„Saarländer gegen Salafisten“ – Ein Scheitern mit Ansage?

Nachdem die Demonstrationen der „Hooligans gegen Salafisten“ in Köln und Hannover für Aufsehen gesorgt haben, versuchen an diesem Wochenende Neonazis aus dem Saarland auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Schützenhilfe der HoGeSa können sie dabei aber nicht erwarten. Die kündigt auf ihrer Webseite an, keine weiteren Demos in diesem Jahr zu unterstützen – und distanzieren sich damit von der angeblichen HoGeSa-Kundgebung an der Saar.

HoGeSa-Aktivisten in Köln (Foto: Christian Martischius, R-mediabase)

Als am 26. Oktober in Köln die Hooligans der HoGeSa zum ersten Mal zusammenfanden, war auch eine Gruppe aus dem Saarland dabei. Auf einem später im Internet veröffentlichten Foto ist die illustre Mannschaft abgebildet. Neben mehreren Funktionären der NPD lächeln Mitglieder des neonazistischen Fußballfanclubs „Saarlandbrigarde“ und Teile der Kameradschaft „Sturmdivision Saar“ in die Kamera. Scheinbar gefiel der Gruppe die Demonstration in Köln, bei der es zu erheblichen Ausschreitungen durch die Hooligans kam, so gut, dass sie das Konzept kopieren wollten. Denn am 31. Oktober veröffentlichte einer der Teilnehmer eine Seite mit dem Titel „Saarländer gegen Salafisten“, welche sich mit den Logos der HoGeSa schmückte.

NPD in der Initiative

Über die Facebook-Seite, die in wenigen Tagen sehr schnell wuchs, wurde sogleich das Ziel ausgegeben, eine Demonstration im Saarland zu veranstalten. Auch die handelnden Akteure waren – trotz fehlerhaften Impressums der Seite – schnell politisch einzuordnen. Der Seiteninhaber Andre H., bekennt sich in seinem Profil offen zu seiner Sympathie für den NPD-Europaabgeordneten Udo Voigt. Bei der Mobilisierung wurde er durch die NPD-Vorsitzende von Burbach, Jacky Süßdorf, unterstützt. Diese hatte zuletzt durch die „Peniskuchenaffäre“ die Abberufung von Peter Marx als Generalsekretär der NPD mit provoziert und gilt im südwestdeutschen Raum als gut vernetzt.

Auch weitere NPD-Funktionäre fanden sich schnell ein. So agierte der biedere Szene-Anwalt Peter Richter, der die NPD im Verbotsverfahren als Bevollmächtigter vertritt, offen auf der Seite der Hooligans. Dirk Schmidt, früher Betreiber des Neonazi-Treffpunktes „Die Pumpe“ und inzwischen Vorsitzender eines NPD-Kreisverbandes kündigte ebenso sein Kommen zu der Hooligan-Demo an, wie die Landesvorstandsmitglieder Markus Mang und Sascha Wagner. Die NPD unterstütze die Veranstaltung demnach massiv. Auch ein Mitglied der AfD mit guten Kontakten zur rechten Szene kündigte die Teilnahme an.

Hools spielen nur die zweite Geige

Außerhalb der NPD nahm die Mobilisierung für die „Saarländer gegen Salafisten“ erst später an Fahrt auf. Fans aus verfeindeten Gruppen mobilisierten dennoch für die gemeinsame Veranstaltung. Um den internen Frieden zu wahren, baten die Veranstalter jedoch frühzeitig darum, nur Nationalfarben und keine Vereinsfarben aufzutragen. Und um Verwechslungen auszuschließen, definierten die Veranstalter die Nationalfarben als schwarz-rot-gold. Vielleicht muss das sein, damit sich niemand im Jahr und der Fahne vertut. Auch ein Hinweis, dass keine verfassungsfeindlichen Symbole gezeigt werden sollen, schien den Veranstaltern notwendig.

Hooligans aus dem Saarbrücker „D-Block“ riefen nun zusammen mit Anhänger aus der „Westkurve“ des verfeindeten 1.FC Kaiserslautern zur Kundgebung auf. Der mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestrafte Christian Hehl, der für die NPD im Mannheimer Gemeinderat sitzt, mobilisierte die Anhängerschaft seines Vereins „Waldhof Mannheim“. Hooligans aus dem Umfeld dieses Clubs hatten im Oktober bereits eine Salafistendemo angegriffen. Dabei wurden mehrere Polizisten verletzt. Unter einem Artikel in einem Fanforum schrieb ein Anhänger, dass man das „im Saarland auch mal starten“ müsse. Innerhalb von vierzehn Tagen schafften es die Anhänger auf Facebook 3.000 Likes mit einem Schwerpunkt auf Saarbrücken zu organisieren.

Hetze gegen Muslime statt Konzepte gegen Fundamentalismus

Dabei bedienten sich die Organisatoren eines einfachen Konzeptes, dass in der Szene aber zieht wie kein zweites. Es wird Hass geschürt und mit bewusst verkürzten Informationen Stimmung erzeugt.

Durch das Zusammenfassen einiger Pressemeldungen der Polizei versuchten die Organisatoren den Eindruck zu erwecken, dass das Saarland eine „Salafisten-Hochburg“ sei. Einen Träger der Jugendhilfe beschimpften die Hooligans, weil er an St. Martin ein Fest ohne christlichen Bezug veranstaltete. Außerdem mutmaßten sie, dass die Einsparung der Weihnachtsbeleuchtung ein „Einknicken vor den Moslems“ sei, obwohl keine entsprechenden Forderungen seitens muslimischer Verbände laut wurden.

Generell scheint es den Teilnehmern weniger um eine Abgrenzung gegenüber Fundamentalisten zu gehen, als um die Ablehnung des Islam insgesamt. Die Hymne der „Hooligans gegen Salafisten“ wird über die Seite verbreitet. In der Strophen wird undifferenziert gegen „den Islam“ gewettert und Muslime zum Feindbild erklärt.
Aber auch gegen Medien, Linke und Polizei wird auf der Seite gehetzt und von einigen Nutzern auch mit Gewalt gedroht.

Gegenaktionen zeigen erste Erfolge

Inzwischen dreht sich jedoch der Wind. Nachdem Facebook vor einigen Tagen die Seite der „Saarländer gegen Salafisten“ vom Netz genommen hat und neue Seiten konsequent löscht, haben die Organisatoren kaum noch Gelegenheit, ihre Gefolgschaft zu erreichen. Wie diese darüber informiert werden sollen, dass die Kundgebung verlegt wurde, ist ein Rätsel. Darum wächst der Frust unter Hooligans und Neonazis.

Gleichzeitig nimmt die Mobilisierung der Gegendemonstranten an Fahrt auf. So unterzeichneten der DGB Saar sowie die regionalen Gliederungen von SPD, Linkspartei und Piraten einen Aufruf zum friedlichen Protest gegen die rechts unterwanderten Hooligans. Nach ihrer Lesart hätte die Kundgebung „ohne die Beteiligung von Neonazis niemals stattgefunden“.

Der schwerste Schlag für die selbsternannten „Saarländer gegen Salafisten“ dürfte jedoch ausgerechnet die Erklärung der HoGeSa sein. Die stellt klar, dass in diesem Jahr keine Kundgebung mehr geplant ist – und grenzt sich damit eindeutig von der Völklinger Kundgebung ab.

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