von Redaktion
   

Legida streicht die Segel

Das zweijährige Bestehen wollte Legida am Montagabend feiern, doch am Ende verkündete ein Sprecher, dass die Demo auch gleichzeitig eine der letzten gewesen sein soll. Viermal so viele Gegendemonstranten gingen in Leipzig auf die Straße.

Legida-Frontbanner zum letzten Mal? Foto: Tim Wagner

Die Hiobsbotschaft aus Sicht der Legida-Anhänger verkündete Arndt Hohnstädter aus dem Organisationsteam der rechten Demonstration. Man werde in Zukunft nicht mehr auf die Straße gehen, so Hohnstädter. Denn das Ziel, Hunderttausende Menschen auf die Straße zu bekommen, sei „leider gescheitert“. Auch ein Strukturaufbau über die Demos in Dresden und Chemnitz sei „nicht gelungen“.

Legida ging ohnehin nur noch einmal pro Monat auf die Straße, die allmontaglichen Aufzüge sind längst Geschichte. Und auch zum gestrigen Jahrestag kamen laut der Initiative „durchgezählt“ nur noch rund 340 bis 400 Anhänger zusammen. Die Ankündigung, dass die Hooligan-Band „Kategorie C“ aus Bremen spielen würde, lockte kaum zusätzliche Unterstützer auf die Straße. Als Legida Anfang 2015 erstmals auf die Straße ging, folgten dem Aufruf noch über 2.000 Sympathisanten, seitdem sind die Zahlen rückläufig.


Immer weniger Anhänger folgten den Legida-Demos, Foto: Tim Wagner

Die Leipziger Variante der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ war seit Langem weiter rechts zu verorten als das „Original“ aus Dresden. Immer wieder reihten sich Rechtsextremisten und Hooligans in die Demonstrationen ein, Gegner und Medienvertreter wurden regelmäßig angefeindet. Mit dem Neonazi-Kader Alexander Kurth war am Montag erneut ein prominentes Gesicht der Szene vertreten, auch Silvio Rösler, Gründer von Legida, war zugegen. Weitere Vertreter der rechtsextremen Szene nahmen ebenso an der Demonstration teil.

Aus linken Kreisen wurde massiv für den Montag mobilisiert, so dass am Ende ein Vielfaches der Teilnehmerzahlen von Legida unterwegs war. Die Versammlung von „A Monday without you“ war mit 700 mit 750 Teilnehmern die größte der insgesamt drei Veranstaltungen und schloss sich später mit „Leipzig nimmt Platz“ zusammen, die auf bis zu 630 Anhänger kam. „Willkommen in Leipzig“ folgten bis zu 250 Personen.

Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ warnt in einer Pressemitteilung vor überschwänglicher Freude angesichts der Verkündung von Legida, nicht mehr auf die Straße gehen zu wollen. Die deutliche Ausrichtung „auf neonazistische Strukturen“ hätte sich als „fatal“ für Legida erwiesen, doch „der Geist der `besorgten Bürger´“ existiere weiter. Menschenfeindliche Ideologien, die sich gegen jegliche demokratische Grundwerte richten, würden „nicht einfach mit dem Label `Legida´ verschwinden“, wird in der Veröffentlichung gewarnt.

Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen