von Redaktion
   

NPD Rheinland-Pfalz: Größenwahn mit Ansage

Kürzlich hat sich die NPD Rheinland-Pfalz für die kommende Landtagswahl im März nächsten Jahres aufgestellt. Aber auch mit der Spitzenkandidatin Ricarda Riefling scheinen die Chance schlecht, selbst die Ein-Prozent-Marke für staatliche Gelder zu knacken. Die Partei hingegen redet größenwahnsinnig von einem „Wiedereinzug in den Landtag“.

Ricarda Riefling bereitet sich mit der NPD Rheinland-Pfalz sich nach gut 50 Jahren auf den Wiedereinzug in den Landtag vor (Foto: Stimme gegen Rechts)

Man kann der NPD viel vorwerfen, nicht aber mangelndes Selbstbewusstsein. Der weithin bedeutungslose Landesverband Rheinland-Pfalz bringt sich in diesen Tagen für die Landtagswahl am 26. März 2016 in Stellung – und spricht in diesem Zusammenhang von einer „politischen Offensive“. In einer Facebookmeldung vom 1. Juni hieß es überdies, die Partei habe „die Weichen für den Wiedereinzug in den Landtag gestellt“. „Unter gewissen Rahmenbedingungen“, schreiben die Neonazis, bestünden Chancen, die NPD in die Volksvertretung zu führen, um dort als „nationale Kraft ihre volle Wirkung“ zu entfalten. Im Parlament des südwestlichen Bundeslandes saß die NPD tatsächlich einmal – von 1967 bis 1971 – mit einer bescheidenen Bilanz. Damals fuhr die NPD auf dem Höhepunkt ihrer Erfolgswelle 6,9 Prozent ein. Beim letzten Urnengang vor vier Jahren kam sie freilich über bescheidene 1,1 Prozent nicht hinaus.

Riefling soll es richten

Auf die gemütlichen Bänke des Mainzer Landtages soll die NPD ihr Bundesvorstandsmitglied Ricarda Riefling führen. Die Delegierten des Landesparteitages wählten die Bundeschefin des Rings Nationaler Frauen (RNF) Ende April zu ihrer Spitzenkandidatin. Auf Platz zwei folgt der Lebensgefährte von Riefling und Landesvorsitzende der NPD, Markus Walter. Gemeinsam mit dem 2010 wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe verurteilten Safet Babic, dem Listendritten, wird die Familienclique zunächst ein Problem überwinden müssen: Die Sammlung von 2.000 Unterstützungsunterschriften. Die nachfolgenden Plätze nehmen Karl-Heinz Pfirrmann, der in Wörth am Rhein eine Finanzberatung betreibt, Marco Mörschel (Pirmasens) und Manuel Klein (Südwestpfalz) ein.

Bereits 2011 versuchte die rheinland-pfälzische NPD, mit einer Frau an der Spitze Wählerstimmen zu gewinnen. Damals diente Dörthe Armstroff, die Ehefrau des heutigen Bundeschefs der Neonazi-Partei Der Dritte Weg, Klaus Armstroff, als Zugpferd. Knapp zwei Jahre später wurde sie an der Parteispitze durch den laut der Regionalzeitung Rheinpfalz mehrfach vorbestraften Walter ersetzt, der sich in einem internen Machtkampf mit viel schmutziger Wäsche durchgesetzt hatte. Ohnehin zeichnete sich die Südwest-NPD durch zahlreiche Auseinandersetzungen aus, in denen die Bundespartei auch den organisatorischen Notstand verhängte. Für einen kurzen Zeitraum stand der Verband unter der Führung des heutigen NPD-Vorsitzenden Frank Franz, dem einige Weggefährten vorwerfen, die Partei im Saarland in seiner Zeit als Landesvorsitzender (2005 bis 2012) an die Wand gefahren zu haben.

Parteispitze mit dunkler Vergangenheit

Vor dem Listenparteitag wählte die NPD in einer weiteren Zusammenkunft darüber hinaus einen „neuen“ Landesvorstand. Überraschungen blieben hier ebenfalls aus. Markus Walter werde als alter und neuer Chef die „politische Arbeit“ fortsetzen, heißt es in einem Bericht der NPD-Parteipostille Deutsche Stimme. Die unvermeidlichen Ricarda Riefling und Safet Babic nehmen zusammen mit Christian Häger, der sich vor dem Koblenzer Landgericht als mutmaßlicher Aktivist des „Aktionsbüro Mittelrhein“ wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verantworten muss, die Vizeposten ein. Bei seiner ersten Wahl zum Landeschef 2013 hatte Walter nach angekündigt, „langfristig als einzige Vertreter der deutschen Interessen in Rheinland-Pfalz die Machtfrage [zu] stellen und die etablierten Volksverräter in die politische Wüste [zu] schicken“. Davon ist die Landes-NPD heute genauso weit entfernt wie damals.

Kommentare(2)

Dennis Donnerstag, 04.Juni 2015, 11:19 Uhr:
Und da ist sie wieder, die NPD in ihrer ganzen Lächerlichkeit.
Aber wenn man jetzt die große Parole ausgibt, kann man wenigstens hinterher wieder behaupten, das böse System sei Schuld.

Was mich allerdings wundert, ist die Tatsache, dass der Schläger Babic mit von der Partie ist. Faselt die NPD nicht immer davon, dass sie kriminelle Ausländer rausschmeißen will??? Komisch.....
 
Insider wissen mehr! Donnerstag, 04.Juni 2015, 21:03 Uhr:
Mit dem NPD-Fliegengewicht „Firle-Franz“ als Parteivorsitzenden wird das nichts werden, weder in Rheinland-Pfalz noch anderswo! Im Saarland hatte er übrigens bis 2012 (nicht 2010) seine verhängnisvolle Regentschaft ausgeübt. Danach hatte ihn Peter Marx kurzer Hand zum Jugendbeauftragten des Landesverbandes zurückgestuft. Und noch etwas: Safet Babic ist kein Ausländer im eigentlichen Sinne, sondern ein deutsch gesinnter Bosniake!
 

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