von Oliver Cruzcampo
   

NPD-Feier im Schweinestall – „Deutsche Stimme“-Pressefest kommt nach M-V

Nachdem das Pressefest des NPD-Parteiorgans „Deutsche Stimme“ kaum noch an frühere Erfolge anknüpfen konnte, wird nun versucht, neue Wege zu gehen. Die Veranstaltung, die Anfang August auf einem ehemaligen Schweinestall stattfinden soll, wurde erstmals nach Mecklenburg-Vorpommern verlegt. In den NPD-Hochburgen hofft man auf hohe Besucherzahlen.  

In der aktuellen Ausgabe der „Deutschen Stimme“ (DS) wird das diesjährige Pressefest der Parteizeitung prominent beworben: „Sommer, Pommern, Pressefest“, heißt dort der dazugehörige Slogan. Eckart Bräuniger, Geschäftsführer der NPD-Zeitung, hat wie bereits im letzten Jahr die Organisation des Neonazi-Events übernommen.

In Mecklenburg-Vorpommern soll das Pressefest in diesem Jahr erstmals stattfinden, „im Dreieck Löcknitz – Woldegk – Ueckermünde“, heißt es in der Anzeige. Zwar wird der genaue Ort nicht genannt, doch vieles deutet darauf hin, dass sich die NPD erneut für eine Anlage in Viereck entschieden hat. In der kleinen Gemeinde hat ein erst 2009 gegründeter Verein unter dem unscheinbaren Namen „Sport und Kultur Wiese e. V.“ einen ehemaligen Schweinestall gepachtet. Offizielles Vereinsziel sei die Förderung von Musikveranstaltungen und Jugendarbeit. 

Geschäftsführer Eckart Bräuniger scheint das althergebrachte Konzept überarbeitet zu haben. Nachdem die Mehrzahl der Events des Öfteren in Sachsen stattfanden, wo der Verlag seinen Sitz hat und auch viele Redakteure sesshaft sind, zieht es Bräuniger nun gen Norden. Erstmals will man Rechtsextremisten aus Mecklenburg-Vorpommern anlocken und neue Geldquellen erschließen.

In diesem Jahr wird die Neonazi-Veranstaltung auf einen Tag gekürzt. Auch die recht hohen Eintrittspreise von 35 Euro wird es in diesem Jahr wohl so nicht mehr geben. Bisher wurde allerdings komplett auf eine Preisangabe verzichtet. Klar hingegen ist, dass die Veranstaltung für den maroden Verlag eine eminent wichtige Einnahmequelle darstellt. Bräuniger musste erst vor wenigen Wochen wirtschaftliche Schwierigkeiten einräumen, mehrere Mitarbeiter mussten gekündigt werden. Der „Deutsche Stimme“-Verlag ist auf hohe Besucherzahlen angewiesen. Nachdem 2004 und 2006 noch 7.000 Neonazis die Veranstaltung besuchten, kann die NPD seitdem von solch hohen Besucherzahlen nur noch träumen. Lediglich 1.500 Sympathisanten verirrten sich 2010 an den Quitzdorfer Stausee (Landkreis Görlitz). Erwartet worden waren jedoch rund 3.000.

Das Programm hingegen liest sich ähnlich wie im vergangenen Jahr. Erneut setzt die NPD auf eine Mischung aus politischer Agitation anhand zahlreicher prominenter Redner und scheinbar unpolitischen Auftritten etlicher Bands und Liedermacher. Angekündigt haben sich die beiden Landtagsfraktionen aus M-V und Sachsen mit deren jeweiligen Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs und Holger Apfel. Zudem darf auch Sigrid Schüßler eine Rede halten. Die neue Vorsitzende der NPD-Frauenorganisation „Ring nationaler Frauen“ darf dann wenig später erneut auftreten – als „Hexe Ragnar“. Auch Andy Knape, NPD-Bundesvorstandsmitglied, Wolfam Nahrath, letzter Vorsitzender der mittlerweile verbotenen „Wiking-Jugend“ sowie Ralph Tegethoff sind mit am Start.

