von Marc Brandstetter
   

Nordrhein-Westfalen: Neonazis wollen in den Bundestag

Überraschend setzt die Splitterpartei „Die Rechte“ die Segel in Richtung Bundestagswahl. Über ein parteinahes Portal lies die Worch-Truppe mitteilen, dass der nordrhein-westfälische Landesverband eine Liste gewählt habe. Auf der geben sich ehemalige Kameradschaftsaktivisten die Klinke in die Hand.  

Es ist noch gar nicht lange her, da hatte Parteigründer Christan Worch die Losung ausgegeben, die Europawahl 2014 und die kommenden Kommunalwahlen seien für seine Organisation, die mittlerweile 270 Anhänger umfasse, die ersten elektoralen Bewährungsproben. Angesichts der im nordrhein-westfälischen Innenministerium möglicherweise vorangetriebenen Verbotspläne gegen „Die Rechte“ (DR) machen die Parteistrategen nun Nägel mit Köpfen. Den stetigen Vorwürfen, die DR sei eine Nachfolgeorganisation zahlreicher verbotener Neonazi-Strukturen, soll der Wind aus den Segeln genommen werden. Bekanntlich ist eine Partei ungleich schwerer zu verbieten als eine andere Organisation.

Die gewählte Landesliste zur Bundestagswahl jedenfalls liest sich wie ein „who is who“ der Freien Kameradschaftsszene im bevölkerungsreichsten Bundesland. Einen Namen, den des DR-Landeschefs Dennis Giemsch, sucht man allerdings vergeblich. Der Kopf des verbotenen „Nationalen Widerstandes Dortmund“ (NWDO) und „geistige Vater“ der „Autonomen Nationalisten“ (AN) im Ruhrgebiet, kandidiert nicht für den Bundestag.    

Dafür wartet die DR mit zahlreichen anderen Neonazi-Kadern auf. Angeführt wird die Kandidatenliste, die am Samstag laut eigener Aussage in „harmonischer Atmosphäre“ gewählt wurde, von André Plum, der laut Übergriff auf Journalisten am Rande des Prozesses gegen Norman Bordin beteiligt gewesen sein, der bundesweit für Empörung sorgte. Auf Platz zwei wählten die DR-Anhänger mit Sascha Krolzig eines ihrer Bundesvorstandsmitglieder. Der Jurastudent war für die „Kameradschaft Hamm“ aktiv, die ebenfalls von Innenminister Ralf Jäger verboten wurde.

Es folgt mit Michael Brück auf Listenplatz drei Giemschs Stellvertreter. Wie sein Landeschef war Brück im NWDO engagiert. Heute betreibt der umtriebige Neonazi den entlarvend betitelten Onlineshop „antisem.it“. Marc Rostkowski auf Platz vier ist von der NPD zur „Rechten“ gewechselt. Ihm folgt schließlich Daniel Borchert aus Wuppertal. 

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