Rezensionen
Neuerscheinungen zum Rechtsextremismus
Angesichts der aktuellen Entwicklung erscheinen regelmäßig neue Monographien zur extremistischen Rechten. Auf ausgewählte Bücher soll fortan kontinuierlich in „Neuerscheinungen zum Rechtsextremismus“ als feste Rubrik aufmerksam gemacht machen.
Blickt man in Darstellungen zur bundesdeutschen Geschichte, so finden sich dort kaum Ausführungen zum seinerzeitigen Rechtsextremismus. Dabei existierten immer diverse Akteure dieses politischen Lagers, auch in den längeren Phasen geringer Wählerzustimmung. Darauf macht ein voluminöser Band der Bundeszentrale für politische Bildung aufmerksam: „Deutschlands Radikale Rechte. 1945 – 2025“, herausgegeben von Martin Langebach. Die begriffliche Kategorie schließt dabei, so seine Position, auch gerade noch als demokratisch geltende Strömungen ein.
Das Buch ist historisch-chronologisch aufgebaut und blendet die DDR und die dortigen Entwicklungen nicht aus. Auch viele Fotos veranschaulichen das Gemeinte, was in kurze Abschnitte zur einfacheren Lektüre eingeteilt wurde. Insofern erhält man eine informative und kritische Darstellung, nicht nur zu den Aktivistengruppen und Parteien, sondern ebenso zu Kulturorganisationen und Netzwerken. Nur rechtsextremistische Einstellungen in der Gesellschaft sind kein gesondertes Thema.
Martin Langebach (Hrsg.), Deutschlands Radikale Rechte 1945 bis 2025, Bonn 2026 (Bundeszentrale für politische Bildung), 439 S., 7,50 Euro
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Noch voluminöser geraten ist eine neue Ausgabe des „Handbuch Rechtsextremismus in Österreich“, das im Auftrag des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands erschien. Deren Autoren liefern eine umfassende Darstellung der Entwicklung im Nachbarland, dann aber in Aufsatzform von unterschiedlichen Experten zum jeweiligen Thema. Die gewählte Begriffsnutzung stellt dabei auf antidemokratische Phänomene ab.
Es geht um begriffliche und historische Grundlagen, aber auch um Einstellungspotentiale und die Kriminalitätsstatistik. Gesondert werden die organisatorischen Akteure thematisiert, die dabei ebenfalls thematisisierte FPÖ gilt als „Im Kern rechtsextrem“. Besondere Aufsätze widmen sich dem Fundamentalismus, der Judenfeindschaft, den Parallelmedien oder dem Verschwörungsdenken. Auch hier machen Abbildungen das Dargestellte noch anschaulicher. Die einzelnen Aufsätze folgen aber keiner beschreibenden Chronologie, sind sie doch auf eine mehr analytische Perspektive zu einem besonderen Thema zugeschnitten.
Andreas Kranebitter/Isolde Vogel/Bernhard Weidinger (Hrsg.): Handbuch Rechtsextremismus in Österreich, Wien 2026 (Falter-Verlag), 544 S., 39,90 Euro
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Mittlerweile beschäftigen sich auch Historiker verstärkt mit dem Rechtsextremismus, wovon auch eine neuere Arbeit von Marie Müller-Zetzsche zeugt. Sie ist eigentlich studierte Kulturwissenschaftlerin, geht aber in ihrer Monographie stark quellengestützt vor. „Erneuerung der alten Rechten. Nationalistische und rassistische Diskurse in Deutschland und Frankreich 1951 – 1971“ ist ihre Studie überschrieben. Darin blickt die Autorin auf zwei bedeutende rechtsextremistische Publikationsorgane, die als Foren der Ideologieproduktion untersucht werden: die französische „Défense de l’occident“ („Verteidigung des Abendlandes“) und die deutsche „Nation Europa“.
Beide werden hinsichtlich ihrer biologistischen, geschichtsrevisionistischen und nationalistischen Diskurse akribisch anhand von Primärquellen aufgearbeitet. Die Autorin macht dabei bezüglich der gegenwärtigen Neuen Rechten auf deren intellektuelle Vorgeschichte aufmerksam. Ein gesonderter Abgleich fehlt, ergibt sich aber aus dem Dargestellten, etwa bezogen auf die Agitation um „Volkstod“.
Marie Müller-Zetzsche, Erneuerung der alten Rechten. Nationalistische und rassistische Diskurse in Deutschland und Frankreich 1951 – 1971, Göttingen 2026 (Wallstein-Verlag), 344 S., 36,00 Euro
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Ebenfalls von geschichtswissenschaftlichen Ansätzen ist ein eigener Sammelband geprägt: „Lebenswelten der radikalen Rechten in der Bonner Republik“, herausgegeben von Frank Bösch und Gideon Botsch. Die darin enthaltenen Aufsätze blicken auf einschlägige Milieus in der längeren Nachkriegszeit. Dabei bedienen sich die Autoren aber konstitutiv einer soziologischen Kategorie, denn mit „Lebenswelt“ sind Nahräume von sozialen Verbindungen gemeint. Die zwölf Aufsätze des Bandes gehen entsprechenden Kontexten des bundesdeutschen Rechtsextremismus vor 1990 nach, bezogen auf die Jugend, mediale Netzwerke, Rechtsterrorismus oder internationale Verbindungen.
Nicht jeder Beitrag passt zur genutzten Kategorie, gleichwohl werden immer wieder Forschungslücken zum Thema teilweise geschlossen. Die meisten Autoren präsentieren auch historische Quellen, um das Gemeinte anhand konkreter Phänomene zu veranschaulichen. Der Blickwinkel über „Lebenswelten“ ist nicht neu, regt aber die Forschung zu neuen Perspektiven an.
Frank Bösch/Gideon Botsch (Hrsg.), Lebenswelten der radikalen Rechten in der Bonner Republik, Göttingen 2026 (Wallstein-Verlag), 304 S., 32,00 Euro