von Oliver Cruzcampo
   

Nach Mvgida-Abgang: Die „besorgten Bürger“ melden sich zurück

Mvgida ist von der Bildfläche verschwunden, die Anti-Asyl-Hetze soll dennoch nicht abflachen. In Grevesmühlen gingen die „Bürgerproteste“ nun in eine neue Runde – und die NPD spielt erneut eine maßgebliche Rolle.

Immer wieder mussten Vergleiche mit „Zuständen wie in Westdeutschland“ herhalten, als Rednerin Mandy H., die dem rechtsextremen Kameradschaftsspektrum aus dem Raum Berlin zugerechnet wird, vor ähnlichen Verhältnissen auch in Grevesmühlen warnte. Allzu leicht hatten es die rund 70 Teilnehmer der Anti-Asyl-Demo am Montagabend nicht, ihre Ressentiments in konkrete „Gefahren“ umzumünzen. Kaum jemand kennt die genaue Anzahl der Asylbewerber der 10.000-Einwohner-Stadt in Nordwestmecklenburg, sie dürften jedoch um unteren zweistelligen Bereich angesiedelt sein.

Für die Facebook-Seite „Unser Grevesmühlen“ kein Problem, dennoch zu „Bürgerprotesten“ aufzurufen. Während Mvgida Forderungen häufig moderat formulierte, geht es laut der asylfeindlichen Gruppe gänzlich „gegen Asylunterkünfte und die Asylantenheime in ganz Nordwestmecklenburg“. Dass es in der Stadt weder ein Asylbewerberheim noch konkrete Planungen dazu gibt – unerheblich.


Mit Lederhandschuhen und vermummt: Zwei „Bürger“ sichern die rechte Demo ab

Als sich gegen 17.30 Uhr dann mehrere Dutzend vor allem junge Männer aus dem Umfeld des in Grevesmühlen ansässigen Thinghauses auf dem Marktplatz einfanden, wurde schnell deutlich, dass Anti-Asyl-Aktionen in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin maßgeblich von organisierten Rechtsextremen gelenkt und gesteuert werden. Der mittlerweile zu negativ besetzte Begriff Mvgida wurde schlicht durch „Bürgerproteste“ ausgetauscht – geändert hat sich indes wenig.

NPD-Kader Andreas Theißen hilft bei der Technik, NPD-Fraktionsmitarbeiter David Böttcher berät die wohl ohnehin nur für die offizielle Anmeldung in Erscheinung getretene Anja K., Torgai Klingebiel, Mitarbeiter des Landtagsabgeordneten Stefan Köster, sieht unablässig nach dem Rechten [sic]. Dazu gesellen sich etliche Personen aus dem rechten Spektrum, von denen viele bereits bei Mvgida-Demos gesichtet wurden: der mehrfach vorbestrafte Sven Krüger aus Jamel, der ehemalige JN-Landesvorsitzende Alf Börm und weitere JN-Funktionäre. Aber auch Jens Schneider, der für die AfD stellvertretendes Ausschuss-Mitglied in der Schweriner Stadtvertretung ist, schüttelte zahlreiche Hände.

Neonazi-Rap, dazu ein Pils

Inhaltlich wurde auf der knapp einstündigen Kundgebung indes wenig geboten. Neben der kurzen Rede hatte vor allem die rechtsextreme HipHop-Combo „A3stus“ zur Überbrückung der Zeit beigetragen. Die Organisatoren der asylfeindlichen Proteste sprachen später von einem „grandiosen musikalischen Beitrag“. Um den Klängen der Berliner Gruppe, die gerade erst eine Razzia über sich ergehen lassen musste, angemessener frönen zu können, wurden im Verlauf des Konzerts mehrere Bierkästen zur Verfügung gestellt.

Die Mvgida-NPD-„Bürgerproteste“ dürften vermutlich auch in den kommenden Wochen und Monaten zu Kundgebungen und Märschen aufrufen – um so gezielt Ressentiments gegenüber allem Fremden zu schüren. Aber auch die Gegenproteste verstetigen sich seitdem. Kurzfristig wurde eine Kundgebung unter dem Motto „Für ein buntes, vielfältiges und tolerantes Nordwestmecklenburg“ angemeldet, an der sich ebenfalls rund 70 Personen beteiligten.  

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