Montag, 07. März 2016

„Unliebsame Ausländer vertreiben“ - Haftstrafe nach Brandanschlag auf Asylunterkunft

Vor rund anderthalb Jahren warfen zwei Männer Molotowcocktails auf eine Asylunterkunft in der Nähe von Rostock. Heute wurden die Angeklagten wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von jeweils fünf Jahren verurteilt. Das Gericht attestierte ihnen eine ausländerfeindliche Gesinnung.

Die beiden Männer auf einer NPD-Demonstration in Rostock

Das Landgericht Rostock verurteilte heute Thomas H. und Florian H. wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung zu Freiheitsstrafen von jeweils fünf Jahren. Die beiden Männer hatten im Oktober 2014 zwei Bierflaschen zu Molotowcocktails umgebaut und auf eine Asylbewerberunterkunft in Groß Lüsewitz geworfen. Verletzt wurde bei dem Übergriff niemand.

Die beiden 25 und 26 Jahren alten Männer hätten sich während einer Geburtstagsfeier zu der Tat entschlossen. Gegen Mitternacht seien sie zur Tankstelle gefahren, hätten einen Benzinkanister befüllt, um anschließend zwei Bierflaschen zu Molotowcocktails umzubauen. Diese hätten sie dann auf das gerade in der Renovierung befindliche Gebäude geworfen; anschließend seien sie nach Rostock in eine Diskothek gefahren.


Das Gebäude nach dem Brandanschlag, Foto: LOBBI

Laut Gericht hätten die beiden Männer, die am 1. Mai 2014 bereits an einer NPD-Demonstration in Rostock teilgenommen hatten, das Ziel verfolgt, die „unliebsamen Ausländer aus Groß Lüsewitz zu vertreiben“. Sie hätten weiterhin ein Zeichen gegen die Asylpolitik setzen wollen, erklärte das Gericht. Auch von einer „ausländerfeindlichen und rassistischen Gesinnung“ war die Rede.

Strafmildernd hätten sich die umfangreichen Geständnisse ausgewirkt, diese seien laut dem Vorsitzenden Richter von hoher Authentizität geprägt gewesen. Zudem hätten sie sich bei Bewohnern des Hauses, die zum Teil als Nebenkläger auftraten, entschuldigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.