von Redaktion
   

Landtagswahl in Brandenburg: Realitätsverlust der NPD-„Kameraden“

Die Bundes-NPD hat den Termin bereits abgehakt. Die Landtagswahl am 14. September in Brandenburg war der Berliner Parteispitze nur wenige Zeilen wert. Dabei haben sich die „Kameraden“ in der Mark ehrgeizige, man möchte fast sagen größenwahnsinnige Ziele gesetzt. Gleich sechs Mandate sollen her. Dafür stellten sie gestern ihre Landesliste auf.

Spitzenkandidat Klaus Beier zusammen mit Udo Pastörs auf dem NPD-Pressefest 2012

Nicht einmal 13 Zeilen. Mehr Platz räumt die März-Ausgabe des NPD-Parteiblattes Deutsche Stimme (DS) der brandenburgischen Landtagswahl am 14. September nicht ein. Klaus Beier, Chef der dortigen Gliederung, nutz den kurzen Artikel vor allem zu einem Zweck: Spenden einzutreiben. „Drei Wahlen – die Europawahl steht auch noch auf der Agenda – innerhalb eines Jahres bedeuten einen enormen finanziellen Kraftakt, der ohne Spenden nicht zu stemmen ist“. Doch nicht nur die Kassen des Landesverbandes, sondern auch die der Bundes-NPD sind leer. Derzeit fließen keine Steuergelder an die NPD. Die Abschlagszahlungen werden mit Strafzahlungen verrechnet, die aus einem falschen Rechenschaftsbericht resultieren. Gut 1,3 Millionen Euro fordert die für die Prämienfinanzierung zuständige Bundestagsverwaltung deshalb von Udo Pastörs, Udo Voigt & Co..

Sachsen und Thüringen gehen vor

Ihre knappen Mittel möchten die Parteistrategen lieber in die Landtagswahlen in Sachsen am 31. August und Thüringen, wo die Wählerinnen und Wähler ebenfalls am 14. September zu den Urnen gerufen werden, stecken. Dort rechnen sie sich bessere Chancen aus, obwohl die Umfragen zuletzt katastrophal ausfielen. Kaum mehr als ein Prozent der Wahlberechtigten gab an, die NPD auf ihren Stimmzettel ankreuzen zu wollen. Außerdem weisen die Thüringer Planungen des Spitzenkandidaten Patrick Wieschke, einem vorbestraften Hetzer, eine Deckungslücke von 90.000 Euro auf. Dessen ungeachtet genießt die Wahl in Brandenburg eine nachgeordnete Bedeutung. Abzulesen sind die Prioritäten nicht nur an der Artikelgröße in der DS, sondern auch an der Berichterstattung auf den Webseiten der NPD und in den Sozialen Medien. Während die Thüringer „Kameraden“ schon Tage vorher für ihren Parteitag trommelten, ja sogar die Presse einluden, trafen sich die Brandenburger NPD-Anhänger gestern nahezu unter Ausschluss des öffentlichen Interesses.

Realitätsverlust der „Kameraden“

Die widrigen Umstände sind für Landeschef Klaus Beier kein Hindernis, Luftschlösser zu bauen. Gleich sechs Gesinnungsgenossen möchte der frühere NPD-Bundespressesprecher in den neugebauten Landtag von Potsdam entsenden. Nach seinen Vorstellungen sollen mindestens fünf Prozent am 14. September herausspringen – nicht nur eine ehrgeizig, sondern vielmehr eine größenwahnsinnige Zielsetzung. 2009 kam die NPD – ebenfalls unter der Regentschaft von Beier – auf 2,7 Prozent. Damals trat mit der DVU eine direkte Konkurrenzpartei an, die 1,1 Prozent erhielt. Bei der Bundestagswahl im letzten September entschieden sich 2,6 Prozent der zur Wahl gegangenen Menschen für die NPD. Umfragen sehen die Rechtsextremisten derzeit noch unter diesem Wert, nämlich bei zwei Prozent.

Landeschef Beier wieder Spitzenkandidat - trotz überschaubarer Bilanz

Auch 2014 führt der weithin erfolglose Beier die NPD in den Landtagswahlkampf. Die anwesenden Parteianhänger wählten den 47-Jährigen auf ihrem Parteitag unter dem Motto „Unsere Mark – unsere Heimat“ am vergangenen Wochenende zu ihrem Listenführer. Ihm folgt der 20 Jahre jüngere Ronny Zasowk. Der Politikwissenschaftler sitzt im NPD-Bundesvorstand und ist dort als Bildungsbeauftragter für die Schulung der Anhänger zuständig. Platz drei ging an den Landespressesprecher, den Chef der NPD Schöneiche, Florian Stein. Mit einer eigenen Webseite wartet Manuela Kokott auf, die auf Platz vier kandidiert. Allerdings fließen auf der Seite der Landesschatzmeisterin nur die Inhalte der Landes-NPD und ihres Kreisverbandes ein. Sie sitzt gemeinsam mit Beier im Kreistag Oder-Spree. Mit Aileen Rokohl, Vorsitzende des Kreisverbandes Barnim-Uckermark, werden die ersten fünf Listenplätze angerundet.

Plätze sechs bis 15:

Benjamin Mertsch
Stella Hähnel
Detlef Appel
Frank Knuffke
Lore Lierse
Burkhard Sahner
Bärbel Redlhammer-Raback
Falk Haffner
Thomas Gürtler
Peter Börs

 

Soll den Karren aus dem Dreck ziehen: Berlins gefährlichster Neonazi Sebastian Schmidtke

Zum Wahlkampfleiter machte die Brandenburger NPD eigenen Angaben zufolge den Berliner NPD-Chef Sebastian Schmidtke. Die nötige Zeit bringt der umtriebige Aktivist, den der Boulevard einst zum „gefährlichsten Nazi“ der Hauptstadt erklärte, wohl mit: Sein Szeneladen im Kiez Schöneweide steht vor dem Aus.

Kommentare(4)

Sonja Montag, 24.März 2014, 17:12 Uhr:
Brandenburg ist wirklich sehr schwieriges Gebiet für die NPD.
Als Wahlkampfleiter Herrn Sebastian Schmidtke einzusetzen, ist aber auf
jeden Fall eine gute Lösung.
Wenn im Artikel von größenwahnsinnigen Zielen die Rede ist, kann ich
dazu nur sagen, es gibt dieses Jahr einen allgemeinen Rechtsruck.
 
Jupp Dienstag, 25.März 2014, 10:18 Uhr:
Rechtsruck schön und gut, aber was genau hat die NPD damit zu tun bzw. davon?
 
JayBee Mittwoch, 26.März 2014, 19:32 Uhr:
Von diesem Rechtsruck faseln die Nazis ja nun schon seit Jahrn jedes Jahr aufs Neue...
 
Zopfhoerer Donnerstag, 27.März 2014, 19:17 Uhr:
Vielleicht gibt es ja auch einen Linksruck ?? Wäre amüsante Ironie des Schicksals ... ^^
 

Die Diskussion wurde geschlossen