Rezensionen

Neuerscheinungen zum Rechtsextremismus 3/2026

Erneut erschienen einige Bücher zum Rechtsextremismus, die ganz unterschiedliche Aspekte dieses komplexen Phänomens thematisieren. Mal geht es um die AfD in den ostdeutschen Ländern, mal um die „Brandmauer“ als mögliche Strategie, mal um Gemeinsamkeiten von islamistischen und rechten Ideologen. Die Bände sind hier Gegenstand einer kleinen Sammelrezension.

Donnerstag, 10. September 2026
Armin Pfahl-Traughber
Foto: Flickr/George Redgrave, Lizenz: CC BY ND 2.0
Foto: Flickr/George Redgrave, Lizenz: CC BY ND 2.0

Aust / Seligmann, Brandmauer -  Wie umgehen mit der AfD?

Soll man gegenüber der AfD eine „Brandmauer“ errichten? Über diese Frage wird kontrovers diskutiert, was auch ein derart betitelter Sammelband veranschaulicht: „Brandmauer. Wie umgehen mit der AfD?“ Stefan Aust und Rafael Seligmann haben ihn herausgegeben. Zwölf Autoren, meist ehemalige Politiker, lieferten dazu ihre Texte. Sie definieren aber die „Brandmauer“ nicht näher, wodurch die Ebenen durcheinander geraten. Häufig wird von einem bloßen Schlagwort ausgegangen, das der AfD in der Praxis genutzt habe. Aust meint, die „Brandmauer“ sei gefährlicher als der „offene politische Streit“.

#Buchtipp: #Brandmauer Wie umgehen mit der #AfD? Welche Grenzen braucht unsere #Demokratie? von Stefan Aust (Herausgeber), Rafael Seligmann (Herausgeber) #DNEWS24 #StefanAust #RafaelSeligmann dnews24.eu/buchtipp-bra...

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— DNEWS24 (@dnews24.bsky.social) 4. September 2026 um 13:16

Dabei muss eine Abgrenzung diese nicht verhindern. Sigmar Gabriel beklagt, nötig sei „eine inhaltliche Auseinandersetzung …, die es bislang im Grunde nicht wirklich“ gab. Es hätte tatsächlich mehr der Argumente und weniger der Pauschalisierungen bedurft. Einige Autoren folgen dieser Richtung, bleiben aber mehrheitlich im Ungefähren. Manche erinnern an wichtige Selbstverständlichkeiten, etwa Thomas Schwartz mit „Der Wähler ist der Täter“.

Stefan Aust/Rafael Seligmann (Hrsg.), Brandmauer. Wie umgehen mit der AfD?, Freiburg 2026 (Herder), 187 S., 19 Euro

Backes / Nattke, Die AfD im Osten

Bekanntlich wird die AfD überdurchschnittlich stark in Ostdeutschland gewählt. Über die Gründe und Rahmung liegt nun ein gesonderter Sammelband vor: „Die AfD im Osten. Analysen anlässlich der Wahlen 2024/25“. Uwe Backes und Michael Nattke, die beiden politikwissenschaftlichen Herausgeber, haben ihn in drei Teile gegliedert: Zunächst geht es um die Geschichte der Partei, aber auch die Kooperation mit traditionellen Rechtsextremisten und die kollektiven Ostidentitäten als Rahmung. Dem folgt der Blick auf die fünf Landesverbände.

 

Für die AfD geht es immer weiter aufwärts? Nicht unbedingt. Von 22 Bürgermeister- und Landratswahlen dieses Jahr in Ostdeutschland verlor die AfD: 21. Wir haben uns alle Orte angeschaut, was man daraus lernen kann - und wie die AfD zu schlagen ist taz.de/Niederlagens...

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— Konrad Litschko (@litschko.bsky.social) 8. Mai 2026 um 20:46

Und schließlich sind besondere Politikfelder ein Thema: die Außen-, die Geschichts-, Geschlechter- und Klimapolitik sowie das „Remigration“-Verständnis. Auffällig ist das Fehlen von Reflexionen darüber, inwieweit die DDR-Geschichte für das Gemeinte relevant war. Auch wären vergleichende Betrachtungen mit der Entwicklung in den westdeutschen Ländern noch wichtig gewesen. Gleichwohl hat man es mit einem gelungenen Sammelband zum Thema mit politikwissenschaftlichem Zuschnitt zu tun.

