von Oliver Cruzcampo
   

Razzia bei Zentrale der Identitären in Halle

Am Montagmorgen kam es in Halle zu einer Hausdurchsuchung der Zentrale der Identitären Bewegung. Hintergrund der Razzia ist ein Vorfall aus dem Sommer, IB-Aktivisten hatten Studierende bedroht. Die Identitären reagieren auf den Vorfall mit einer Täter-Opfer-Umkehr.

Das Haus der Identitären in Halle, Foto: Lukas Beyer

Ab 6.40 Uhr Uhr am Montagmorgen durchsuchten rund 15 Polizeibeamte ein Gebäude in der Adam-Kuckhoff Straße in Halle. Die Geschehnisse rund um das Gebäude sorgten in den vergangenen Wochen auch überregional immer wieder für Schlagzeilen, seit die Identitäre Bewegung dieses als Zentrale nutzt.

Im Zuge der Hausdurchsuchung wurden mehrere Speichermedien sichergestellt, wie eine Sprecherin der Polizei gegenüber ENDSTATION RECHTS. mitteilte. Laut „Kontrakultur“-Aussage, dem Hallenser Ableger der Identitären Bewegung, hätten die Beamten sämtliche mobilen Geräte, Datenträger sowie Kameras zur Auswertung mitgenommen. Die Räumlichkeiten des AfD-Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider, der dort offiziell seit Anfang September ein Wahlkreisbüro eingerichtet hat, seien laut Polizei von den Durchsuchungen nicht betroffen gewesen.

Ermittlungen wegen Bedrohung

Die Hausdurchsuchung steht im Zusammenhang mit einem Vorfall im Juni. In der dortigen Mensa kam es zu einer Bedrohungssituation durch IB-Mitglieder, die mindestens zwei Studierende umstellt haben sollen. In einer Pressemitteilung der Polizei ist die Rede von verbalen Beleidigungen und Drohungen den Studierenden gegenüber. Zudem wurden bei einem der IB-Aktivisten neben Pfefferspray auch ein Einhandmesser und Quarzhandschuhe gefunden. Seitdem ermittele die Polizei zudem wegen Bedrohung, Nötigung und Beleidigung, so die Mitteldeutsche Zeitung.

Etwas über einen Tag nach der Razzia beziehen die Identitären nun Stellung, die Rede ist von einer betroffenen Aktivistin. Dabei dürfte es sich um Melanie Sch. handeln, diese soll den Vorgang in der Mensa gefilmt haben. Sch., die in der Vergangenheit bereits auf AfD-Veranstaltungen aufgetreten ist, wohnt offenbar in dem Gebäude in der Adam-Kuckhoff Straße.

Identitäre geben sich als Opfer

Die Hallenser IB-Aktivisten, von denen mehrere zuvor in Neonazi-Organisationen aktiv waren, gerieren sich nach der Razzia als Opfer staatlicher Repression, es gehe nicht um Aufklärung, vielmehr würde es sich um „politische Willkür“ handeln. Die Rede ist von „hilflosen Drohgebärden einer Lokalpolitik, die im Umgang mit den Linksextremisten versagt“ habe. Zuspruch bekommen die Identitären derweil von Chris Ares. Der rechte Rapper und Sympathisant der rechtsextremen Gruppierung schreibt auf Facebook: „Standhaft bleiben, ihr macht alles richtig!“

Seit der Eröffnung des Gebäudes sei es laut „Kontrakultur Halle“ zu sieben Angriffen auf das Gebäude gekommen, zuletzt wurde es Ende Oktober von unbekannten Personen mit Steinen attackiert. Einer Demonstration gegen das IB-Objekt schlossen sich zuletzt rund 900 Personen an, auch eine Anwohner-Initiative hat sich seitdem gegründet und macht klar, dass eine Nachbarschaft mit den Rechtsextremen nicht gewünscht sei.

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