Sonntag, 04. März 2012

Nach der „Randale von Ratzeburg“: Mordlüsterne Schmierfinken gefasst

In der Silvesternacht lieferten sich einige Neonazis in Ratzeburg eine Auseinandersetzung mit der Polizei. Knapp zwei Wochen später beschmierten Unbekannte einige Gebäude der Stadt in Schleswig-Holstein mit volksverhetzenden Parolen und Morddrohungen. Gestern wurden zwei Verdächtige dingfest gemacht.

In der Silvesternacht feiern die Bürger von Ratzeburg normalerweise friedlich in der Stadtmitte der schleswig-holsteinischen Stadt ins neue Jahr. Dieses Mal störte jedoch eine Gruppe von 10 bis 15 Personen, die der rechtsextremistischen Szene zugeordnet werden konnten und die teilweise bereits polizeilich bekannt waren, das friedliche Zusammensein mit lauten „Sieg Heil“-Rufen. 

Die herbeigerufene Polizei wurde von dem randalierenden Mob angegriffen, wobei einer von ihnen von seinen Kollegen getrennt wurde. Nur das beherzte Eingreifen weiterer Polizeikräfte konnte verhindern, dass ein 35-jähriger Beamter schwerer verletzt wurde. In der Auseinandersetzung setzten die Polizisten Pfefferspray ein, eine Scheibe ihres Streifenwagens wurde durch einen Flaschenwurf zerstört. 

Knapp zwei Wochen nach der Randale besprühten Unbekannte einige öffentliche Gebäude und Privathäuser mit volksverhetzenden Parolen. Dabei sollte es nicht bleiben: Einige Bürger, darunter auch der Bürgermeister, wurden mit dem Tode bedroht.

Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass die Täter offenbar Verbindungen zu einem Wohnhaus in der Innenstadt unterhielten, das als Treffpunkt der rechtsextremistischen Szene bekannt ist. Bei der anschließenden Durchsuchung sicherte die Polizei erste Hinweise.

Bei einer weiteren Durchsuchung fanden die Beamten gestern erdrückendes Beweismaterial gegen zwei Neonazis, von denen der jüngere bereits wegen „Volksverhetzung“ vorbestraft ist, berichten die Lübecker Nachrichten. Der 21-Jährige sei nach den Erkenntnissen der Polizei auch für eine rechtsextremistische Internetseite verantwortlich.

Neben selbstgefertigten Sprühschablonen, Flyern und Aufklebern beschlagnahmten die Ermittler die Computer und Handys der beiden Neonazis. Spezialisten werden diese jetzt auswerten. Dem Duo werden Volksverhetzung und Sachbeschädigung vorgeworfen.

Die verbalen Angriffe richteten sich gezielt gegen ein Ratzeburger Bürgerbündnis, das sich seit Jahren den Rechtsextremisten vor Ort in den Weg stellt. Die neuerlichen Hasstiraden hatten eine breite Welle der Solidarität mit den Neonazi-Gegnern ausgelöst.

Neben Bürgermeister Rainer Voß war auch die Pröbstin von Ratzeburg, Frauke Eiben, Opfer der Sprühattacken geworden. Sie zeigte sich erleichtert, dass die mutmaßlichen Urheber der Parolen nun dingfest gemacht werden konnten. „Es ist ein wichtiger Schritt und ein wichtiges Signal, dass die Arbeit der Polizei zu einem Ergebnis gekommen ist“, sagte sie den Lübecker Nachrichten.