NPD auf Facebook: Hetze gegen Asylbewerber um jeden Preis
Der parallel bei Thügida und der NPD veröffentlichte Beitrag, Foto: Screenshot NPD
Veröffentlicht wurde die Nachricht zuerst auf dem öffentlichen Facebook-Profil des 19-jährigen NPD-Nachwuchskaders Franz Kotzott. Der Hobbypolitiker schrieb: „In Sömmerda haben vor wenigen Stunden 20 Syrer versucht einen Jugendclub mit Zaunslatten und diversen anderen Gegenständen zu attakieren“ (alle Fehler im Original). Drei Stunden später machte dann Thügida, der regionale Ableger von Pegida, eine Eilmeldung aus dem Vorfall.
Mit offenbar nicht-funktionstüchtiger Feststelltaste wurde ausschließlich in Großbuchstaben der Vorfall erneut aufgegriffen, diesmal mit einigen Zusatzinfos versehen. Die 20 Personen hätten einen Jugendclub nicht nur attackiert, sondern seien auch eingedrungen und hätten „immensen Schaden“ angerichtet. Selbst die anwesende Polizei hätte nicht reagiert.
Nur eine Minute später findet sich die identische Meldung auf der Seite des NPD-Landesverbandes Thüringen wieder. Der Beitrag wird insgesamt sieben Mal überarbeitet, die jeweiligen Versionen können der Historie von Facebook entnommen werden. Interessant dabei: Die nächste Überarbeitung wird diesmal zuerst von der NPD veröffentlicht, danach von Thügida.

Umtriebiger NPD-Funktionär
Eine zentrale Scharnierfunktion zwischen den beiden Gruppierungen hat der Greizer David Köckert inne. Der 36-Jährige ist Landesorganisationsleiter der NPD, gleichzeitig auch Anmelder zurückliegender Thügida-Aufmärsche. Zwei Minuten, bevor die Nachricht auf der Thügida-Seite erschien und drei Minuten vor dem NPD-Post veröffentlichte Köckert identischen Inhalt auf seinem Facebook-Profil. Dann kommt ein Jens ins Spiel. Fotos des Mannes, auf denen eine schwere Gesichtsverletzung zu erkennen ist, werden nachträglich in die Nachricht geladen. Der Eindruck wird erweckt, dass der Mann Opfer der Attacke von Montagabend geworden sei. Der Text wird ergänzt um: „Auch `Jens´ wurde Opfer in Sömmerda. Sein Kopf wurde auf einen Betonmülleimer geschlagen. Sind Deutsche nur noch Freiwild?“. Später heißt es dann, „Jens“ sei „jüngst“ Opfer gewesen. Nebenbei: Der Mann ist auf Facebook mit dem NPD-Kader Franz Kotzott befreundet. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Nachricht bereits Hunderte Male geteilt und kommentiert, Dutzende rechtsextreme und Anti-Asyl-Seiten übernahmen die Meldung, auch die ersten Morddrohungen ließen nicht lange auf sich warten.
Kurz nach dem NPD-Post tauchten die ersten Morddrohungen auf; Foto: Screenshot Facebook

Auch Jens´Verhältnis zur Polizei scheint gespalten, Foto: Screenshot Facebook