von Redaktion
   

Rechtsrock-Veteranen „Nahkampf“ bei Solidaritäts-Aktion für Neonazi-Gasthof

Der Gasthof des umtriebigen Neonazis Tommy Frenck im thüringischen Kloster Veßra darf geöffnet bleiben – allerdings mit Einschränkungen. Fortan wird dem Kreistagsmitglied untersagt, den Saal zu nutzen. Deshalb soll die für Samstag, den 29. August geplante Solidaritätsveranstaltung auf dem Gelände des Wirtshauses stattfinden. Angekündigt sind neben Rednern wie NPD-Strippenzieher David Köckert und dem unausweichlichen Patrick Schröder die Rechtsrock-Veteranen „Nahkampf“.

Darf wieder am Herd stehen: Tommy Frenck (Foto: Thomas Witzgall)

„Allen linken Schmierblättern und Gutmenschen zum Trotz: Ihr habt euch zu früh gefreut! Der `Goldene Löwe´ bleibt offen“, jubelte der Betreiber der Gaststätte, Tommy Frenck, Anfang August auf Facebook. Zuvor hatten die Behörden die vorübergehende Schließung des Gasthofes in Kloster Veßra verfügt, da die Abwasserversorgung nicht den gültigen Vorschriften entsprochen habe. Frenck, Kopf des NPD-nahen „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ (BZH), muss nachbessern. Er bekam die Auflage, ein Behältnis außerhalb der Sickergrube aufzustellen. Trotzdem feierte das Landratsamt einen Teilerfolg: In dem bereits zuvor für Rechtsrock-Konzerte genutzten Saal des Fachwerkhauses darf der umtriebige Neonazi, der zusätzlich den Versandhandel „Druck 18 Werbetechnik“ betreibt, keine weiteren Veranstaltungen mehr durchführen.

Drohung umgesetzt

Bereits damals hatte der 1987 geborene Kader weitere Aktionen angekündigt. Eine davon soll am Samstag, den 29. August über die Bühne gehen. Um das Nutzungsverbot für den Wirtshaus-Saal zu umgehen, werde die „politische Kundgebung“ unter dem Motto „Nationale Freiräume schützen – Solidarität mit dem Goldenen Löwen“ auf dem Grundstück durchgeführt. In der Vergangenheit hatte Frenck gemeinsam mit seinem engen Weggefährten Patrick Schröder auf die Karte „politische Veranstaltung“ gesetzt, was ein mögliches Vorgehen der Behörden aufgrund des Versammlungsrechts im Vergleich zu einer reinen Musikveranstaltung erschwert.

Auf der Facebook-Seite von „FSN TV“ redete Schröder, jüngst wegen der Verwendung des Hitlergrußes vor laufender Kamera zu einer Geldstrafe von 4.200 Euro verurteilt, indes Tacheles: „Es handelt sich hierbei um eine Open Air Veranstaltung mit Live-Musik“, deren Ziel nicht „der musikalische Hochgenuss oder hochtrabende Reden“ seien, sondern „einen gemütlichen Nachmittag/Abend mit dem guten Gewissen zu verbringen, einen nationalen Treffpunkt geschützt und unterstützt zu haben“.

Patrick Schröder vor Gericht (Foto: Thomas Witzgall)

Propaganda und Rechtsrock

Neben dem als „Nazi-Hipster“ bekannt gewordenen bayerischen NPD-Funktionär steht sein Parteifreund David Köckert auf der Rednerliste. Der sich nach Außen gerne als seriöser Geschäftsmann gebende frühere AfD-Mann musste vor einigen Wochen Insolvenz anmelden, was er auf Facebook selbst einräumte. Außerdem wird der Landesorganisationsleiter der NPD, der alle Parteifäden fest in der Hand hält, für die Organisation zahlreicher rassistischer Proteste gegen Flüchtlingsunterkünfte verantwortlich gemacht. Als Dritter im Bunde soll Axel Schlimper, Gebietsleiter der antisemitischen „Europäischen Aktion“, das Publikum unterhalten.

Als Hauptattraktion ist die Bremer Neonazi-Band „Nahkampf“, die auch auf dem Billing von Schröders gescheitertem zweiten „Live H8“-Konzert im Mai 2014 stand, vorgesehen. Die zweite Band des Sängers der umstrittenen Hooligan-Gruppe „Kategorie C“, Hannes Ostendorf, zählt zu den radikalsten Genre-Vertretern. Von ihren sechs bisher erschienen Tonträgern sind fünf durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert. Hierzu zählt die 1994er CD „Schutt und Asche“ mit Songs wie „Zigeuner“, „Kameraden“ oder dem „Horst-Wessel-Lied“.

Nur wenige Hundert Meter von Frencks Konzert findet am gleichen Tag das Musik-Festival „Südthüringen ist Bunt“ statt

Kommentare(1)

Nomen Freitag, 21.August 2015, 15:18 Uhr:
ER immer mit "Patrick Schröder, bayerischer NPD-Funktionär". Der Mann macht doch für die Partei als solche rein gar nichts bei sich vor Ort: Die Seite seines Kreisverbandes http://www.npd-weiden.de wird seit 2009 (!) nicht mehr aktualisiert. Schröders Rechtsrockaktivitäten kann man wohl kaum als Parteiarbeit bezeichnen...

Irgendwie hat man schon das Gefühl, als habe ER an Patrick Schröder einen richtigen Narren gefressen. Schröder wird politisch völlig überbewertet.
 

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