von Oliver Cruzcampo
   

NPD-Kader bei AfD-Vortrag

Der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Ralph Weber lud in Greifswald zu einer Veranstaltung zum Thema Islam ein. Dabei nahmen neben Parteimitgliedern auch NPD-Funktionäre an dem Treffen bei einer Burschenschaft teil. In Rostock kamen zu einem Vortrag bei der dortigen Burschenschaft neben AfD-Abgeordneten auch Kader der Identitären Bewegung. Eine Abgrenzung scheint kaum noch stattzufinden.

Ralph Weber 2016 auf einer AfD-Demo, im Hintergrund Daniel Fiß und Daniel Sebbin von den Identitären

Warum der Islam nicht zu Deutschland gehört“ lautete das Thema des Vortrages, zu dem der Landtagsabgeordnete der AfD, Ralph Weber, am Freitag geladen hatte. Auf der Einladung war nur die Robert-Blum Straße genannt, doch hinter der Adresse befindet sich das Haus der Greifswalder Burschenschaft Rugia. Diese ist nicht nur Mitglied des umstrittenen Korporationsverbandes Deutsche Burschenschaft (DB), in der Vergangenheit gab es bereits mehrfach Verbindungen zu rechtsextremistischen Aktivitäten. So soll auch der kürzlich zu einer Gefängnisstrafe verurteilte Holocaust-Leugner Rigolf Hennig „Alter Herr“ der Burschenschaft sein.

Der Einladung Webers folgten auch sein Landtagskollege Stephan Reuken, mittlerweile ebenfalls „Alter Herr“, und Eike Liefke, die zuvor bei den Identitären aktiv war. Interesse bekundeten allerdings auch mehrere Vertreter des rechtsextremen Spektrums. So fand sich neben dem ehemaligen NPD-Landtagsabgeordneten Tino Müller auch Enrico Hamisch ein, stellvertretender Landesvorsitzender der bis vergangenen September noch im Landtag vertretenen rechtsextremen Partei. Probleme mit der Teilnahme der beiden NPD-Kader schien der AfD-Fraktionsvize nicht zu haben, ausgeschlossen wurden sie offenbar nicht. Müller und Hamisch hatten sich bereits im Februar auf einer AfD-nahen Veranstaltung mit einem Banner positioniert.


Tino Müller und Enrico Hamisch warten auf den Beginn des Vortrags von AfD-Politiker Ralph Weber

Zeitgleich kam es auch im Westen des Bundeslandes zu einem AfD-Vortrag. Der Direktkandidat Dennis Augustin hatte am Freitagabend nach Lübtheen geladen, Thema: „Gefahr Islamisierung“.

Identitäre bei Rostocker Burschenschaft

In Rostock hatte die Burschenschaft Redaria-Allemannia ebenfalls am Freitagabend die rechte Publizistin Anabel Schunke eingeladen. An der Veranstaltung nahm mit Holger Arppe ein weiterer Rechtsaußen-Vertreter der AfD teil, der neben Weber zweiter stellvertretender Fraktionsvorsitzender ist. Außer dem Rostocker, der seit jeher bekennender Sympathisant der Identitären Bewegung ist, fanden sich auch mehrere Vertreter der vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppe ein. Der Bundeschef Daniel Fiß, der Landesvorsitzende Hannes Krünägel und Daniel Sebbin waren ebenfalls zugegen; die drei Rechtsextremen gehören zu den umtriebigsten Funktionären in dem Bundesland, die Zeit nannte sie passend „Reisekader“, da sie immer wieder an bundesweiten Aktionen beteiligt sind und aushelfen müssen.

Die Veranstaltungen zeigen, dass auch in Mecklenburg-Vorpommern die Grenzen zwischen unterschiedlichen Gruppierungen des Rechtsaußen-Spektrums zunehmend verschwimmen, Kooperationen zutage treten und Burschenschaften zunehmend als Akteur auf den Plan rufen. Deren Häuser werden gern als Treffpunkt zur Verfügung gestellt, Schnittstellen in die rechte Szene werden intensiviert und ausgebaut.

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