von Sven Ditzen
   

NPD-Landesschatzmeister als Partner von Dynamo Schwerin

Bereits in der Vergangenheit war der Verein Dynamo Schwerin durch eine Nähe zu Rechtsextremen aufgefallen, nun wurde verkündet, dass die Firma eines NPD-Funktionärs als Sponsor gewonnen wurde. Das Engagement sei völlig unpolitisch. Mittlerweile wurde die Zusammenarbeit wieder beendet.

Der Verein verkündete auf Facebook den neuen Sponsor; Foto: Screenshot Facebook

Als am 28. September auf der Facebookseite von Dynamo Schwerin der neue Partner im Sponsorenpool vorgestellt wurde, war die Verwunderung außerhalb des Clubs ziemlich groß. „Die Wirtschaftsberatung Suhr ist neuer Partner im Sponsorenpool der SG Dynamo Schwerin und kümmert sich seit kurzem um unsere Mediengestaltung. Mit den neuen Eintritts- und Dauerkarten sowie den Plakaten wurden die ersten Neuerungen bereits umgesetzt. Weitere Projekte befinden sich zudem bereits in der Umsetzungsphase!“, so konnte man lesen.

„Völlig unpolitisch“

Bei der Wirtschaftsberatung Suhr handelt es sich um das Unternehmen des NPD-Landesschatzmeisters Stefan Suhr. Der NPD-Kader sitzt zudem zusammen mit Udo Pastörs und Stefan Köster im Kreistag Ludwigslust-Parchim und in der Gemeindevertretung Dabel. Für Dynamo Schwerin war die politische Gesinnung ihres neuen Partners aber offenbar kein Problem. Auf die politischen Aktivitäten des neuen Partners angesprochen, reagierte der Verein mit Verharmlosung. „Sie wissen schon, dass Dynamo völlig unpolitisch ist und Menschen unvoreingenommen entgegentritt? Bei uns tummeln sich Anhänger aller politischen Lager. Gesinnungstests und Ausgrenzung sind für uns Tabu! Es geht nur um Sport und sonst nichts!“, so die Antwort des Seitenadministrators.


NPD-Politiker Stefan Suhr zusammen mit Ex-Fraktionschef Udo Pastörs auf einer Demonstration

Dass der Verein für alle politischen Lager offen ist, das teilt er mit allen anderen Sportvereinen wie auch unzähligen Vereinen aus anderen Bereichen. Anders als bei anderen Vereinen, hat die Führung von Dynamo Schwerin aber offensichtlich kein Problem damit, dass sie gemeinsame Sache mit Menschen macht, deren politische Ziele mit dem Demokratieprinzip unvereinbar sind, sprich also verfassungsfeindlich sind.

Das Bundesverfassungsgericht als höchstes Gericht in Deutschland, hat es der NPD im Januar dieses Jahres ins Stammbuch geschrieben. „Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) vertritt ein auf die Beseitigung der bestehenden freiheitlichen demokratischen Grundordnung gerichtetes politisches Konzept. Sie will die bestehende Verfassungsordnung durch einen an der ethnisch definierten `Volksgemeinschaft´ ausgerichteten autoritären Nationalstaat ersetzen. Ihr politisches Konzept missachtet die Menschenwürde und ist mit dem Demokratieprinzip unvereinbar. Die NPD arbeitet auch planvoll und mit hinreichender Intensität auf die Erreichung ihrer gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichteten Ziele hin.“, so die Karlsruher Richter in ihrem Urteil.

Rechtsextreme Anhänger

Für die Führung von Dynamo Schwerin ist Verfassungsfeindlichkeit offensichtlich kein Problem. Das Problem sind die Anderen, diejenigen, die sich über diese mangelnde Trennschärfe gegenüber freiheitsfeindlichen Ideologien des Fußballvereins beklagen. Die werden auf der Facebookseite gleich einmal angegangen. So verkündet Uwe Wilfert, der im vergangenen Jahr vergeblich versucht hatte, für die rechtsextreme Gruppe „Deutschland wehrt sich“ als Oberbürgermeister zu kandidieren: „Tausendmal besser als ein Sozi“. Der Applaus ist ihm dafür von einem Teil der Dynamo-Anhänger sicher.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Zusammenarbeit mit Stefan Suhr konnte auch seitens der Dynamo-Spitze nicht ungünstiger gewählt werden. Vor wenigen Monaten hat sich in Schwerin ein Bündnis „Rettet die Paulshöhe“ formiert. Die Paulshöhe, das Stadion von Dynamo Schwerin, soll im kommenden Jahr abgerissen werden. Dagegen formiert sich nun Widerstand, da die Gegner den ältesten Sportplatz der Stadt erhalten möchten. Die Unterstützer des Bündnisses kommen aus allen politischen Richtungen. An die Spitze haben sich die Stadtvertreter Lothar Gajek (Bündnis 90 / Die Grünen), Klaus Lemke (CDU) und Karsten Jagau von der Aktion Stadt- und Kulturschutz (ASK) gestellt. Jagau engagiert sich auch seit vielen Jahren bei der Piratenpartei in Mecklenburg-Vorpommern. Auch Vertreter von Dynamo Schwerin sind in diesem Bündnis engagiert. Immer wieder fiel der Verein schon in der Vergangenheit durch eine Nähe zur NPD und Rechtsextremisten auf.

