von Tim Schulz
   

Mitglieder der Freien Kameradschaft Dresden zu Haftstrafen verurteilt

In der sächsischen Hauptstadt wurden die Urteile für zwei Mitglieder der Freien Kameradschaft Dresden gesprochen. Die Neonazi-Gruppierung war in den vergangenen zwei Jahren unter anderem durch die Beteiligung an ausländerfeindlichen Ausschreitungen und verschiedenen Gewalttaten aufgefallen.

Foto: Screenshot

In den Fokus der Behörden rückte die Freie Kameradschaft Dresden im Juni 2015: Damals wurden Ermittlungen wegen des Verdachts auf die Bildung einer kriminellen Vereinigung angestoßen. Ende November 2016 schließlich folgte eine Reihe von Razzien, in der die Wohnungen von 17 Mitgliedern durchsucht wurden, sechs Angehörige der Gruppe wurden festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Ein Angeklagter ist Wiederholungstäter

Darunter auch die Angeklagten im aktuellen Prozess, Robert S. und Florian N.. Ihnen werden eine ganze Reihe an Straftaten vorgeworfen: Beide sollen mehrfach, zusammen mit anderen Mitgliedern der FKD, an Angriffen auf Asylbewerber und politische Gegner beteiligt gewesen sein.

Auf dem Dresdener Stadtfest beispielsweise, so die Anklage, machten sie als Teil der sogenannten Kleinen Bürgerwehr Jagd auf vermeintliche Flüchtlinge und verletzten mehrere Menschen. Ebenso sollen beide an Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte in Heidenau und Dresden beteiligt gewesen sein. S. wurde bereits vorher wegen einer Attacke auf eine Gruppe alternativer Jugendlicher zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Mit N. stand zudem der erste Beteiligte an den rechten Überfällen im Leipziger Stadtteil Connewitz am 11. Januar 2016 vor Gericht.

Die Mitstreiter in Freital

Am brisantesten sind jedoch die Verbindungen der Neonazis zu der unter Terrorverdacht stehenden „Gruppe Freital“. Laut einer Aussage von Patrick F., dem mutmaßlichen Anführer der Zelle, verkehrten S. und N. regelmäßig mit der Gruppe. Im Prozess um die Anschläge in Freital ist immer wieder die Rede von den „Dresdnern“, Mitgliedern der FKD. Konkret sollen sie an einem koordinierten Sprengstoffanschlag in Dresden gegen das linke Wohnprojekt „Mangelwirtschaft“ beteiligt gewesen sein. Im Vorfeld trafen sich die beiden Männer mit der Gruppe um F. in einem rechten Protestcamp in Dresden Übigau, um die Tat zu planen.

Vor Gericht gestanden die beiden Angeklagten die Beschuldigungen. Im Rahmen einer Vereinbarung zwischen Staatsanwaltschaft, Richter und Verteidigung wurde ihnen im Gegenzug Strafmilderung zugesichert. Trotzdem zeigten sich die beiden während der Anhörung unkooperativ; Der Vorsitzende Richter drohte zwischenzeitlich mit der Auflösung der Vereinbarung. Das Strafmaß wurde schließlich auf jeweils drei Jahre und acht Monate, für den 19-jährigen S. als Jugendstrafe, festgesetzt. Rechtskräftig sind die Urteile noch nicht.

Sein Ende hat der Fall der Freien Kameradschaft Dresden jedoch noch nicht gefunden: Der Prozess gegen sechs weitere Mitglieder der FKD ist für Mitte September angesetzt.

Update: 12.21 Uhr

An der offiziellen Darstellung der sächsischen Staatsregierung, nach der die Ermittlungen bereits im Juli 2015 begannen, gibt es berechtigte Zweifel. Eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Kerstin Köditz im Landtag zeigt, dass die FKD den Ermittlern erstmals im September 2015 bei der gemeinsamen Teilnahme an Pegida-Demonstrationen auffiel. Was genau die Behörden veranlasste bereits im Juli zu ermitteln, bleibt offen.

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