von Mathias Brodkorb
   

Reconquista an "eine Ausgründung einer bekannten Szenen-Klamottenmarke" verhökert

Es ist noch gar nicht so lange her, dass gewisse Teile der deutschen „Neuen Rechten“ munter darüber diskutierten, ob und wie sie „Ikonen“ schaffen und einen „Lebensstil“ von rechts etablieren könnten. Zu diesem Versuch zählte dabei auch das Klamotten-Label „reconquista“ (rcqt), das seine Produktion im Jahr 2008 einstellen musste. Doch nun ist es wieder da.

Als „Reconquista“ wird die Rückereroberung der Iberischen Halbinsel durch die Christen bezeichnet, die die muslimischen Eroberer zwischen 718 und 1492 wieder verdrängten. Und der Name ist zugleich Programm. Ins Leben gerufen wurde das Projekt ursprünglich vom Architekten Arne Schemmerling. Den von ihm verantworteten Motiven konnte man dabei weder eine gelungene grafische Gestaltung noch eine damit harmonierende symbolische Verdichtung absprechen. Zugleich schaffte es Schemmerling immer wieder, mit seinen Motiven zeitnah Debatten aufzugreifen, die für die „Neue Rechte“ wichtige Themen besetzten.

Doch die Freude währte nicht lange: Auf Nachfrage eines Journalisten bei Schemmerlings Geschäftspartner spreadshirt stellte dieser Produktion und Verkauf der Textilien im Jahr 2008 unverzüglich ein. Seit kurzem ist „reconquista“ (rcqt) allerdings wieder am Markt. Dass Schemmerling jedoch nicht mehr dahinter stecken kann, ist nicht nur der Aufmachung des Shops, sondern auch der Gestaltung der angebotenen Motive deutlich anzusehen. So wurde bspw. das „Bürgerkrieg“-Motiv, das kurz nach einer Gewaltattacke zweier Jugendlicher mit Migrationshintergrund in einer Münchener U-Bahn-Station gegen einen älteren Mann auf den Markt kam, von den neuen Inhabern in ein „Vorbürgerkrieg“-Motiv umgearbeitet.

buergerkrieg

Schemmerling freut sich, dass „reconquista“ wieder lebt. Er gibt an, „Ideen, Konzept und Motivsammlung einem jungen und dynamischen Startup-Unternehmen“ verkauft zu haben. Es handele sich dabei „um eine Ausgründung einer bekannten Szenen-Klamottenmarke“. Die neuen Inhaber von rcqt hätten dabei erkannt, „dass auch das nichtsozialistische und etwas intellektuellere Feld des rechten Spektrums bedient werden will“. Dabei verzichten die neuen Betreiber nicht auf das Kokettieren mit dem Faschismus: So heißt es im Header auf der Internetseite unter anderem "Fascination Feschismus".

Als Inhaberin des Internetshops von rcqt firmiert die in Berlin ansässige „DEUNATEX Limited“ mit ihren Geschäftsführern Dirk Bernt und André Reinecke. „rcqt“ wurde am 10. August 2009 sogar offiziell beim Deutschen Patent- und Markenamt als Wort- und Bild-Marke angemeldet und ist dort unter dem Aktenzeichen 3020090483884 registriert. Neben den vier Buchstaben ziert ein abgeschnittenes Eisernes Kreuz fortan das Logo des neuen rechten Unternehmens, das seine Ware nun nicht mehr bei Spreadshirt anbietet, sondern direkt verkauft.

reloadedMit mehr als 15 Motiven ist der Neustart von rcqt an den Markt gegangen. Schemmerling ist sich dabei sicher, dass man von dem neuen Modelabel noch hören wird: „Mittlerweile haben die sogar einen bekannten Designer an Bord, der aufgrund seiner prominenten Auftraggeberschaft lieber im Hintergrund bleiben will und dies als seinen Beitrag zum Widerstand betrachtet, daher das vielleicht etwas geschmeidigere Design.“ Vom Einfluss dieses „bekannten Designers“ ist vorerst allerdings wenig zu spüren. Dies verdeutlicht ausgerechnet das Motiv „reconquista reloaded“, das eher an die Windows-Cliparts-Bibliothek erinnert als an das Produkt eines Designers. In der neurechten Szene allerdings wird dies völlig anders gesehen. Der Chefredakteur des Jugendmagazins „Blaue Narzisse“, Felix Menzel, meint vielmehr, der Betreiberwechsel hätte dem „ganzen Projekt nur gut getan“.


Fotos: Screenshot

Kommentare(3)

Paul Wutschke Donnerstag, 14.Oktober 2010, 10:49 Uhr:
Besonders jedoch sollten die T-Shirts "Sarrazination" und "Mousse au Lini" in Augenschein genommen werden. Hier wird einmal mehr deutlich, zum einen, zu wem sie sich bekennen, zum anderen ihr verklärtes und verzerrtes Bild der Realität im Verhältnis zum tagespolitischen Geschehen.

Anbei die Links zu den T-Shirts:

Sarrazination
http://tinyurl.com/3576ykv

Mousse au Lini
http://tinyurl.com/36sx8uu
 
Xberg Donnerstag, 14.Oktober 2010, 13:37 Uhr:
"...zum anderen ihr verklärtes und verzerrtes Bild der Realität im Verhältnis zum tagespolitischen Geschehen."

Ähm... und daß das als Witz gedacht ist, der Gedanke ist ihnen noch nicht gekommen?
 
X Freitag, 15.Juli 2011, 15:12 Uhr:
nicht erwähnt werden die motive die zur Entfernung der "Stolpersteine", die an ermordete Juden erinnern, aufrufen und damit unverhohlen antisemitisch sind.
 

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