Ehemalige Lichtenhagen-Täter im Umfeld des Vereins

2011 war öffentlich geworden, dass der frühere Fanbeauftragte des Vereins, Ronny Sanne, selbst wegen Brandstiftung im Zusammenhang mit dem sich in diesem Jahr zum 25. Mal jährenden Pogrom in Rostock-Lichtenhagen verurteilt, sich mit dem damaligen NPD-Fraktionschef Udo Pastörs getroffen hatte. Vorher hatte er immer wieder betont, dass er mit dem „Nazikram“ abgeschlossen habe. 2002 erfolgte die Verurteilung wegen Mordversuchs und Brandstiftung in Rostock-Lichtenhagen.

2015 tauchte Sanne dann wieder im Zusammenhang mit rechten Strukturen auf. Dieses Mal nahm er an einem „Offenen Forum“ des Bürgerrechtlers Heiko Lietz teil, der dort ins Gespräch mit MVgida-Sympathisanten kommen wollte.

Ein weiterer Mitangeklagter im Lichtenhagen-Prozess war Enrico P., der viele Jahre bei Dynamo Schwerin spielte und sich bis heute für den Verein engagiert. 2015 gesellte er sich in Schwerin zeitweise zu den Demonstrationen von MVgida.

Für Lothar Gajek von den Grünen war das Maß voll, nachdem Dynamo Schwerin die Partnerschaft mit der Wirtschaftsagentur Suhr bekannt gab. Aus der Bürgerinitiative zur Rettung der Paulshöhe trat er am Mittwoch aus. „Dadurch, dass Stephan Suhr, Landesschatzmeister der NPD und NPD-Mitglied im Kreistag LUP, als neuer Sponsor für Dynamo tätig wird, kommt für mich eine Zusammenarbeit mit der SG Dynamo Schwerin in der Bürgerinitiative nicht mehr in Frage“, so der Kreisvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen in Schwerin.

Weiter äußerte er sich entsetzt über Diskussionen in einer Paulshöhe WhatsApp-Gruppe, die ihm im Nachhinein gezeigt wurden, da er selber nicht in dieser Gruppe gewesen ist. „Ich bin mehr als geschockt, was teilweise in der Paulshöhe WhatsApp-Chatgruppe abgelaufen ist. Dieses unter anderem mit einem Schmähgedicht gegen Flüchtlinge. Es wird billigend in Kauf genommen, dass rechtsradikal gesinnte Bürger innerhalb des Paulshöhe-Chats agieren und ihre Parolen verbreiten.“

Zusammenarbeit nach einer Woche beendet

Auch Dynamo Schwerin hat inzwischen zurückgerudert. Auf der Facebook-Seite heißt es seit Mittwochabend: „Die SG Dynamo Schwerin und die Wirtschaftsberatung Suhr beenden ihre Zusammenarbeit. Dazu Stefan Suhr: „Leider ist es in der öffentlichen Wahrnehmung dazu gekommen, dass mein rein privates Engagement bei der SG Dynamo Schwerin mit meiner politischen Tätigkeit in einen Zusammenhang gesetzt wird. Dabei war immer klar, dass der Verein völlig unpolitisch ist und es hier nur um den Sport geht. Damit dem Verein kein Schaden entsteht, habe ich die Verantwortlichen um die Beendigung der Zusammenarbeit gebeten.“ Die Trennung sei in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt.

Für Dynamo Schwerin ist und bleibt die Zusammenarbeit mit Verfassungsfeinden offenbar kein Problem. Der Verein betont immer wieder, dass er „unpolitisch“ sei. Sicherlich kann man dem Verein in Gänze nicht vorwerfen, dass er rechtsextremistisch ticken würde. So hat er in seiner Nachwuchsarbeit seit 2015 auch viele Flüchtlinge integriert. Offensichtlich fehlt den Verantwortlichen aber ein Gespür dafür, wo Politik anfängt. Die Zusammenarbeit mit Personen, die sich in einer Partei engagieren, die mit ihrem Weltbild gegen die Menschenwürde verstößt, mag im gutmeinenden Fall als Naivität der Verantwortlichen ausgelegt werden können. Im schlechtesten Fall ist es aber Ignoranz oder klammheimliche Sympathie.

Kommentare(1)

Stephan Martini Freitag, 06.Oktober 2017, 16:45 Uhr:
Das die Dynamo an dieser Stelle seine Probleme hat, ist bekannt. Dieses wird hier allerdings zu hoch geschätzt. Durch das Engagement für die Paulshöhe ist man natürlich mit allen Nutzern in Gespräch gekommen. Die Spiele werden regelmäßig von bis zu 300 Fans besucht. Der Anteil von rechten Fans, ist verschwindend minimal. Was den NPD Sponsor angeht, ist es tatsächlich dikussionswürdig. Mich ärgert hier allerdings, das die Whatsapp Gruppe - hier als rechte Gruppe des Bündnisses dargestellt wird. In der Gruppe konnte jede und jeder seine Freunde etc. hinzufügen. Es gab dann auch ein paar problematische Mitglieder. Das Schmähgedicht wurde umgehend gelöscht. Die entsprechende Person aus der Gruppe entfernt. Die Gruppe selbst diente den Ausstauch von Informationen zum aktuellen Sachstand. Da Herrn Gajek nur ein kleiner Teil des Chatverlaufes gezeigt wurde, kann er also nicht wisssen, dass es deutliche Ablehnungen zu dem Gedicht gab. Hier werden zwei völlig unterschiedliche Dinge vermischt. Dies wirft ein völlig falsches Bild auf die Bemühungen, den 100 Jahre alten Sportplatz vor Finanzhaien zu bewahren.
 

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