Bundespartei zurückgeschickt. Zuletzt (2013) hatte die hessische NPD noch 250 Mitglieder, was laut Landesamt für Verfassungsschutz einen Rückgang um zehn Prozent zum Vorjahr entspricht. Aktivitäten entfaltete die NPD hierzulande kaum, im Schatten der Bundestagswahl 2013 schaffte sie bei der Landtagswahl trotzdem einen Zugewinn und somit den Sprung in die staatliche Parteienfianzierung. Der „nationalen Opposition“ möchte Krebs als „parteiloser freier Nationalist“ erhalten bleiben. Allerdings gedenke er, fortan die neue Neonazi-Partei Der Dritte Weg, die erst kürzlich einen auf einem NPD-Ticket in den Stadtrat von Plauen gewählten Neonazi in ihren Reihen begrüßen konnte, zu unterstützen.

Scheingefechte

Während es intern drunter und drüber geht, poliert die NPD-Führung weiter ihre Außenfassade – möglicherweise, um die eigenen Anhänger und Sympathisanten zu blenden. Das vom Bundesvorstand gesponserte Vorzeigeprojekt „DS TV“ soll gemeinsam mit der Printausgabe die ideologische Lücke, die „eine immer mehr in die Mitte driftende Junge Freiheit“ hinterlassen habe, schließen. Gleichzeitig dient das neue Medium dazu, „verdiente“ Anhänger wie den einstigen Bundesgeschäftsführer Jens Pühse oder Jörg Hähnel mit einer neuen Aufgabe zu versorgen. Frank Franz, seit letztem November Bundesvorsitzender ohne nachhaltige Wirkung, bleibt seiner bisherigen Linie treu und setzt auf das Weltnetz 2.0. Die abtrünnigen Truppen der freien Neonazi-Szene wird er damit kaum zurückgewinnen – ganz zu schweigen von den Wählern, die notwendig wären, die NPD wieder in die Erfolgsspur zu führen. Im Gegenteil: Sie wird immer mehr zu einem Haufen Sektierer. 

Kommentare(6)

Gorm der Alte Dienstag, 23.Juni 2015, 12:43 Uhr:
Da kommt nicht mehr nur klammheimliche Freude auf und das ist gut so.
 
Insider wissen mehr! Dienstag, 23.Juni 2015, 19:45 Uhr:
Schon wieder ein desillusionierter ehemaliger Apfel-Jünger, der des „Firle-Franzens“ schlingerndes Schiff verläßt!
 
Irmela Mensah-Schrammn Dienstag, 23.Juni 2015, 21:00 Uhr:
Es gibt wohl kaum einen Begtriff, den man für die NPD und Nazis überhaupt anwenden könnte und der Begriff "Saustall" dürfte eher eine Verharmlosung dieser Ekeltruppe sein.
Da sind mir doch die echten "Säue" viel lieber und auch viel zu schade, um sie mit den Nazis in Verbindung zu bringen.
 
Nomen Mittwoch, 24.Juni 2015, 00:02 Uhr:
Die National-Liberalen haben die NPD an die Wand gefahren. Wohin die Reise inhaltlich geht, zeigt uns die Beweihräucherung der FPÖ (letztes DS-Interview) mit einem offen pro-zionistischen Kurs, den ja auch Krebs beklagt.

Hoffentlich wird dieser Kommentar nicht zensiert, denn ich möchte, daß alle es lesen: Udo Voigt muß diese Partei dringend wieder auf Kurs bringen! Er sollte die freien Kräfte einbinden und diese ganzen FPÖ-Freunde vertreiben.
 
Der Archivar Mittwoch, 24.Juni 2015, 00:20 Uhr:
@ Gleichzeitig dient das neue Medium dazu, „verdiente“ Anhänger wie den einstigen Bundesgeschäftsführer Jens Pühse oder Jörg Hähnel mit einer neuen Aufgabe zu versorgen. Frank Franz, seit letztem November Bundesvorsitzender ohne nachhaltige Wirkung, bleibt seiner bisherigen Linie treu und setzt auf das Weltnetz 2.0.

Das dürfte den Nagel auf den Kopf treffen!
 
Irmela Mensah-Schramm Mittwoch, 24.Juni 2015, 13:32 Uhr:
@Nomen: "Udo Voigt sollte diese Partei (NPD) dringend wieder auf Kurs bringen"..........
Was soll dieser Schwachsinn denn ?
Der muss zu Recht "zensiert" werden!
Udo Voigt hat längst den Boden der "Demokratischen Grundordnung" verlassen und es ist zu befürchten, dass er als Unverbesserlicher den Faschisten nie den Rücken kehren wird.............
 

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