Rechtsextremer „Merkel muss weg“-Aufmarsch wirbt für AfD

Gut zwei Wochen vor der Bundestagswahl veranstaltete das Bündnis „Wir für Berlin / Wir für Deutschland“ den siebten „Merkel muss weg“-Aufmarsch im Berliner Stadtzentrum. Im Gegensatz zu den vorherigen Demonstrationen nahm die Zahl der Teilnehmenden erneut ab.

Nur noch 350 Personen folgten dem Demoaufruf, darunter viele Rechtsextreme; Foto: Kay Schmitt

Während der Veranstalter aus dem Umfeld der rechtsextremen Kleinpartei Pro Deutschland vor einem Jahr noch über 1.000 Aktivist*innen mobilisieren konnte, zog es Anfang Juli nur noch rund 500 und am vergangenen Samstag etwa 350 Reichsbürger, Neonazis, Autonome Nationalisten, Anhänger der Identitären Bewegung, der NPD sowie der AfD zum Aufmarsch in die Bundeshauptstadt. Die allermeisten von ihnen kamen aus den ostdeutschen Bundesländern sowie dem norddeutschen Raum.

Hooligangesänge

Bei regnerischem Wetter marschierten die Rechtsextremen durch zum Teil weiträumig abgesperrte Straßen vom Hauptbahnhof zum Potsdamer Platz. Unterwegs wurden Neonazi- und Hassparolen wie „Frei, sozial und national“, „Lügenpresse“ und „Schwarz, rot, grün und der Rest, nieder mit der Merkel-Pest“ skandiert.

Aufgrund der Absperrungen durch die Polizei war Gegenprotest während es Aufmarsches durch die Mitte Berlins fast nicht möglich. Wurden an der ein oder anderen Stelle aus dem Zug heraus dennoch Gegendemonstranten ausgemacht, stimmte die Menge sogleich im aggressiven Ton rechte Hooligangesänge an.

Als der rechte Tross auf der Straße „Unter den Linden“ auf eine Gruppe junger Männer stieß, die in ihren Augen „undeutsch“ aussahen, erschallte hinter dem meterlangem „Merkel muss weg“-Leittransparent "Ziegenficker" und "abschieben". Als Antwort streckten die so Gescholtenen den Neonazis ihre deutschen Ausweise und Reisepässe entgegen.

NPD-Funktionär Schmidtke zusammen mit dem AfD-Mann Urbanczyk auf der Bühne; Foto: Kay Schmitt

Neben den altbekannten Rednern unter anderem aus der Schweiz (Ignaz Bearth) und Österreich (Amy Bianca) war - anlässlich der bevorstehenden Wahl - Lutz Urbanczyk von der AfD als Gastredner vom Veranstalter eingeladen worden. Doch bevor der Berliner AfD-Wahlkämpfer an der Reihe war, trat unweit der russischen Botschaft der ehemalige Berliner NPD-Landesvorsitzende Sebastian Schmidtke vors Mikrofon und heizte die Menge mit markigen Anti-Merkel-Sprüchen, geschichtsverfälschenden Erzählungen und antiisraelischer Hetze ein. Um Einigkeit zu demonstrieren, gab es nach Schmidtkes Rede von AfD-Mann Urbanczyk viel Applaus, einen kräftigen Händedruck und eine herzliche Umarmung.

Wahlaufruf für die AfD

Bei dem zunehmenden Schulterschluss zwischen Rechtsextremen und AfD-Anhängern verwunderte es kaum, dass der Moderator der Demonstration beim Vorbeimarsch am Reichstag zur Wahl der AfD aufrief und sich darüber freute, dass man ab dem 24. September im Bundestag sitzen werde, um den anderen Parteien „die Hammelbeine langzuziehen“.

Auch auf einigen Plakaten wurde offen Propaganda für die AfD gemacht, so malte ein Teilnehmer in gebrochenem Deutsch „Hart Arbeitende(r wähle AfD / verhinde die Schlacht“ auf sein Pappschild. Die Planungen für die nächste „Großdemonstration“ der Organisatoren sei derweil im vollen Gange. Nach dem thematischen und zahlenmäßigen Scheitern in den vergangenen zwei Jahren verspricht sich der Veranstalter im Frühjahr nächstes Jahres mit dem Motto „Dexit“ mehr Erfolg.

Fotos: Kay Schmitt, RecDoc - Research & Documentation

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