Uwe Backes/Michael Nattke (Hrsg.), Die AfD im Osten. Analysen anlässlich der Wahlen 2024/25, Leipzig 2026 (edition überland), 280 S., 26 Euro

Schnelle, Gemeinsam gegen die moderne Welt

In seinem Buch „Gemeinsam gegen die moderne Welt“ reist der Philosoph und Podcaster Sebastian Schnelle ideengeschichtlich durch die Zeit. Er blickt auf Esoteriker wie Helene Blavatsky, Islamisten wie Hasan al Banna, Neue Rechte wie Armin Mohler, aber auch Ideologen wie Sayyid Qutb und Staatsrechtler wie Carl Schmitt.

Was auf den ersten Blick wie ein inhaltliches Durcheinander erscheint, macht bei genauer Betrachtung sehr wohl Sinn. Denn die Feindschaft gegenüber der politischen Moderne steht für die inhaltliche Verbindung, denn gegen die moderne Demokratie besteht eine gemeinsame Frontstellung.

"Gemeinsam gegen die moderne Welt: Wie Rechtsradikalismus und religiöser Fundamentalismus die offene Gesellschaft bedrohen" Das neue Buch von Philosoph und Podcaster Sebastian Schnelle erscheint im Februar im Alibri-Verlag. Die Vorstellung ist in Fürth: hpd.de/artikel/geme...

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— Humanistischer Pressedienst (@hpdticker.bsky.social) 20. Januar 2026 um 11:12

Berechtigt verweist der Autor auch darauf hin, dass es bereits reale Kooperationen gab. Bekanntlich kooperierte Mohammed Amin al-Husseini, der Mufti von Jerusalem, eng mit führenden deutschen Nationalsozialisten. Die gemeinten Akteure und deren Auffassungen werden mit leichter Hand anschaulich auch anhand von Zitaten thematisiert, einschlägige Gemeinsamkeiten ohne falsche Gleichsetzungen differenziert hervorgehoben.

Sebastian Schnelle, Gemeinsam gegen die moderne Welt. Wie Rechtsradikalismus und religiöser Fundamentalismus die offene Gesellschaft bedrohen, Aschaffenburg 2026 (Alibri-Verlag), 129 S., 15 Euro

Sundermeyer, Blaues Land. Über Leben mit der AfD

Und dann sei noch auf das neue Buch „Blaues Land. Über Leben mit der AfD“ von Olaf Sundermeyer verwiesen. Der bekannte Fernsehjournalist hatte diverse Reportagen erstellt, meist zur AfD in ostdeutschen Ländern. Letzteres erklärt den zunächst irritierenden Untertitel.

Denn der Autor schreibt nahezu so wie er filmt bzw. er reiht entsprechende Beobachtungen aneinander. Zwar finden sich zu Beginn einige Fragen, die aber im Inhalt nicht systematisch ein Thema sind. Gleichwohl wird für deren Erörterung viel Stoff geliefert. Der Autor berichtet von persönlichen Begegnungen mit führenden Funktionären, aber auch nahestehenden Protagonisten.

 

#Bürgertalk zu #BlauesLand von und hier auch mit Olaf Sundermayer. Und Schule muss die Demokratie vertreten. ☝️✊️ youtu.be/sQ1DnDQGlpQ?...

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— Emma (@emha.bsky.social) 17. Oktober 2025 um 09:53

Es geht dabei jeweils um ganz unterschiedliche Aspekte, die aber ein interessantes Gesamtbild zeichnen. Demnach liegen eher journalistische Erfahrungsberichte vor, handelt es sich doch nicht um eine analytische Monographie. Erfreulich sind die auch die gelegentlichen Anmerkungen zu anderen journalistischen Recherchen (z.B. von „Correctiv“), wird doch deren pauschale Prägung von Sundermeyer kritisiert.

Olaf Sundermeyer, Blaues Land. Über Leben mit der AfD, Freiburg 2026 (Herder), 288 S., 20 Euro

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