von Redaktion
   

NPGida vor Zerreißprobe

Die herausragende Rolle der NPD bei den Pegida-Protesten in Mecklenburg-Vorpommern wird von Tag zu Tag klarer. Offenbar ist der Anmelder des Schweriner Aufmarsches eng mit der Partei verbunden, außerdem stellte sie Infrastruktur und Redner. Dass die „Bewegung“ an der Ostsee gar nicht so unparteiisch ist, wie sie vorgibt, sorgt bei dem ein oder anderen Unterstützer für Unmut.

NPD-Mann Michael Grewe an der Spitze des Mvgida-Marsches in Schwerin (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

Der heute Blick in die Rostocker Lokalausgabe der Ostsee Zeitung dürfte dem Vorsitzenden der NPD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Udo Pastörs, auf den Magen geschlagen sein. Nach einer gestern Abend veröffentlichten Wahlumfrage würden sich nur noch 1,4 Prozent der Wählerinnen und Wähler für seine Truppe entscheiden, wenn sie am kommenden Sonntag zu den Urnen gerufen würden. Ein dramatisch schlechter Wert, selbst vor dem Hintergrund, dass sich in diesen Interviews einige NPD-Anhänger nicht „outen“ und ihre wahre Wahlabsicht verschleiern. Mit 4,1 Prozent Zustimmung würde ebenfalls die AfD, die in diesem Bundesland bislang eine kritische Distanz zur NPD vermissen lässt und mit ihrem ultra-rechten Kurs zu deren gefährlichster Konkurrentin um Wählerstimmen aufgestiegen ist, an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Wie repräsentativ seine Zahlen sind, gibt das Blatt nicht an.

Ihre momentane Sackgasse war den „Köpfen“ der NPD bewusst. Für sie muss das aufkommen der Pegida-Bewegung wie ein Silberstreif am Horizont gewesen sein. Doch während in den meisten Städten NPD-Vertreter nur selten über die Rolle von Zaungästen hinauskommen, ist die Partei in Mecklenburg-Vorpommern nicht nur auf den sich in voller Fahrt befindenden Pegida-Zug aufgesprungen, sondern steht offensichtlich mit im Führerhaus. Die bekannten Puzzleteile haben sich in den Tagen nach dem Schweriner „Spaziergang“ zu einem eindeutigen Bild zusammengefügt. Der Verdacht liegt nahe, dass die NPD an der Ostsee die Proteste (mit)steuert.

NPD am Ruder

Nach Informationen der Antifa Schwerin stamme der Anmelder der Mvgida-Demonstration in der Landeshauptstadt, Stefan S., der eigentlich Felix S. heiße, aus der Boizenburger Neonazi-Szene. Der NDR hatte den jungen Mann erkannt und vergeblich versucht, ein Statement von ihm zu bekommen. Mittlerweile bewege sich S., so die Antifa weiter, im Umfeld der „Kameradschaft Schwerin“. Außerdem habe sich der Neonazi in der Vergangenheit an mehreren NPD-Aktionen – Fotos zeigen ihn mit dem Wahlkreismitarbeiter von Pastörs, Andreas Theißen, oder dem stellvertretenden Fraktionsgeschäftsführer Michael Grewe, der am Montag selbst die Koordination des Aufzuges übernommen hatte, an Infoständen der Partei. Laut Landeschef Stefan Köster sei S. aber kein Parteimitglied.

Auf diese Argumentation kann die NPD-Führungsclique, die nach wie vor felsenfest behauptet, „Normalbürger“ hätten die Mehrheit der Demonstranten gestellt, im Fall Sebastian Richter nicht setzten. Wie Fotos von Kombinat Fortschritt belegen, griff der frischgebackene Chef des Parteinachwuchses Junge Nationaldemokraten (JN) während des Marsches zum Mikrophon, um den rund 350 „Verteidigern des Abendlandes“ einzuheizen. Szenekenner machten außerdem eine Dominanz von NPD-Kräften unter den Ordner aus. Ganz zu schweigen von der Partei-„Prominenz“ um Köster, Pastörs, dem Hamburger Landeschef Thomas Wulff oder dem Landtagsabgeordneten Tino Müller, die sich ebenfalls in den Zug eingereiht hatten.

