von Oliver Cruzcampo
   

Nationalistischer Flügel zu stark? AfD-Fraktion soll Spaltung bevorstehen

Einem Bericht des Nordkurier zufolge soll die AfD-Fraktion Mecklenburg-Vorpommern kurz vor einer Spaltung stehen. Aufgrund des starken völkisch-nationalistischen Flügels würden angeblich gleich fünf Abgeordnete die Fraktion verlassen.

Rund ein Jahr nach der Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern steht die Fraktion der AfD vor einer Spaltung, berichtet der Nordkurier am Samstagabend. Dieser will aus Parlamentskreisen erfahren haben, dass gleich fünf Abgeordnete vorhätten, die Fraktion zu verlassen. Genannt werden in dem Artikel Matthias Manthei, Parlamentarischer Geschäftsführer, Gunther Jess und Christel Weißig, einzige Frau unter den 17 AfD-Abgeordneten. Weitere Personen werden in dem Bericht nicht genannt.

Hintergrund der möglichen Austritte sei die Ausrichtung der Fraktion. Zwar wird der Noch-Fraktionsvorsitzende Leif-Erik Holm dem moderaten Flügel zugeordnet, allerdings kandidiert der bei Schwerin wohnhafte Politiker auf Platz 1 der Landesliste und wird somit zukünftig dem Bundestag angehören.

Gunter Jess hat auf seiner Facebook-Seite mittlerweile eine Stellungnahme bezüglich des Artikels veröffentlicht. Darin spricht der AfD-Politiker von einer "perfiden Falschmeldung".

Welcher Flügel gewinnt Oberhand?

Seit etlichen Wochen schwelt eine Diskussion darüber, wer auf Holm folgen wird, gleich drei mögliche Nachfolger hatten Ambitionen öffentlich gemacht: Matthias Manthei, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ralph Weber und Nikolaus Kramer. Da sich Manthei nun jedoch unter dem Personenkreis befinden soll, der die Fraktion verlassen will, deutet einiges darauf hin, dass der völkisch-nationalistische Flügel die Oberhand gewinnen könnte und somit auch die zukünftige Ausrichtung der Fraktion im Schweriner Landtag.

Mit Holger Arppe hat Ende August ein Vertreter dieses Flügels sowohl die AfD als auch die Fraktion verlassen – sein Mandat jedoch auch nach über drei Wochen nicht zurückgegeben. Der NDR und die taz hatten von Gewaltphantasien des Rostockers gegenüber dem politischen Gegner berichtet, die er in Facebook-Chats geäußert haben soll.

Von diesen umstrittenen Äußerungen sollen auch weitere AfD-Abgeordnete Kenntnis gehabt, sich allerdings nicht davon distanziert haben. Dazu zählen Thomas de Jesus Fernandes und Sandro Hersel, die wiederum dem völkisch-nationalistischen Flügel zugerechnet werden können. Ob die Veröffentlichung der Chat-Protokolle Auslöser waren für die Bestrebungen der AfD-Abgeordneten, die Fraktion zu verlassen, ist unklar. Möglicherweise haben sie das Fass zum Überlaufen gebracht.

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