von Redaktion
   

Pasewalk erteilt NPD-Bürgermeisterkandidat Belz Abfuhr

Gebannt schaute Mecklenburg-Vorpommern, aber auch viele engagierte Demokratinnen und Demokraten in ganz Deutschland, heute auf Pasewalk. In der knapp 11.000 Einwohner umfassenden Stadt griff mit Kristian Belz ein NPD-Mann nach dem Bürgermeisteramt. Die Bewohner aber erteilten dem 35-Jährigen eine Abfuhr – er kam auf 7,8 Prozent.

Belz gescheitert: NPD-Kandidat kommt auf 7,8 Prozent (Foto: Oliver Cruzcampo)

In Vorpommern bestimmte in den letzten Wochen ein Thema die Lokalausgaben der Zeitungen. Mit Kristian Belz versuchte ausgerechnet ein NPD-Anhänger den im letzten November verstorbenen Bürgermeister Rainer Dambach zu beerben. Ausgerechnet deshalb, weil sich der parteilose Dambach stets als engagierter Demokrat gezeigt hatte und den Neonazis in der Region die Stirn bot. Das frühere Stadtoberhaupt gehörte zu den Initiatoren des lokalen Aktionsbündnisses „Vorpommern - weltoffen, demokratisch, bunt“ , das sich anlässlich eines von der NPD veranstalteten Festes ihrer Postille Deutsche Stimme gegründet hatte. Zwar konnten die Neonazi-Gegner das braune Treffen nicht verhindern, mehr als 2.000 Menschen zeigten aber seinerzeit im Sommer 2012, dass die Zeiten weitgehend ungestörter fremdenfeindlicher, rassistischer und antidemokratischer Aktionen vorbei waren und sind.

Die Einwohner von Pasewalk machten Dambach heute alle Ehre. Belz, der erst nach einer Hängepartie vom Kreiswahlausschuss zugelassen worden war, was eine Welle der Kritik nach sich zog, kam auf 7,8 Prozent (408 Stimmen). Seine beiden demokratischen Kontrahenten, Sandra Nachtweih und Andreas Fabian, schlugen den gelernten Industriekaufmann ohne größere Mühe aus dem Feld. Sie erreichten 60,6 Prozent (3.185 Stimmen) bzw. 31,7 Prozent (1.667 Stimmen) Zustimmung. Neue Pasewalker Bürgermeisterin ist damit Sandra Nachtweih. Eine Stichwahl ist nicht nötig. Die Wahlbeteiligung betrug 56,5 Prozent. Einige Beobachter hatten Belz zuvor ein Potential von bis zu 20 Prozent prognostiziert. Bei der letzten Kommunalwahl 2011 kam die NPD hier auf 5,9 Prozent.

Kaum NPD-Wahlkampf

Auf einen wahrnehmbaren Wahlkampf verzichtete Belz weitgehend. Seine rassistischen Botschaften brachte der 35-Jährige mit Plakaten und Werbeflyern unter die Bevölkerung. Dabei malte der Stadtrat ein düsteres Endzeitszenario, schwadronierte von einer „Asylantenstadt Pasewalk“. Zur Klarstellung: Im gesamten Landkreis Vorpommern-Greifswald gibt es nicht einmal 500 Asylbewerber. Entsprechend lief Belz gestern auf der Demonstration in Ueckermünde mit und durfte dort mehr schlecht als recht auf der Abschlusskundgebung einen Redebeitrag beisteuern. Die Begeisterung seiner Zuhörer hielt sich trotz kalkuliert eingesetzter Provokationen wie der Hetze gegen „Schmarotzer“ in Grenzen.

NPD-Plakat in Pasewalk (Foto: Pijane Messerschmitt)

Das heutige Abschneiden des NPD-Kandidaten reiht sich in die jüngsten Fehlschläge der Truppe um Landeschef Stefan Köster ein. Erst vor wenigen Tagen mussten die Ewiggestrigen einen schweren Rückschlag an der „Ostfront“ eingestehen. Bei der Kommunalwahl im Mai verzichtet die NPD auf eine Kandidatur in der Landeshauptstadt Schwerin. Die dortigen Mitglieder des Stadtrates werden dies verschmerzen, waren in der zurückliegenden Legislatur vom NPD-Stadtvertreter Günther Wohlert ohnehin kaum Initiativen ausgegangen.

