von Oliver Cruzcampo
   

Patrick Schröder plant nächstes Rechtsrock-Event in Themar

Auch nach den beiden Rechtsrock-Konzerten im Juli kommt die thüringische Gemeinde Themar nicht zur Ruhe. Für Ende Oktober hat NPD-Politiker Patrick Schröder eine weitere Musikveranstaltung angemeldet. Noch im September will der umtriebige Neonazi Tommy Frenck dort ein Fußballturnier durchführen.

Anreisende Teilnehmer zum Konzert im Juli mit 6.000 Teilnehmern

Auf Facebook wird die Musikveranstaltung seit dem 22. August beworben, auch Patrick Schröder veröffentlichte sie auf seiner FSN-Seite. Für den 28. Oktober werden dort mehrere Bands in „Mitteldeutschland“ angekündigt. Mit der vagen Ortsangabe ist der kleine Ort Themar in Thüringen gemeint, dort hat der NPD-Funktionär für den Tag eine Kundgebung angemeldet. Von 14 Uhr bis 1 Uhr nachts werden unter dem Motto „Rock gegen Links – Musik- und Redebeiträge gegen den Zeitgeist“ 750 Teilnehmer erwartet.

Angekündigt wird unter anderem die australische Band Fortress, die in ihrer Heimat dem „Blood & Honour“-Netzwerk nahestehen soll. Weiterhin sollen „Convident of Victory“, „Frontalkraft“, „Oidoxie“, „Projekt Chaos“, „Hausmannskost“, „Germanium“ und „Sköll Dagaz“ auftreten. Da es sich um eine „politische Kundgebung“ handeln soll, schiebt Schröder zwei Tage später die Namen der Redner nach. Der 34-jährige kündigt sich auf dem Flyer selbst an, ergänzt um NPD-Bundesorganisationsleiter Sebastian Schmidtke und Michael Zeise, der bereits für Schröders letzte Veranstaltung im Juli beworben wurde. Weitere Redner sollen folgen – was für die Mehrheit der Teilnehmer jedoch nebensächlich sein dürfte.

„Menschlicher Abfall“

Das von Tommy Frenck am 15. Juli durchgeführte Rechtsrock-Festival lockte 6.000 Personen an und stellte somit die größte Szene-Veranstaltung in der Geschichte des Bundeslandes dar, nur zwei Wochen später zog Schröder nach – 1.000 Teilnehmer folgten der Mobilisierung. Nun soll Ende Oktober das dritte Konzert über die Bühne gehen. Doch die Vorzeichen stehen diesmal weniger gut für Schröder.

Patrick Schröder auf der Ende Juli von ihm organisierten Veranstaltung in Themar, Foto: Thomas Witzgall

Zwar ist der Ansgar Aryan-Geschäftsführer schon länger umstritten in der Szene, doch ein von Makss Damage im Nachgang an das Juli-Konzert veröffentlichtes Video hat den Zwist nun in die Öffentlichkeit getragen. Der Neonazi-Rapper, der mit bürgerlichem Namen Julian Fritsch heißt, wirft Schröder in dem Video vor, sich mit den Konzerten lediglich persönlich bereichern zu wollen, auch für das im Oktober geplante Konzert fallen 35 Euro an. Zudem kursiere ein Screenshot, in dem Schröder bezugnehmend auf seine Festivalbesucher gesagt haben soll, dass es sich dabei um „menschlichen Abfall“ handele. Der Rechtsextreme reagierte mit einem eigenen Video, in dem er auf die Vorwürfe einging. Wie sich der in der Öffentlichkeit ausgetragene Streit auf die Besucherzahlen auswirkt, bleibt abzuwarten.

Noch im September will erneut Tommy Frenck das von dem ehemaligen AfD-Mitglied Bodo Dressel angemietete Grundstück in Themar für eine weitere Veranstaltung nutzen. Am 30. September will Frenck am Vormittag dort ein Fußballspiel unter dem Motto „Gegen linke Gewalt“ mit erwarteten 50 bis 100 Teilnehmern auf die Beine stellen – angemeldet als Kundgebung. Am Abend soll dann „Kategorie C“ im nur wenige Kilometer entfernten Kloster Veßra auftreten. In dem Ort betreibt Frenck die Kneipe „Goldener Löwe“.

Unpräzises Versammlungsrecht?

Zwei Wochen zuvor – am 16. September – gibt es in der Gemeinde eine bis 23 Uhr angemeldete Kundgebung unter dem Motto „Südthüringen steht zusammen gegen Gutmenschendummheit und Verblödung“, die Veranstaltung wird mit Martin Böhne, dem Sänger von Sleipnir, beworben.

Schröder und Frenck nutzen das recht offen ausgelegte Versammlungsrecht aus, um ihre Konzerte als „politische Kundgebung“ anzumelden. Im Juli klagte das zuständige Landratsamt Hildburghausen gegen Frencks Veranstaltung, Gerichte entschieden jedoch zugunsten des Neonazis. Ministerpräsident Ramelow hatte daraufhin eine Präzisierung des Versammlungsrechts ins Spiel gebracht. Laut MDR sagte Ramelow, es könne nicht sein, dass solche Ereignisse wie in Themar von den Gerichten als „freundliche Demonstration“ behandelt werden könnten, wenn die rund 6.000 aus ganz Europa angereisten Teilnehmer doch den Querschnitt der radikalen rechten Szene abbildeten.

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