von Oliver Cruzcampo
   

Neonazi löst mit AfD-Wahlempfehlung NPD-Shitstorm aus

Der NPD-nahe Neonazi Tommy Frenck hat auf Facebook eine heftige Diskussion hervorgerufen. Relativ ausführlich legte er dar, warum er am Sonntag die AfD wählen werde. Während ihm viele Anhänger zustimmen, bekommt er von NPD-Funktionären deutlichen Gegenwind, der teilweise in Boykottbekundungen mündet. Schließlich löschte Frenck den Post.

Tommy Frenck - hier im Gespräch mit der Polizei in Themar

Die AfD wird am Sonntag auch von mehreren Tausend Rechtsextremen gewählt werden, Spitzenfunktionäre der Partei werben seit Wochen und Monaten mehr oder weniger offen um Stimmen aus dem Lager, das politisch noch weiter rechtsaußen steht als die AfD. Erst kürzlich forderte Spitzenkandidat Gauland, „stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“. Dass jedoch ein Neonazi, der seit Jahren vor allem in NPD-Kreisen verkehrt, öffentlich für die Wahl der AfD wirbt, passiert nicht alle Tage.

Kaputte Landesverbände

Er habe immer die NPD gewählt, leitet Frenck am Montag das Statement auf seiner Facebook-Seite ein. Bei der rechtsextremen Partei hätte es in den letzten Jahren allerdings „viele Trottel, V-Leute und Idioten“ gegeben, auch hätte die NPD in den Landtagen (Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern) nichts bewirkt. „Was wurde noch hinterlassen außer kaputten Landesverbänden“, fragt der Thüringer Aktivist, der im Sommer in Themar eines der größten Neonazi-Konzerte der letzten Jahre organisierte.

Die rechtsextremen Kleinstparteien, zu denen neben Die Rechte und Der Dritte Weg zunehmend – zumindest bezogen auf die Wahlergebnisse – auch die NPD zählt, könnten mit Ergebnissen im „0,nochwas“-Bereich nichts bewegen. Zwar gebe es etliche Punkte, die Frenck an der AfD nicht gefallen, dennoch könne sie „das politische Klima in unsere Richtung bewegen.“

Unter seinen eigenen Anhängern erntet der 30-Jährige für seine Positionierung viel Zustimmung, doch die Widerworte lassen nicht lange auf sich warten, vor allem NPD-Kader sparen nicht mit Kritik an dem Aufruf Frencks, der Hundertfach geteilt wurde.

„Schwucheltruppe“

Günter Deckert, der bis 1996 NPD-Bundesvorsitzender war und immer wieder durch Holocaustleugnung in die Schlagzeilen geraten ist, reagiert drastisch auf die Ankündigung Frencks. Er werde zukünftig nicht mehr nach Kloster Veßra oder Themar kommen und sagte zugleich einen für den 22. Oktober geplanten Termin bei Frenck ab. Die AfD nennt Deckert eine „Mogelpartei“.

Gleich mehrere NPD-Kader schalten sich in die Diskussion mit ein und versuchen, ihre Partei zu verteidigen. So schreibt Marina Djonovic, stellvertretende Vorsitzende der NPD-Frauenorganisation, bezugnehmend auf die AfD von „Israelfreunden“, Alexander Neidlein, Generalsekretär der „Nationaldemokraten“, bezeichnet die potentiellen AfD-Wähler abwertend als „Erfolgsfans“. Auch entspinnt sich eine kurze Diskussion zwischen Frenck und Stefan Köster, stellvertretender Bundeschef der NPD. Der 43-Jährige zeigt wenig Verständnis für den Wahlaufruf, die AfD nennt er eine „Schwucheltruppe“, in der es sogar „Quotenneger“ gäbe und „multikulturell-ausgerichtete Homosexuelle Spitzenkandidaten werden“. Ein weiterer Rechtsextremist gibt offen zu, dass die AfD vor allem dem Zweck diene, „eine Spaltung in der Gesellschaft herbeizuführen.“

Staatliche Mittel

Für die NPD geht es am kommenden Sonntag vor allem um das Überspringen der 0,5-Prozent-Hürde, die ihr weiterhin staatliche Mittel sichern würden. Zur letzten Bundestagswahl, bei der die AfD noch knapp am Einzug scheiterte, kam die NPD noch auf 1,3 Prozent der Stimmen. Ein Wert, der diesmal kaum erreicht werden dürfte. Wohl, um nicht weiter Öl ins Feuer zu gießen, löschte Frenck seinen Facebook-Post am Donnerstag ohne weiteren Kommentar dazu.

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