Gegenproteste bis zuletzt

Selbst am Wahltag gab es vielfältigen Protest gegen die NPD, ihren Kandidaten Belz und ihre menschenverachtende Gesinnung insgesamt. Auf dem zentralen Platz der grenznahen Stadt versammelten sich rund 60 Menschen zu einer „Tanz-Demonstration“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erinnerten zugleich an die Opfer rechtsextremistischer Gewalt.

Kommentare(15)

Sonja Sonntag, 23.März 2014, 21:01 Uhr:
Immerhin haben über 400 Pasewalker KIristian Belz als Bürgermeister
gwählt.
Wenn die beiden anderen Kandidaten nicht können, gibt es einen
NPD-Bürgermeister in Pasewalk.
Das wäre mir nicht unangenehm.
 
paul.pa Montag, 24.März 2014, 01:37 Uhr:
Ich glaube nicht, dass der Herr Belz gehofft hat Bürgermeister zu werden. Aber 7,8 % sind wahrscheinlich für einen NPD Kandidaten ein recht ordentliches Ergebnis.
 
Don Geraldo Montag, 24.März 2014, 08:48 Uhr:
Langsam wird´s hier lächerlich.

Erst wird ein Popanz aufgebaut als ob in Pasewalk die Machtergreifung der NPD bevorsteht, nur weil die Partei sich mit einem eigenen Kandidaten an einer demokratischen Wahl beteiligt.

Und dann wird ein Ergebnis von 7,8 Prozent als Schlappe bezeichnet. Man stelle sich das gleiche Ergebnis bei der Europawahl vor, ob dann immer noch von einer Schlappe die Rede ist ?
 
Judith Montag, 24.März 2014, 09:01 Uhr:
Bin stolz auf meine alte Heimat.
Habe bis zuletzt mit gezittert und bin nun froh, dass es so ausgegangen ist.

SUPER ! :D
 
Alfred H. Montag, 24.März 2014, 12:50 Uhr:
Dieser Herr Belz hat seit 1990 noch keine Minute gearbeitet, seine "Tätigkeit" als Stadtvertreter ist vernachlässigbar gering. Er wird von Pastörs geführt und protegiert, weil seine Intelligenz eher durchschnittlich ist. Sowas wollte BM werden - das zeigt doch schon, dass dieser Mensch ein wenig an Selbstüberschätzung leidet. Vlt. sagt er sich aber auch "Gott sei Dank", denn sonst hätte die Welt nach kurzer Zeit über ihn gelacht ob seiner zu erwartenden Fehlleistungen.
 
L.B. Montag, 24.März 2014, 13:36 Uhr:
Ich bin sicher: Auch die 7,8% werden die Braunbatzen nicht davon abhalten, sich auch weiterhin einzureden, dass die "schweigende Mehrheit" hinter ihnen steht.
 
Silvio Schäfer Montag, 24.März 2014, 13:40 Uhr:
sehr gutes ergebnis für herrn belz!!! aber die probleme und ängste der stimmgeber interessieren ja sowieso nicht. ein riesen bohai, die prostitutions-lobbypresse trommelt paar tage umher, nach der wahl plappert man noch etwas und das wars. bis zur nächsten wahl. frau nachtweih bleibt zu wünschen, dass sie sich durchsetzt und wirklich mal den speckmadensumpf in pasewalk trocken legt. aber ich bezweifel das. vom goldenen teller allein wird man nicht satt. und die probleme bleiben. die presse verschweigt das. und jeder der dies anspricht ist nazi, vergaser, ein rassist. dabei sind die leute viel mehr rasissten die ihr eigenes volk verraten und verkaufen. als bürger dieses landes hat man das recht und die pflicht dazu, zu sagen , dass die wahllose zuwanderung, asylmißbrauch und die gezielte vernichtung unserer kultur falsch ist!!!! desswegen ist man kein nazi, kein kz-erbauer.
 
