Montag, 29. Februar 2016

Nach Zerstörung von Konzert-Plakaten: Haus von Storch-Heinar-Unterstützer in Güstrow angegriffen

Die zerfetzten Reste der Bandcontest-Plakate waren gerade beseitigt, schon gibt es die nächste Attacke auf einen Storch-Heinar-Aktivisten in Güstrow. In der Nacht auf Montag sprengten Unbekannte dessen privaten Briefkasten und schmierten in großen Lettern „Volksverräter“ an die Hauswand. Offensichtlich versetzt der Auftakt eines landesweiten Bandcontestes gegen Rechts die örtliche Szene in Aufruhr. Die Macher sagen: „Jetzt erst Recht!“

Neuerliche Attacken in Güstrow: Briefkasten gesprengt, Fassaden beschmiert. Hier die Fassade der "Villa Kunterbündnis".

Vorfälle, die in Güstrow mittlerweile leider an der Tagesordnung sind. Engagierte Bürgerinnen und Bürger geraten immer wieder in den Fokus der rechtsextremen Szene und werden bedroht, belästig und angegriffen. Nachdem sich die systematische Einschüchterung lange auf die Linkenpolitikerin Karen Larisch und ihre „Villa Kunterbündnis“ konzentrierten, geht es diesmal auch gegen den SPD-Stadtrat und -Landtagskandidaten Philipp da Cunha.

Gezielte Aktionen gegen Demokratie-Initiativen

Da Cunha ist Mitorganisator des „Storch Heinar“-Bandcontestes gegen den Wiedereinzug der NPD in den Landtag, dessen erste Runde am 5. März im Güstrower Studentenclub StuK stattfindet. Vergangenen Mittwoch hatte er mit Mitstreitern Dutzende Veranstaltungs-Plakate in der Stadt verteilt. Deren Halbwertzeit war allerdings kurz: Schon am nächsten Morgen lagen nahezu alle Exponate zerfetzt am Boden. Mutmaßlich politische Gegner der Musikveranstaltung hatten sich systematisch ans Werk gemacht.

In einem großen Zeitungsartikel in der SVZ zeigte sich da Cunha daraufhin kämpferisch: Man werde sich von solchen gezielten Aktionen gegen Demokratie-Initiativen nicht abschrecken lassen. Jetzt erst Recht, so die Grundaussage. Alle friedliebenden Menschen der Region seien eingeladen, ein Zeichen gegen rechte Gewalt zu setzen. Auf dem Artikel-Foto sieht man den Güstrower, wie er beherzt eine neue Storchen-Pappe an einer Laterne befestigt.


Storch Heinar wirbt für seinen „Kapellen-Wettstreit" – Die rechte Szene beißt auf blanken Haken

So viel Entschlossenheit rief in der Nacht von Sonntag zu Montag erneut rechte Angreifer auf den Plan. Am Privathaus von da Cunha wurde dessen Briefkasten gesprengt, zudem in schwarzen Lettern „Volksverräter" an die Hauswand gesprüht. Gleichzeitig kam es zu einer erneuten Aktion an der „Villa Kunterbündnis“, wo ebenfalls der Schriftzug „Volksverräter" angebracht wurde. Polizei und Staatsschutz ermitteln.

„Sie wollen uns mundtot machen“  

Zwei neuerliche Ereignisse, die zeigen, dass die Bedrohung von Engagierten in zahlreichen Städten an der Tagesordnung ist. In Güstrow gepaart mit Angriffen auf Flüchtlinge und sogar einer selbsternannten Neonazi-„Bürgerwehr“. In den Dokumenten für das NPD-Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht sind Vorfälle aus der Barlachstadt im Landkreis Rostock gleich mehrfach aufgelistet. Immer wieder fällt dabei auch der Name des vorbestraften NPD-Kaders Nils Matischent. Dieser hatte beispielsweise maskiert an einer Störung einer Demonstration für Flüchtlingsrechte teilgenommen und Teleskopschlagstöcke und Elektroschocker gehortet. Auch durch die Gründung einer Neonazi-Bürgerwehr und den Angriff auf das örtliche Asylbewerberheim war Güstrow jüngst aufgefallen.

Ebenfalls prominent in den NPD-Verbotsakten vertreten ist Karen Larisch, Güstrower Stadtvertreterin und Mitglied des Kreistages. Sie wird über Monate von örtlichen Neonazis bedroht, beleidigt und angegriffen, weil sie in der Stadt lebende Geflüchtete unterstützt. Karen Larisch hält den Anfeindungen aus Überzeugung stand und wurde hierfür zwischenzeitlich mehrfach ausgezeichnet. Die permanenten Anfeindungen sollen ein „Klima der Angst“ erzeugen, so die engagierte Güstrowerin: „Die wollen uns mundtot machen.“