von Marc Brandstetter
   

Parteinachwuchs will NPD „abschaffen“

Bislang standen in der internen NPD-Schlammschlacht Personalfragen im Vordergrund. Gegen die Pläne des Bundesvorsitzenden Holger Apfel erwägen die beiden Parteischwergewichte Udo Voigt und Karl Richter eine Spitzenkandidatur zur Europawahl. Derweil versucht der NPD-Nachwuchs eine Debatte um die Zukunft der Partei als Ganzes in Gang zu setzen, die selbst vor der „Abschaffung“ nicht Halt macht.

JN-Fahne (Foto: Oliver Cruzcampo)

Die Bombe, die nicht wenigen traditionellen und radikaleren NPD-Anhängern vor den Kopf stoßen wird, lassen die beiden NPD-Nachwuchsfunktionäre Andy Knape und Michael Schäfer erst gegen Ende ihres in der aktuellen Ausgabe der Verbandszeitschrift der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN), „Der Aktivist“, veröffentlichten Beitrages platzen. Dem Ziel, gewählt zu werden, sei alles andere unterzuordnen. Notfalls müsse auch das Label NPD über Bord geschmissen werden. Denn, so der amtierende JN-Chef und sein Amtsvorgänger, der Name NPD sei mittlerweile derart „verrufen und unbrauchbar“, dass es nicht einmal gelinge, die für einen Wahlantritt notwendigen Unterstützungsunterschriften zusammenzutragen. „Heilige Kühe“ müssten geschlachtet werden. Wenn aber mit einem „neuen Namen und einem sympathischen Auftreten“ Wahlerfolge möglich seien, „dann her damit“, fordern Knape und Schäfer.

Die NPD quasi durch die Hintertür abzuschaffen – „alles in allem darf es keine Tabus mehr geben“ –, ist sicherlich der weitgehendste Reformvorschlag der Parteijunioren. Dagegen wirkt die Forderung, auf „NPD-Sektensprech“ wie „Weltnetz“ zu verzichten, vergleichsweise bescheiden. Grundsätzlich plädieren die beiden JN-Größen für eine strategische Ausrichtung der NPD als Wahlpartei, die nicht mehr „die Schlachten von vorgestern“ ausfechten dürfe. Dies stehe einer „glaubwürdigen und eindeutigen“ thematischen Aufstellung entgegen. Ideengeschichtliche Diskussionen könnten hingegen in Seminaren entsprechender Kulturorganisationen geführt werden.

Knape und Schäfer sähen ihre Organisation gerne mit einem sympathischen Anstrich, zu deren Veranstaltungen die Unterstützer „auch ihre Oma und nicht nur die hartgesottenen Kameraden“ mitbringen könnten. Zwischen den Zeilen möchten die beiden Nachwuchsstrategen ihre Neonazi-Fußtruppen vor die Tür setzen, „obskure Auffangbecken“ gäbe es schließlich genug. Geografisch gehen sie noch einen Schritt weiter. Regionen, in denen NPD erfolglos ist, sollen (zunächst) abgeschrieben werden. Dafür sollten starke Gebiete, in diesem Zusammenhang werden Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern erwähnt, „gepflegt“ werden. Eine Vorstellung, die den Landesverbänden in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Niedersachsen oder Bayern kaum gefallen dürfte. Widerstand ist vorprogrammiert.

Anklang beim Volk versprächen bestimmte Themen, so die Autoren. Dazu gehöre die „Ausländerfrage“. In diesem Punkt rücken Knape und Schäfer mehr oder weniger sogar von einer NPD-Doktrin, dem „Abstammungsprinzip“, ab, das selbst für Parteichef Holger Apfel im Rahmen seiner „seriösen Radikalität“ nicht verhandelbar war. Sie schreiben: „Keiner von uns hat etwas gegen normale innereuropäische oder kulturnahe Arbeitsmigration oder gar Touristen. Uns nerven die Millionen Kulturfremden aus Afrika und dem arabischen Raum, die hier in die Sozialsysteme flüchten, unser Volk biologisch an den Rand drängen und uns unserer Identität berauben wollen“ – damit wird das in Parteikreisen breit rezipierte „Ausländerrückführungsprogramm“ auf den NPD-Müllhaufen befördert.

Auch mit der Parteiführung gehen die beiden Angestellten der sächsischen Landtagsfraktion, zu der sie selbst gehör(t)en, hart ins Gericht. Die Chance, aus dem kommenden NPD-Verbotsverfahren Kapital zu schlagen, werde „total verpasst“. Außerdem herrschten an der NPD-Spitze keine „klaren Strukturen“; man habe das Gefühl, dass „man sich ganz oben zu viel aufhalst“. Die „Krisengelegenheit“ werde nicht genutzt, ein schlechtes Zeugnis.

