NPD auf Facebook: Hetze gegen Asylbewerber um jeden Preis

Eine vom thüringischen Pegida-Ableger und dem Landesverband der NPD veröffentlichte Nachricht verbreitet sich seit Montag rasant bei Facebook. Darin wurde der Eindruck erweckt, Asylbewerber hätten einen Sympathisanten der Rechtsextremen zusammengeschlagen. Eine gefährliche Mischung aus Halbwahrheiten und Lügen, um weiter Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen.

Mittwoch, 29. Juli 2015
Redaktion
Der parallel bei Thügida und der NPD veröffentlichte Beitrag, Foto: Screenshot NPD
Der parallel bei Thügida und der NPD veröffentlichte Beitrag, Foto: Screenshot NPD
Veröffentlicht wurde die Nachricht zuerst auf dem öffentlichen Facebook-Profil des 19-jährigen NPD-Nachwuchskaders Franz Kotzott. Der Hobbypolitiker schrieb: „In Sömmerda haben vor wenigen Stunden 20 Syrer versucht einen Jugendclub mit Zaunslatten und diversen anderen Gegenständen zu attakieren“ (alle Fehler im Original). Drei Stunden später machte dann Thügida, der regionale Ableger von Pegida, eine Eilmeldung aus dem Vorfall. Mit offenbar nicht-funktionstüchtiger Feststelltaste wurde ausschließlich in Großbuchstaben der Vorfall erneut aufgegriffen, diesmal mit einigen Zusatzinfos versehen. Die 20 Personen hätten einen Jugendclub nicht nur attackiert, sondern seien auch eingedrungen und hätten „immensen Schaden“ angerichtet. Selbst die anwesende Polizei hätte nicht reagiert. Nur eine Minute später findet sich die identische Meldung auf der Seite des NPD-Landesverbandes Thüringen wieder. Der Beitrag wird insgesamt sieben Mal überarbeitet, die jeweiligen Versionen können der Historie von Facebook entnommen werden. Interessant dabei: Die nächste Überarbeitung wird diesmal zuerst von der NPD veröffentlicht, danach von Thügida.

Umtriebiger NPD-Funktionär 

Eine zentrale Scharnierfunktion zwischen den beiden Gruppierungen hat der Greizer David Köckert inne. Der 36-Jährige ist Landesorganisationsleiter der NPD, gleichzeitig auch Anmelder zurückliegender Thügida-Aufmärsche. Zwei Minuten, bevor die Nachricht auf der Thügida-Seite erschien und drei Minuten vor dem NPD-Post veröffentlichte Köckert identischen Inhalt auf seinem Facebook-Profil. Dann kommt ein Jens ins Spiel. Fotos des Mannes, auf denen eine schwere Gesichtsverletzung zu erkennen ist, werden nachträglich in die Nachricht geladen. Der Eindruck wird erweckt, dass der Mann Opfer der Attacke von Montagabend geworden sei. Der Text wird ergänzt um: „Auch `Jens´ wurde Opfer in Sömmerda. Sein Kopf wurde auf einen Betonmülleimer geschlagen. Sind Deutsche nur noch Freiwild?“. Später heißt es dann, „Jens“ sei „jüngst“ Opfer gewesen. Nebenbei: Der Mann ist auf Facebook mit dem NPD-Kader Franz Kotzott befreundet. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Nachricht bereits Hunderte Male geteilt und kommentiert, Dutzende rechtsextreme und Anti-Asyl-Seiten übernahmen die Meldung, auch die ersten Morddrohungen ließen nicht lange auf sich warten.


Kurz nach dem NPD-Post tauchten die ersten Morddrohungen auf; Foto: Screenshot Facebook

Am nächsten Morgen dann kam etwas Licht ins Dunkel, die Polizei veröffentlichte eine Pressemitteilung, mehrere Regionalmedien griffen den Vorfall auf. So sei es zwar tatsächlich zu einer Auseinandersetzung gekommen, in die zwei Gruppen Asylbewerber verwickelt waren. Allerdings wurde der Jugendclub weder gestürmt, noch wurde Mobiliar zerstört. Auch gab es kein direktes Aufeinandertreffen der Gruppen. Und „Jens“ wird mit keinem Wort erwähnt. Dafür rückte ein rund zwei Wochen zurückliegender Vorfall aus Sömmerda erneut in den Fokus. So seien laut Pressemitteilung der Polizei an jenem Tag in der Stadt zwei männliche Personen, von denen eine stark alkoholisiert war, auf eine spanischsprachige Person getroffen. Es kam zu einer körperlichen Auseinandersetzung, ein 37-jähriger Mann erlitt Kopfverletzungen. Zu dem genauen Tathergang gibt es bislang keine Informationen. Der Redaktion von ENDSTATION RECHTS. liegen mittlerweile glaubhafte Aussagen vor, die darauf hindeuten, dass es sich bei dem 37 Jahre alten Mann um eben jenen „Jens“ handeln könnte, den die NPD nun für ihre Zwecke nutzt.


Auch Jens´Verhältnis zur Polizei scheint gespalten, Foto: Screenshot Facebook

Noch am selben Abend meldete die NPD eine Spontanversammlung „gegen Ausländergewalt“ an, rund 100 Rechtsextreme nahmen daran teil. Tags darauf legte die NPD abermals nach und veröffentlichte eine Pressemitteilung auf ihrer Webseite. Darin heißt es: „Zu Wort kam auch der aus dem Krankenhaus entlassene Deutsche, dessen Kopf die Asylanten mehrfach gegen einen Beton-Mülleimer geschlagen haben sollen.“

Zweck heiligt die Mittel?

Zwischen der Auseinandersetzung der beiden Gruppen Asylbewerber und der Kopfverletzung von „Jens“ gibt es ganz offensichtlich keinen Zusammenhang. Auch sind die Kopfverletzungen des Mannes bereits sichtlich verheilt, wie in einem aktuellen Video zu erkennen ist. Mehrere Indizien sprechen hingegen dafür, dass „Jens“ identisch ist mit dem Mann, der sich vor zwei Wochen eine Kopfverletzung während einer Auseinandersetzung mit der spanischsprachigen Person zugezogen hat. Schnell wird deutlich: An einer Aufklärung des tatsächlichen Ablaufes hat die rechtsextreme NPD kein Interesse. Im Gegenteil: Gezielt werden Halbwahrheiten verbreitet., die vor allem dem Ziel dienen, die ohnehin oft feindselige Stimmung gegen Asylbewerber weiter aufzuheizen. Siehe auch: Undurchsichtig: die Eilmeldung (!!!!) der Thügida und der NPD
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