von Marc Brandstetter
   

„Normalisiert“ sich Deutschland? Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Europa

In Deutschland haben nicht zuletzt die Erfolge der AfD den Rechtspopulismus zurück ins öffentliche Interesse geführt. Der von Frank Decker, Bernd Hennigsen und Kjetil Jakobsen herausgegebene Sammelband „Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Europa. Die Herausforderung der Zivilgesellschaft durch alte Ideologien und neue Medien“ zeigt wiederum, dass sich entsprechende Parteien außerhalb unserer Grenzen längst etabliert haben. Einige der Autoren der 25 unterschiedlichen Studien haben interessante Anregungen für den Umgang mit diesen Akteuren parat.

Ein lesenswertes Buch - Rechtspopulismus und Rechtsextremismus von Decker, Hennigsen und Jakobsen

Der Anlass für den vorliegenden Sammelband liegt schon etwas zurück. Das Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin veranstaltete bereits vor mehr als zwei Jahren einen Fachkongress zu extrem rechten Erscheinungsformen und den mit diesen verbundenen Herausforderungen in Europa. Eine hochkarätig besetzte Expertenrunde gab unterschiedlichste Einblicke in die vielen Schattierungen dieser politischen Erscheinungsform. Die Vorträge liegen nun in gedruckter Form vor. Ergänzt wurde die Zusammenstellung um einige neuere Beiträge, von denen der Artikel über die Situation in der Bundesrepublik, die fundierte Analyse von Frank Decker, einem der größten Kenner des Rechtspopulismus, zur „Alternative für Deutschland und Pegida. Die Ankunft des neuen Rechtspopulismus in der Bundesrepublik“ herauszuheben ist.

AfD als rechtspopulistische Partei

Decker beschreibt das Aufkommen der AfD als „Annäherung an den (west)europäischen Normalzustand“ (S. 75), die sich bereits in ihren Anfangstagen auf ein „vorhandenes Netzwerk an gesellschaftlichen und politischen Strukturen stützen“ konnte (S. 76). Die AfD, so Decker, sei in eine Nische des Parteiensystems gestoßen, die sich durch einen veränderten programmatischen Kurs der vorherigen Regierungsparteien CDU/CSU und FDP ergeben habe. Aber auch die „Sarazin-Debatte“ habe einen wichtigen Nährboden für die Erfolge der Alternative für Deutschland geliefert (S. 77). Besonders ihre starke Betonung der Marktfreiheit unterscheide die AfD vom harten Kern des europäischen Rechtspopulismus. Mittlerweile, nach dem Abgang ihres „gemäßigteren“ Flügels um den Gründer Bernd Lucke, habe sich die „rechtspopulistische“ Partei zu einem „Sammelbecken für den rechten Rand entwickelt“. Luckes neuer Partei Alfa räumt Decker „geringe Chancen“ ein (S. 84). Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) nennt der Autor ein Rätsel, deren Erfolg, wenngleich auf Sachsen beschränkt, ohne die „Vorarbeit“ der AfD eventuell nicht möglich gewesen wäre (S. 86).

Weitere Länderstunden liefern die Autoren zur„Freiheitlichen Partei Österreichs“ (Reinhard Heinisch/Kristina Hauser), in dem die bekannte autoritäre Führungsrolle Jörg Haiders hervorgehoben wird (S. 96), der norwegischen „Fortschrittspartei“ (Kjetil A. Jakobsen) oder zur „United Kingdom Independence Party“ in Großbritannien (Tim Bale/Alan John Wager). Einen besonderen Schwerpunkt räumen die Macher des Sammelbandes dem Massenmörder Anders Behring Breivik ein, was auf die Herkunft der Herausgeber zurückzuführen sein dürfte. Lesenswert ist der Beitrag des Schriftstellers und Literaturkritikers Aage Borchgrevik „Woher kam der Hass? Die Bildung eines norwegischen Terroristen“, der sich im direkten Umfeld von Breivik auf Spurensuche begeben hat.

Was tun gegen Rechtspopulisten?

Aufhorchen lässt darüber hinaus eine Passage im Eingangstext von Decker, Hennigsen und Jakobsen, in der die drei Politikwissenschaftler Anregungen liefern, um das weitere Anwachsen rechtspopulistischer Bewegungen zu bremsen. In ihren Augen sind drei Punkte wichtig: Den rechten Bewegungen auf ihrem eigenen Feld begegnen, der Wertepolitik, der rechten „Gegenmodernisierung“ das Modell einer „guten Gesellschaft“ entgegenstellen sowie eine „Öffnung der Parteien für die Bürger“ voranzutreiben (S. 24).

