von Oliver Cruzcampo
   

NPD-Kinderfest: Eis nur für deutsche Kinder

Eine Woche vor der Bundestagswahl führte die NPD in Stralsund ein Kinderfest durch – nach eigener Aussage bereits zum 16. Mal. Auch mehrere Muslime verirrten sich offenbar in Unkenntnis des Hintergrunds auf die Veranstaltung. Der NPD-Spitzenkandidat Udo Pastörs und sein Verband verzichten derweil größtenteils auf einen Wahlkampf.

NPD-Kinderfest Stralsund

Ab 12 Uhr lud der NPD Kreisverband Nordvorpommern am vergangenen Sonntag zum Kinderfest in der Stralsunder Innenstadt. „Unsere Kinder sind unsere Zukunft, deshalb kümmern wir uns darum“, so wurde im Vorfeld für die Veranstaltung geworben. Zudem wurde Bratwurst, Eis und Kuchen angeprisen - „natürlich kostenlos“.

Dem Aufruf folgten über den Tag verteilt über 100 Personen, viele Eltern hatten offenbar keine Berührungsängste mit dem rechtsextremen Kinderfest. Verantwortlich für die Veranstaltung zeichnet seit Jahren Dirk Arendt, Stadtvertreter für die NPD in der Bürgerschaft der Hansestadt. Bratwurst und Eis gebe es auf dem Kinderfest, kündigte Arendt kurz nach Beginn an, ergänzt um „natürlich nur für deutsche Kinder“.

Muslime auf NPD-Kinderfest

Diese Anmerkung hätte es nicht gebraucht, könnte man denken. Zumal die NPD laut eigener Aussage bereits zum 16. Mal ein Kinderfest in Stralsund durchführt. Doch kurioserweise tauchten am Sonntagnachmittag mehrere Mütter mit Kopftuch in Begleitung ihrer Kinder auf. Offenbar war ihnen der Veranstalter des Fests nicht vertraut – und so tauchten deren Kinder wenig später auf der Hüpfburg oder vor dem Torwandschießen zusammen mit Kindern rechtsextremer Eltern auf. Den NPD-Organisatoren dürfte dieser Umstand kaum Vergnügen bereitet haben, an einer Eskalation der Situation schienen sie allerdings kein Interesse gehabt zu haben. Und so tollten die Kinder auch noch nach einiger Zeit bei verschieden Attraktionen.

Kinderfeste sind seit langer Zeit fester Bestandteil rechtsextremer Agitation, so können sie sich als die „Kümmerer“ vor Ort gerieren, Widerspruch bei dieser Aktionsform gibt es kaum. So auch an diesem Sonntag in Stralsund. Gegenproteste gab es in der Hansestadt keine, die Neonazis konnten – im Gegensatz zu Demonstrationen oder anderen öffentlichen Auftritten – ungehelligt ihr Kinderfest durchführen.

Dennoch kann der Landesverband die Frequenz vergangener Jahre nicht mehr aufrecht erhalten. Teilweise wurden drei oder vier solcher „Kümmerer“-Events pro Saison durchgeführt, in etwa in Anklam, Neustrelitz oder Ueckermünde. Außer Stralsund blieb es in diesem Jahr hingegen ruhig. Lediglich in Jamel ging auf dem Gehöft des Neonazis Sven Krüger eine Art Kinderfest vonstatten, allerdings nicht unter dem Label der NPD.

Dieses dürfte im Übrigen nicht zufällig eine Woche vor der Landtagswahl stattgefunden haben – und doch ist der Landesverband bis auf die gewohnte Plakatierung Tausender „Wahlpappen“ zu keinem Zeitpunkt richtig in den Bundestagswahlkampf eingestiegen. Ende Januar wurde der ehemalige Fraktionsvorsitzende Udo Pastörs noch als Spitzenkandidat angekündigt. Im Wahlkreis von Angela Merkel sollte er für Furore sorgen, doch seitdem ist wenig bis nichts passiert.

Ehemalige Kader verlassen NPD

Lediglich Anfang September ließ sich der 65-Jährige auf einer Protestveranstaltung gegen einen Auftritt von Angela Merkel in Wolgast blicken. Die Sympathisanten standen dort entlang des Bürgersteigs zusammen mit AfD-Wählern, die ebenfalls gegen die Kanzlerin mobil machten. Aufgerufen dazu hatte u. a. der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ralph Weber, später sah sich der Kreisverband Vorpommern-Greifswald jedoch genötigt, in einer Pressemitteilung darauf hinzuweisen, dass es sich um keine Veranstaltung der AfD gehandelt habe und es auch keine gemeinsamen Aktionen mit der NPD gebe.

Anfang September 2016 scheiterte die NPD mit 3,0 Prozent relativ deutlich am Wiedereinzug. Seitdem haben etliche Kader, die zuvor teilweise bis zu zehn Jahre in der Fraktion angestellt waren, dem Verband den Rücken gekehrt. Zuletzt gab der ehemalige Mitarbeiter David Böttcher sein NPD-Mandat in Grevesmühlen zurück, auch Hannes Welchar ist nicht länger Mitglied der Stadtvertretung Friedland. Dies spiegelt sich nun auch im kaum existenten Wahlkampf wider, bei dem es für die Bundespartei vor allem um das Überspringen der 0,5-Prozent-Hürde geht. Damit würden sie weiterhin an der staatlichen Parteienfinanzierung teilhaben können.  

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