edmund wojtas Montag, 24.März 2014, 15:44 Uhr:
Ja ich bin stolz Deutscher zu sein !!
Gerade weil die Vorfahren meiner Mutter (die in Mecklenburg geboren wurde) als Hugenotten aus Glaubensgründen aus Frankreich vertrieben und meine Großeltern väterlicherseits aus wirtschaftlichen Gründen aus Polen nach Deutschland einwanderten.
Dies ist zwar schon einige hundert Jahre her (Hugenotten 1685, mein Vater 1904) beweist aber wie töricht die These von dem "Verlust der Kultur" ist.
Im übrigen haben erst die Hugenotten die "Kultur" ins bäuerliche Preußen gebracht !
Und die "Koslowsky´s, Kallerbinsky´s und Pawlowskiy´s haben das Ruhrgebiet zur Blühte verholfen.
Die Geschichte mit der Völkerwanderung und "deutscher Kultur" lassen wir mal ganz außer acht.
Multikulti war immer und wird immer sein !
 
Roichi Montag, 24.März 2014, 18:54 Uhr:
@ Silvia

Genau deswegen ist man ein Nazi. Ob KZ-Erbauer, wird sich zeigen.
Aber die Ideologie und deren Vertretung macht einen selbst zum Nazi.
 
Dietrich Bussler Dienstag, 25.März 2014, 12:32 Uhr:
Nun ja das die Hugenotten die Träger der Kultur waren ist schon eine steile These. Die konnten kommen weil dort ein kultivierter König war. Und sind weshalb aus Ihrer Heimat weg? Antworten Sie selbst. Menschen über Nacht mit langen Messern ermorden, des Glaubens wegen, ist eher das Gegenteil. Es gab den Fritz, der war liberal und aufgeklärt und hat die Fremden hereingelassen. das die dann sicher eine Bereicherung waren, auch in Hinsicht auf die Vielfalt der Kultur ist sicher richtig und gut. Ich hasse diese Art von Capacho. 1001 mal drücken bis eines kommt das man eventuell lesen kann. es gibt da bessere Schutz Optionen. Ich fürchte die wollen hier gar keine Menungen von Andersdenkenden.
 
Roichi Dienstag, 25.März 2014, 13:42 Uhr:
@ Dietrich

Die Captchas sind Standardbausteine und werden von Google eingeblendet.
Diverse Seiten nutzen diese.
http://de.wikipedia.org/wiki/Captcha#Anwendungsgebiete
 
Sonja Dienstag, 25.März 2014, 14:09 Uhr:
@Dietrich Bussler
"Ich fürchte die wollen hier gar keine Menungen von Andersdenkenden."
Meinungsgleichheit gibt es ganz selten.
Eine veröffentlichte Meinung hat immer Beführworter und Gegner.
Menschen kämpfen auch mit Waffen des Wortes und der Schrift.
 
Roichi Dienstag, 25.März 2014, 15:07 Uhr:
@ Sonjagenerälchen

"Menschen kämpfen auch mit Waffen des Wortes und der Schrift. "

Und Trolle gegen sich selbst.
Das müsste dir bekannt vorkommen.
 
münchhausen Dienstag, 25.März 2014, 15:19 Uhr:
OffTopic: Jetzt sind sogar schon die google-captchas Teil der großen Weltverschwörung(tm), um deutsche Nationale von Meinungsäußerungen abzuhalten und google nur ein Werkzeug der KGR-Industrie?

Sie gehen also davon aus, dass die captcha-Abfrage Nationalisten absichtlich überfordern soll, um sie von der Kommentarfunktion fernzuhalten, Gutmenschen(tm) aber problemlos mit der captcha-Abfrage klar kommen? Keine weiteren Fragen...
 
Trollaufseher Samstag, 29.März 2014, 12:00 Uhr:
@Roichi
"Und Trolle gegen sich selbst."
Sie versuchen hier vergeblich abzulenken. Als Forentroll sollten sie etwas
mehr auf sich selbst achten und auch ihren Kommentaren einen Bezug
zum jeweiligen Artikel gestatten.
Pasewalk hat nebenbei gesagt 5 Mio Euro Schulden.
Das dortige Bürgermeisteramt ist mit 5000 Euro dotiert.
 

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