Es freut die Redaktion von ENDSTATION RECHTS., dass sie einen Aufsatz zu diesem lesenswerten Buch beisteuern durfte: „Fremdenfeindlichkeit 2.0 – Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in der digitalen Welt“. Schade ist hingegen, dass durch den Fokus auf die skandinavischen Länder Ost- oder Südeuropa aus dem Blick geraten. Eine zusammenfassende systematische Analyse, wie sich Rechtspopulismus und Rechtsextremismus unterscheiden, wo ihre Eigenarten und Besonderheiten liegen, hätte dem Gesamtwerk ferner gut getan.

Frank Decker/Bernd Heningsen/Kjetil Jakobsen (Hrsg.)
Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Europa. Die Herausforderungen der Zivilgesellschaft durch alte Ideologien und neue Medien
Nomos-Verlag, Baden-Baden, 2015
414 Seiten, 79 Euro

Kommentare(10)

Einer von Vielen Freitag, 06.November 2015, 01:45 Uhr:
Am besten man sperrt die bösen Dunkeldeutschen in "Umerziehungslager"!
Und dann erklärt man ihnen die Vorzüge der "guten Gesellschaft" eines zwangs-multikulturalisierten, gleichgeschaltenen, zentralistisch-sozialistischen Superstaates (EUdSSR) wie ihn die Linksparteien von Grüne bis Union herbeisehnen!

Ihr seid Linkspopulisten! Ihr seid die Unterdrücker der freien Rede und Meinungsfreiheit, der Souveränität! Ihr seid die Totfeinde einer multipolaren Welt souveräner, gleichberechtigter Staaten. Das einzige wozu ihr fähig seid,
ist die Dekonstruktion und nachhaltige Vernichtung des organisch Gewachsenen, des Bewährten und Schützenswerten.

Ihr seid unfähig dieses Land zu führen und unwürdig es weiter mit eurer perversen universalistischen Ideologie zu verpesten!!!
Wir werden nicht länger zulassen, dass ihr dieses Land und alles was es über jahrhunderte geprägt und geformt hat, was es im Wesen ausmacht, vernichtet!

Es wird Zeit für die AfD!
 
Bürger Freitag, 06.November 2015, 12:21 Uhr:
@ Einer wie keiner

Obwohl du vergessen hast, deinen Kommentar als Ironie zu kennzeichnen, hab ich herzlich gelacht. Danke dafür!
 
Luise Freitag, 06.November 2015, 12:27 Uhr:
Klar doch, Zeit für die AfD und den Schießbefehl an den europäischen Außengrenzen!
Wer denen nachrennt ist selbst schuld.
 
Dennis Freitag, 06.November 2015, 13:18 Uhr:
@ Einer von vielen:

"...eines zwangs-multikulturalisierten, gleichgeschaltenen, zentralistisch-sozialistischen Superstaates (EUdSSR)"

Tolle Parole. Kommt da auch was mit Inhalt? Dieser Quatsch mit einer "EUdSSR" interessiert ausserhalb Ihrer Nazi-Welt niemanden.

"...wie ihn die Linksparteien von Grüne bis Union herbeisehnen!"

Genau, alles was nicht Ihrer Naziideologie entspricht, ist links. Auch so ein dämlicher Nazi-Scheiß. Aber differenzieren kann eben nicht jeder.

"Ihr seid Linkspopulisten! Ihr seid die Unterdrücker der freien Rede und Meinungsfreiheit, der Souveränität!"

Und so ein haltloser Vorwurf kommt ausgerechnet von rechtsaußen.
Und ausserdem ist Deutschland doch eh nicht souverän, oder? An sowas glaubt ihr Nazis doch.

"Das einzige wozu ihr fähig seid, ist die Dekonstruktion und nachhaltige Vernichtung des organisch Gewachsenen, des Bewährten und Schützenswerten."

Politische Entscheidungen, die nicht Ihren Vorlieben entsprechen, sind also Dekonstruktion und Vernichtung? Das lässt ja tief blicken.

"Ihr seid die Totfeinde einer multipolaren Welt souveräner, gleichberechtigter Staaten."

Nein, bei "uns" sind alle gleichberechtigt. Diejenigen, die Menschen unterschiedliche Rechte zugestehen wollen, sind Nazis wie Sie.