Mit ihrem Artikel „Besser werden – aber wie?“ bewegen sich Knape und Schäfer auf ähnlichen Pfaden wie ihr Vorsitzender Apfel mit seinem „sächsischen Weg“. Allerdings machte der bald die Erfahrung, dass die Parteibasis eine „Entradikalisierung“ ablehnt. Nicht umsonst fuhr die NPD im zurückliegenden Bundestagswahlkampf eine rassistische Krawall-Kampagne. Mit ihrem Vorstoß werden die JN-Funktionäre die parteiinternen Gräben jedenfalls nicht füllen können, im Gegenteil: Mit der Schaufel in der Hand sind sie fleißig am Buddeln. In eine ruhigere und erfolgreiche Zukunft, wie von Knape und Schäfer erhofft, führt dies die NPD wohl nicht.

Kommentare(9)

Steff Montag, 25.November 2013, 22:41 Uhr:
Ich würde diese "Neuausrichtung" ein bisschen anders interpretieren.

Eine Entradikalisierung sehe ich hier nicht, ganz im Gegenteil.

Das Abstammungsprinzip etc. soll aufgegeben werden, aber zu Gunsten eines "Weisse Rasse"-Gedanken, Deutsch sein, soll dabei in den Hintergrund treten, so würde ich das verstehen. Deutscher kann man werden, Weisser nicht.

Die "Neonazi-Truppen" sollen wohl auch nicht vor die Tür gesetzt werden, aber vorallem die Soziopathen, die im Grunde eben genau gegen das NS-Ideal verstossen. Gangmitglieder sind halt nicht sehr glaubwürdig als Vertreter eines "Völkischen Sozialismus". Schlagkräftigi junge Männer werden wohl nachwievor gebraucht. Allgemein steht dieses Konzept im Zeichen der "Weg von der Szene, hin zur Volksbewegung", dass seit einigen Jahren in der Naziszene propagiert wird.

Dabei werden viele Kompromisse gemacht, Leute wie Makss Damage sind dafür der lebende Beweis.
 
Marc Brandstetter Dienstag, 26.November 2013, 15:05 Uhr:
@Steff:

Vielen Dank für diese interessante Ergänzung. Grundsätzlich teile ich Ihre Einschätzung zur aktuellen Strategie der Neonazi-Szene. Allerdings glaube ich, dass einige Arme der Bewegung derzeit althergebrachte Ideologiefragment über Bord werfen, um in der "Mitte der Gesellschaft" erfolgreich zu sein. Man wird sehen, wie sich die Sache weiterentwickelt.
 
General Dienstag, 26.November 2013, 16:38 Uhr:
@Marc Brandstetter
"Man wird sehen, wie sich die Sache weiterentwickelt."
Guter Satz ! Aber der Begriff "Neonazi" ist doch wohl weit hergeholt. Aber
dient wohl noch zur pauschalen Berechtigung, Entnazifizierungen medial
zu verfestigen.
Die NPD wird nächstes Jahr 50 .
Narzisten gibt es, Kommunisten und Sozialisten findet man wo ?
 
Björn Dienstag, 26.November 2013, 18:37 Uhr:
"Notfalls müsse auch das Label NPD über Bord geschmissen werden."

Ich sehe da keine neue Entwicklung. Die Forderung nach einer Namensänderung der Partei wurde auch schon während der Fusion mit der DVU in der NPD breit diskutiert.

"In diesem Punkt rücken Knape und Schäfer mehr oder weniger sogar von einer NPD-Doktrin, dem „Abstammungsprinzip“, ab, das selbst für Parteichef Holger Apfel im Rahmen seiner „seriösen Radikalität“ nicht verhandelbar war. Sie schreiben: „Keiner von uns hat etwas gegen normale innereuropäische oder kulturnahe Arbeitsmigration oder gar Touristen. Uns nerven die Millionen Kulturfremden aus Afrika und dem arabischen Raum, die hier in die Sozialsysteme flüchten, unser Volk biologisch an den Rand drängen und uns unserer Identität berauben wollen“ – damit wird das in Parteikreisen breit rezipierte „Ausländerrückführungsprogramm“ auf den NPD-Müllhaufen befördert. "

Ich sage euch schon seit geraumer Zeit, dass die NPD kein "ausländerfreies" Deutschland will, sondern die Einwanderung begrenzen möchte auf ein Maß, welches keine Gefahr für den Fortbestand unseres Volkes befürchten lässt. Genau das fordert die JN auch. Eine Umkehr oder ein Über-Bord-Werfen gibt es also nicht. Und auch das Abstammungsprinzip ändert sich nicht. Schließlich bedeutet dieses Prinzip, dass Deutscher ist, wer deutsche Eltern hat, nicht das kein Ausländer in Deutschland leben soll. Der JN-Aufsatz entspricht also komplett dem NPD-Programm.
 
Roichi Dienstag, 26.November 2013, 21:31 Uhr:
@ generälchen

Mal wieder nichts beizutragen?