NPD droht Mvgida zu spalten

Geht es nach dem Mvgida-Organisationsteam – wer sich dahinter vergingt ist weiterhin unbekannt – wird Müller bei einer möglichen nächsten Teilnahme auf sein „Asylflut stoppen“-Plakat vom Montag verzichten müssen. Zukünftig sollten die Postionen von Pegida mehr in den Vordergrund gerückt werden, heißt es auf Facebook.

In den Sozialen Netzwerken wird außerdem über die herausragende Stellung der NPD und ihrer Anhänger bei den Pegida-Protesten hierzulande diskutiert. Die Mvgida-„Spitze“ hält es ausdrücklich für nötig, sich von der NPD zu distanzieren: „PEGIDA/MVGIDA ist keine Partei und wird sich auch nicht von einer Partei beeinflussen lassen“, setzt sie ihre Unterstützer in Kenntnis. Selbstredend sei es aber jedem freigestellt, an den „Spaziergängen“ teilzunehmen.

Mit dieser Haltung sind nicht alle „Patrioten“ einverstanden: „Hoffe die scheiss NPD Anhänger halten sich diesmal fern von der PEGIDA Demo!!!! Sonst wird mal aussortiert!!!!“ [sic!], kommentiert ein User. Wenn es denn so einfach wäre. 

Kommentare(3)

Björn Freitag, 16.Januar 2015, 17:36 Uhr:
Das nenne ich mal seriösen Journalismus. Ein Artikel, der einzig und allein auf Behauptungen einer linksextremen Kleinst-Gruppierung basiert, die für ihren Hass auf Pegida bekannt ist.

Der Versuch die friedlichen Proteste gegen islamische Fundamentalisten und die Überfremdung zu spalten wird nicht funktionieren. Wir haben es in Dresden erlebt und wir erleben es hier.

Während bei den Gegendemos alle in MV bekannten linksextremen Gruppierungen wie Antifa, FSF oder MLPD Schulter an Schulter mit SPD und Gewerkschaftsbonzen aufmarschierten, klammert man sich an ein paar NPD Mitglieder um sich als den moralisch Entrüsteten hinzustellen. Wenn das keine Heuchelei ist.

Umso besser, dass sich auch in meinem Umfeld immer mehr NPD-ferne Menschen zur Kundgebung angesagt haben. Denn euer Versuch Nebenschauplätze aufzumachen, zeigt nur, dass ihr gegen die Forderungen MVgida's keine Argumente habt.
 
Irmela Mensah-Schramm Samstag, 17.Januar 2015, 08:40 Uhr:
Oh Björn, erspare uns Deinen rechten Mist!
Pegida ist alles andere als "friedlich", es ist ein Hassmarsch!
 
Roichi Samstag, 17.Januar 2015, 13:01 Uhr:
@ Björn

Lesen hilft bekanntlich.
Es wurde ja ausführlichst aufgeführt, wo der Kamerrad überall mitmischt, und wo er herkommt.

"Der Versuch die friedlichen Proteste gegen islamische Fundamentalisten und die Überfremdung zu spalten wird nicht funktionieren."

Könnte sein. Nazis bleiben eben Nazis.

"klammert man sich an ein paar NPD Mitglieder um sich als den moralisch Entrüsteten hinzustellen"

Lesen hilft auch hier. Es geht um die Organisation der Veranstaltungen. Nicht nur um irgendwelche Mitläufer.

"Umso besser, dass sich auch in meinem Umfeld immer mehr NPD-ferne Menschen zur Kundgebung angesagt haben."

Kamerraden, denen die NPD zu soft ist.

"Denn euer Versuch Nebenschauplätze aufzumachen, zeigt nur, dass ihr gegen die Forderungen MVgida's keine Argumente habt. "

Erstmal bräuchtet ihr Argumente für eure Forderungen. Da sieht es schon schlecht aus.
Denn außer Angst, Hass und diffusen Behauptungen kommt da nichts.
Die Argumente dagegen liegen schon im Grundgesetz. Du weißt schon, diese Grundrechte, die dich immer so stören. Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Menschenwürde und noch mehr.
 

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