Ihr musikalisches „Talent“ darf auch in diesem Jahr die „Lunikoff-Verschwörung“ mit Ex-Landser-Sänger Michael Regener zum Besten geben. Dazu gesellt sich „Sachsonia“, „Faust“ sowie die regionale Band „Wiege des Schicksals“. Auch die nationalen Barden Frank Rennicke sowie Jörg Hähnel gehören mittlerweile zum Standardprogramm bei NPD-Veranstaltungen.

Erst im Februar wurde auf dem Gelände des ehemaligen Schweinestalls eine Neonazi-Konzert durch die Polizei unterbunden. Die konspirativ organisierte Veranstaltung mit rund 300 Gästen war aus baurechtlichen Bestimmungen durch den Landkreis verboten worden. Die 1.300-Einwohner-Gemeinde dürfte bei ähnlichen Teilnehmerzahlen wie in den vergangenen Jahren und einem zu erwartenden massiven Polizeiaufgebot aus allen Nähten platzen.

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-35992-0006 / CC-BY-SA

Kommentare(5)

WW Dienstag, 05.Juni 2012, 18:48 Uhr:
Immerhin, einen Sinn für angemessene Orte haben sie.
 
John Mittwoch, 06.Juni 2012, 08:51 Uhr:
Ich hoffe das da keine Schweine mehr drin sind! Tierquälerei!
 
Vierecker Mittwoch, 06.Juni 2012, 12:56 Uhr:
Dieser sogenannte Schweinestall befindet sich nicht in Viereck, sondern in Pasewalk.
 
Vierecker2 Sonntag, 17.Juni 2012, 09:11 Uhr:
Diese Entwicklung lässt sich seit einigen Jahren in der ganzen Region beobachten. Vielen Viereckern ist bekannt, dass für den Ausbau des Schweinestalls offenbar nicht die erforderlichen Genehmigungen eingeholt wurden und dessen weitere Nutzung wahrscheinlich rechtswidrig erfolgt. Ein Artikel im Nordkurier gibt Auskunft über ausbleibendes Verwaltungshandeln, um der Veranstaltung rechtzeitig entgegenzusteuern. Sicherlich fehlt hier es hier bei der Stadt Pasewalk und beim Kreis Vorpommern-Greifwald an Erfahrung und Sachkenntnis im Umgang mit dieser Thematik. Schließlich besteht hier nunmehr für den Vierecker Bürger eine „Verständnispflicht“, da eine genaue Begutachtung der rechtlichen Voraussetzungen für diese Veranstaltung (Standorteignung, Brandschutz, Fluchtwege, Hygiene, Toiletten, Parkplätze, Lärmschutz, Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit) für die Verwaltung einen enorm hohen und komplizierten Aufwand darstellen. Für die Stadt Pasewalk ist die Veranstaltung bereits ein Erfolg – schließlich liegt der Veranstaltungsort an der äußersten Stadtgrenze und die Auswirkungen bekommt die kleine katholische Gemeinde Viereck zu spüren. Letztlich stellt diese Veranstaltung für unsere Besucher und die Touristen auf dem Radweg Berlin-Usedom eine adäquate Werbung für unsere Region dar. Bleibt also der einzige Trost, dass nur der Name der Lokation zutrifft!
 
Rusti Dienstag, 03.Juli 2012, 17:17 Uhr:
Es wäre wünschenswert, das Leute wie Ihr, diese Veranstaltung besuchen um zu begreifen, um was es der Mehrheit solcher Veranstaltungen geht. Wacht auf !! Aber, die Mehrheit in Deutschland ist immer noch der Meinung, " uns Deutschen geht es gut, unsere Kinder erfahren in Deutschland entsprechende Bildung " ! Wer von Euch an solch eine Scheiße glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann !!
 

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