von Oliver Cruzcampo
   

„Partei neu ausrichten“: Neonazi Thorsten Heise will NPD-Chef werden

Erst zwei Tage vor dem Bundesparteitag der NPD wurde ein Gegenkandidat zum Parteivorsitzenden Frank Franz publik. Der neue Thüringer Landesvorsitzende Thorsten Heise will das Ruder übernehmen und wirbt mit einer kompletten Neuausrichtung der rechtsextremen Partei.

Thorsten Heise als zukünftiger NPD-Chef?

In die Medien schafften es in den vergangenen Tagen vor allem Ankündigungen linker Bündnisse aus dem Saarland, die den am Sonnabend im Saarbrücker Schloss stattfindenden Parteitag blockieren wollen. Ansonsten fand die anstehende Neuwahl des NPD-Bundesvorsitzenden kaum mediale Beachtung, auch weil keine nennenswerten Informationen über etwaige Gegenkandidaten publik wurden.

Erst Donnerstagnachmittag veröffentlichte der NPD-Funktionär Thorsten Heise seine Kandidatur für den Bundesvorsitz der Partei. „Ja, es ist wahr“, bestätigte der im thüringischen Eichsfeld wohnhafte Neonazi. Zuvor kursierten bereits Gerüchte, Heise könnte gegen Franz antreten. In der Ansprache wirbt er für einen „Neuanfang“ seiner Partei, spricht von neuen Impulsen und Visionen. Diese seien laut Heise beim Noch-Parteichef nicht vorhanden. Am deutlichsten wird der 47-Jährige mit der Kampfansage: „Wir müssen unsere Partei komplett neu ausrichten.“

Es ist kein Geheimnis, dass Heise und Franz unterschiedlicher kaum sein könnten. Franz, seit Ende 2014 Parteichef, gibt sich eher gemäßigt, während der aus der Kameradschaftsszene stammende Heise mit der angesprochenen Neuausrichtung vor allem eine Radikalisierung der NPD vorantreiben würde. In der Videobotschaft spricht er zudem von einer „tollen Mannschaft“ und deutet somit einige Unterstützer an.

Ausgang schwer vorhersehbar

Wie die Entscheidung am Samstag ausfällt, ist schwer vorherzusehen. Franz konnte in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren zahlreiche Unterstützer in verschiedenen Vorständen installieren, etliche Radikale verließen die Partei Richtung Dritter Weg oder Die Rechte, andere wurden aus der Partei gedrängt.

Heise hielt sich aus der Öffentlichkeit größtenteils zurück, erst vor drei Wochen übernahm er den Landesvorsitz in Thüringen. Doch der Funktionär ist gut vernetzt und auch das weiterhin einflussreiche Lager des ehemaligen Bundesvorsitzenden Udo Voigt dürfte ihm gewogen sein.

Dazu kommt, das sich viele NPD-Mitglieder nach den desaströsen Wahlergebnissen der letzten Jahre und dem kräftezehrenden Parteiverbotsverfahren und der damit einhergehenden strategischen Zurückhaltung in der Tat eine wie von Heise angekündigte Neuausrichtung wünschen.

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