"Ihr seid unfähig dieses Land zu führen und unwürdig es weiter mit eurer perversen universalistischen Ideologie zu verpesten!!!"

Was ein überwiegender Teil der Wähler aber anders sieht.....

Ende Teil 1
 
Dennis Freitag, 06.November 2015, 13:19 Uhr:
Teil 2

"Wir werden nicht länger zulassen, dass ihr dieses Land und alles was es über jahrhunderte geprägt und geformt hat, was es im Wesen ausmacht, vernichtet!"

Mit dem Vernichten von Ländern kennen sich Nazis ja aus...

"Es wird Zeit für die AfD! "

Nö. Niemand braucht noch eine Nazi-Partei.
 
BrechtLeser Freitag, 06.November 2015, 14:05 Uhr:
@EvV
Da hat aber jemand zu viele Propagandapillen geschluckt. "Sozialdarwinismus", Nazirhetorik und betont völkisch, vielleicht ein kleiner verbitterter Artamane? Bleib du mal weg vom Weltnetz ( p.s. übernatiolnale Erfindung) ;)
Die Welt wäre am Multipolarsten/ Gleichberechtigsten ohne Staaten. Da dann für alle Menschen gleiche Rechte und Pflichten gelten würden. Von daher ist mindestens eine deiner Thesen durch alleinige Logik wiederlegbar.
Aber wahrscheinlich möchten du und deine Glaubensbrüder das gar nicht hören/nicht darüber diskutieren?
Also bleibe Ruhig in deiner Scheinwelt und versuche mal mit deiner Monokultur klarzukommen. Am besten kappst du gleich deinen Internet/Telefonanschluss und schmeisst alle technischen Geräte weg, die nicht in irgendeiner Art und Weise von Menschen ausserhalb deines Kulturkreises entwickelt wurden.

Ich wundere mich, das ER solch verqueren Meinungen überhaupt veröffentlicht.

Aber derzeit sind du und deine Kameraden ja auf dem besten eure Masken fallen zu lassen ( siehe auch http://www.svz.de/lokales/zeitung-fuer-die-landeshauptstadt/streit-um-wohnungen-geht-weiter-id11130526.html letzter Satz)!
1933 lässt grüßen....
 
Irmela Mensah-Schramm Freitag, 06.November 2015, 18:29 Uhr:
@"Einer von vielen", der "Gänsefüßchen braucht"!
Muss man "Linksextrem" sein, wenn man diesen voherstehenden Kommentar verurteilt ?
Sie können/Du kannst mich nennen was Sie wollen/Du willst, ich werde dafür sorgen, dass dem AfD "die Suppe versalzen wird"!
Derartige Ekelmeinung darf nicht unwidersprochen bleiben!
 
Insider wissen mehr! Freitag, 06.November 2015, 22:59 Uhr:
Zwar nicht der Erfolgreichste, dafür aber mit großem Abstand der schönste Rechtspopulist dürfte wohl der „Firle-Franz“ von der NPD sein!
 
Kurth Samstag, 07.November 2015, 07:51 Uhr:
Wo wird deine Meinung unterdrückt? Du darfst sie hier doch ungefiltert äußern. Auch wenn sie nicht mehr ist als ein geballter Haufen Schwachsinn :D
 
Roichi Samstag, 07.November 2015, 09:42 Uhr:
@ Einer

Da hast du aber schön deine Parolen aufgesagt.
Gibt ein Bienchen auf dem Kamerradschaftsabend, oder heißt das jetzt "Spaziergängertreff"?

Aber wenn wir schon dabei sind, darfst du gerne ausführen, was denn das "des organisch Gewachsenen, des Bewährten und Schützenswerten. " sein soll.
Bitte konkret und nicht mir neuen Parolen, also was ist wie organisch gewachsen (gehört da nicht auch verfall und Zersetzung dazu), was ist DAS Bewährte denn genau, und warum soll es schützenswert sein.
Das bitte mit Fakten unterlegen.

Ich bin gespannt, deine Kamerraden hier haben es bisher nicht geschafft, darauf konkret zu antworten.

Deine Aussage: "dass ihr dieses Land und alles was es über jahrhunderte geprägt und geformt hat, was es im Wesen ausmacht" hilft schonmal nicht weiter.
Das ist nur die Wiederholung der obigen Parole.

Und jetzt ist es wirklich mal Zeit, die Masse zwischen deinen Ohren einzuschalten.
 

Die Diskussion wurde geschlossen