@ Björn

"Ich sage euch schon seit geraumer Zeit, dass die NPD kein "ausländerfreies" Deutschland will, sondern die Einwanderung begrenzen möchte auf ein Maß, welches keine Gefahr für den Fortbestand unseres Volkes befürchten lässt. "

Du erzählst viel, wenn der Tag lang ist. Und meistens sind es deine Phantasien, Behauptungen und Parolen, die nichtmal in der NPD ernst genommen werden.
Wo bleibt eigentlich dein Programmparteitag, wo die Abschaffung von Grundrechten gestrichen werden soll?
Der Parteichef fordert diese noch. Ganz öffentlich.

"Eine Umkehr oder ein Über-Bord-Werfen gibt es also nicht."

Haha. Der war gut.
Nur, weil du der Meinung bist, deine Prophezeiungen wären Parteikonsens, hat das wenig Bedeutung.
Man denke an den Antrag der Kamerraden aus der Parteiführung für diese Woche im sächsischen Landtag.
http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/landtag-sachsen/artikel/vorschau-auf-die-landtagswoche-in-sachsen-npd-fuerchtet-sich-vor-angeblich-muslimischer-expansion.html
Ist wohl doch nicht so, wie du gern hättest. Nichtmal die Partei macht, was du willst.

Ende Teil1
 
Roichi Dienstag, 26.November 2013, 21:31 Uhr:
Teil 2

"Schließlich bedeutet dieses Prinzip, dass Deutscher ist, wer deutsche Eltern hat,"

Naja, das hatte ich dir ja schonmal ausführlichst zerlegt.
Was also willst du noch damit erreichen, außer dich lächerlich zu machen?
Hier nochmal für dich die Erinnerung:
http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/bundespartei/artikel/deutschlandfahrt-debakel-geht-in-die-naechste-runde-gegendemonstranten-verhindern-npd-kundgeb.html

Also Björn etwas mehr Substanz in deinen Aussagen bitte.
 
Thomas Wulff-Steiner- Mittwoch, 27.November 2013, 09:29 Uhr:
Die aufgeführten Zitate der beiden Jungkader beschreiben doch nur, was durchaus im Rahmen unserer Weltanschauung liegt. Der Wunsch nach volksnahem Auftritt ist berechtigt, wirft aber auch Fragen auf. Was ist Volksnah? Der Auftritt der linken Szene in Hamburg oder einer jungen, mit weissen Hemden bekleideten, Unterstützergruppe bei einem Vertriebenentreffen von Schlesiern oder Pommern?? Nahe am Volk ist man, regional gesehen, auf sehr unterschiedliche Weise. Was allerdings diese beiden bewegt, daß sind nicht die Überlegungen von Holger Apfel oder anderen ALT-Funktionären, sondern die Erfahrungen aus ihren freien Strukturen, die sie am Anfang ihres politischen Handelns gemacht haben. Ich sehe eher, daß es auch hier um die parteiinterne Deutungshoheit gehen wird. Wie überall: Alt gegen Jung. Die beiden machen den Fehler - aus Sicht nationalrevolutionärer kräfte - daß sie nicht die Notwendigkeit sehen eine Gesamtbewegung zu gestalten in der eine Partei nur ein Teil sein kann. Wer einer Spaltung einer Gesamtbewegung indirekt das Wort redet, der ist -meiner Meinung nach- auf dem falschen Weg.Unabhängig von der NPD ist aber deutlich zu erkennen, daß es erhebliche nationale Gegenbewegungen zu europäisch-internationalistischen One-world-bestrebungen gibt. Diese werden sich auf vielfältige Art bemerkbar machen. Ob diese beiden Schreiber -oder ich- dann noch unbedingt NPD-Mitglieder sind oder nicht, wird keine Rolle spielen. [Propagada von der Red. gekürzt] STEINER
 
General Mittwoch, 27.November 2013, 18:33 Uhr:
@Steiner
"Wie überall: Alt gegen jung ."
Richtig, und auch umgekehrt.
Ein Volk will und muss geführt werden. Auch das deutsche Volk.
Zu allen Zeiten gab und gibt es Schwierigkeiten, wenn jemand diese Führung
schwächt oder ganz abschafft.
"Diese werden sich auf vielfältige Art bemerkbar machen."
Das Zerstören von Identitäten und Werten scheiterte bisher immer daran,
dass es keinen gleichen oder besseren Ersatz gab.
Träume von einer anderen Welt gab und gibt es genügend. Eine Zeitreise in
die Vergangenheit zeigt was es schon alles gab.
Geschichten lassen sich erfinden Geschichte bleibt. Völker führten Kriege.
Frieden gibt es nicht.
P.S. Wer oder was ist besser, als gut? 2014 kommt bzw. gelingt etwas, das
begeistert und überzeugt . Der Erfolg gibt ihm Recht.
 
Amtsträger Mittwoch, 27.November 2013, 23:52 Uhr:
Lieber Björn,

wenn Sie über eine Veränderung der Zuwanderung sprechen, sollten Sie dann die jetzt geltenden Regelung nicht erst einmal kennen?

Das AsylVfG haben Sie in den letzten 18 Monaten noch immer nicht gelesen d uns erklärt, welche konkrete Norm Sie als zu lasch Empfinden. Und das in Ihrem Kernthema...
 

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