von Oliver Cruzcampo
   

Neuer NPD-Parteichef: Frank Franz soll´s richten

Die NPD hat einen neuen Bundesvorsitzenden: Frank Franz. Nachdem sich Udo Pastörs nicht zu einer neuen Kandidatur durchringen konnte und sich auch aus der Bundespolitik zurückziehen will, wird nun der ehemalige Pressesprecher Franz auf dem Chefsessel Platz nehmen. Doch ist der nicht unumstrittene Parteifunktionär der Aufgabe gewachsen?

Der neue Parteivorsitzende Frank Franz

Der 35-jährige Frank Franz soll ab sofort die Geschicke der rechtsextremen NPD lenken. Auf dem zwei Tage andauernden Bundesparteitag im baden-württembergischen Weinheim wurde Franz zum neuen Vorsitzenden gewählt. 86 der 139 Delegierten stimmten für ihn.

Das Ergebnis – Franz konnte lediglich 62 Prozent der Stimmen auf sich vereinen – zeigt, dass der Saarbrücker in der Partei umstritten ist. Zudem hatten am Samstag Peter Marx und Sigrid Schüßler kandidiert, zwei Charaktere, die in den vergangenen Monaten allerhand Unverständnis der Basis auf sich gezogen hatten. Dementsprechend fielen die Ergebnisse mit 32 beziehungsweise 17 Stimmen äußerst schlecht aus.

Mecklenburg-Vorpommern sichert sich Einfluss

Die drei Kandidaten verdeutlichen auch, wie dünn die Personaldecke der NPD ist. Udo Pastörs wollte nicht erneut kandidieren, nach eigenen Angaben will sich der 62-Jährige mehr seiner Familie widmen und sich auf Mecklenburg-Vorpommern konzentrieren, wo Pastörs Chef der einzigen verbliebenen NPD-Fraktion ist.

Im Vorfeld war über weitere Kandidaten spekuliert worden, doch von denen kandidierte letztendlich niemand. Franz wollte ursprünglich Sascha Roßmüller zu seinem Vize machen – doch der Bandido sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Stellvertreter von Franz sind – wie bei der NPD üblich – drei Männer geworden. Ronny Zasowk, der zuvor im Präsidium bereits das Amt Bildung inne hatte, Justiziar und der bereits zuvor als Vize tätige Frank Schwerdt sowie Stefan Köster, Landesvorsitzender aus Mecklenburg-Vorpommern. Damit sichert sich der mächtige Landesverband trotz Pastörs´ Rücktritt seinen Einfluss in der Bundespartei. Der bisherige Stellvertreter Karl Richter ist hingegen nicht mehr vertreten im höchsten Parteigremium. Die Entscheidung verwundert jedoch kaum, hatte der Münchner sich seit geraumer Zeit immer mehr aus der Bundes-NPD zurückgezogen und mit öffentlicher Kritik nicht hinter dem Berg gehalten.

Präsidium und Vorstand der Bundes-NPD wurden in Weinheim ebenfalls neu gewählt. Neue Gesichter sind indes kaum zu finden. So wird Klaus Beier, der unter Udo Voigt bereits Bundespressesprecher war und dann von Franz abgelöst wurde, diese Funktion nun erneut ausüben.

Erst Parteiausschlussverfahren – jetzt Vorstandsmitglied

Jörg Hähnel wird auch weiterhin das Amt für Öffentlichkeitsarbeit ausüben, sowie Andreas Storr das des Schatzmeisters. Dem geschassten Patrick Wieschke als Bundesorganisationsleiter folgt nun der Berliner Landesvorsitzende Sebastian Schmidtke. Und auch Jens Pühse ist seine Funktion als Bundesgeschäftsführer wieder los – sein Nachfolger wird Holger Szymanski. Der 42-Jährige ist sächsischer Landesvorsitzender und war Spitzenkandidat zur Landtagswahl Ende August.

Einen Namen dürften wohl nur die wenigsten Beobachter auf dem Schirm gehabt haben: Thomas „Steiner“ Wulff. Der Hardliner, der Landesvorsitzender der Hamburger NPD ist, hat seine Partei in den vergangenen Monaten massiv kritisiert, zudem läuft ein Parteiausschlussverfahren gegen Wulff. Sein Parteibuch wird der Neonazi vorerst nun wohl nicht mehr zurückgeben müssen.

Neu vertreten im Vorstand sind zudem Star-Anwalt Peter Richter, Florian Stein, Mitarbeiter des Europaabgeordneten Udo Voigt sowie der Berliner Stefan Lux. Ergänzt wird das Gremium durch Ariane Meise, Jens Pühse, Ricarda Riefling, Wolfgang Schimmel und Arne Schimmer. Endgültig aus der Funktionärslandschaft verschwunden ist hingegen Matthias Faust, letzter Vorsitzender der DVU und bislang verantwortlich für den ohnehin nicht mehr verfügbaren Parteiblog „DS aktuell“.

Franz will „Demo-Touristen“ aussortieren

Mit dieser Mannschaft soll Franz die NPD nun aus dem Tief holen – ein schwieriges Unterfangen für den 35-Jährigen. Die Voraussetzungen könnten kaum schlechter sein. Aktuell läuft ein Verbotsverfahren gegen seine Partei, ein desaströses Wahljahr – mit dem Verlust der sächsischen Fraktion – liegt wenige Wochen zurück, die Mitgliederzahlen haben mit 5.200 Personen einen neuen Tiefstand erreicht.

Doch die eigentliche Herausforderung dürfte zunächst sein, Akzeptanz an der Basis zu erlangen, vor allem beim radikalen Flügel. Denn Franz will die von Apfel proklamierte „seriöse Radikalität“ fortsetzen. Seine Partei müsse sich „100 Prozent als Wahlpartei“ verstehen und soll „moderner und sympathischer“ auftreten. „Kameraden“, die nur „Fun wollten“ und „Demo-Tourismus“ betreiben, sollten aussortiert werden. Bei Partei-Hardlinern, die den neuen Chef abwertend „Firle-Franz“ nennen, wird Franz einen schweren Stand haben und die kommenden Wochen werden zeigen, wie souverän Franz mit der Kritik umgehen wird.  

Kommentare(3)

Insider wissen mehr! Montag, 03.November 2014, 21:22 Uhr:
Der „Samen-Kanonier“ Pastörs will sich auf den Endkampf in Mecklenburg-Vorpommern vorbereiten, den er vom Schweriner „Führerbunker“ aus zu führen gedenkt!
 
Bürger Freitag, 07.November 2014, 10:18 Uhr:
@ "Insider"

Wirkliches Insiderwissen bringen Sie hier aber nicht. Dass Pastörs sich auf Mecklenburg-Vorpommern konzentrieren will, dürfte hinlänglich bekannt sein.
 
Insider wissen mehr! Freitag, 07.November 2014, 13:35 Uhr:
@ Bürger

Die Tatsache als solche ist gewiß „hinlänglich bekannt“, jedoch nicht die eigentlichen Hintergründe!
 

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