Mittwoch, 16. Dezember 2015

Polizei ermittelt zwei Tatverdächtige nach Angriff auf Flüchtlingswohnheim in Güstrow

Wenige Tage nach dem Anschlag auf ein Güstrower Asylbewerberwohnheim hat die Polizei zwei Verdächtigte dingfest gemacht. Der 16-Jährigen und ihrem 19-jährigen Mittäter wird ein Angriff mit Steinen auf das Gebäude zur Last gelegt. In Laufe der Ermittlungen habe sich laut Polizei der Verdacht einer politischen Motivation erhärtet.

Zerstörte Fensterscheibe (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

In diesem Jahr verzeichneten die Behörden alleine bis Mitte November mehr als 1.600 überwiegend rechtsmotivierte Delikte im Zusammenhang mit der Unterbringung von Flüchtlingen, schreibt Spiegel Online. Die Politisch motivierte Kriminalität umfasse laut der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion sogar 1.717 Taten, bei denen es 105 Verletzte gegeben habe (pdf-Datei). Die direkten Angriffe auf Flüchtlingswohnheime seien bis zum 7. Dezember auf 817 gestiegen. Die Fallzahl ist damit bereits jetzt vier Mal so hoch wie im Vorjahr.

Am 12. Dezember mussten die Statistiker des Bundeskriminalamtes (BKA) einen weiteren Übergriff in Güstrow hinzufügen. Wie die Polizei mitteilte, hätten vier Jugendliche Steine auf die Gemeinschaftsunterkunft im Waldweg geworfen. Dabei seien zwei Scheiben zu Bruch gegangen, Verletzte gab es nicht. Die Angreifer seien bei der Tat durch Videokameras gefilmt worden. „Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen und wertet die Aufnahmen aus“, sagte ein Sprecher.

Auf die Spur von zwei Tatverdächtigen führten allerdings Zeugenaussagen. Jedenfalls ermittelten die Beamten eine 16-jährige und einen 19-jährigen Verdächtigen, die zunächst erfolglos versucht haben sollen, die Videoanlage mit einem Fußball lahmzulegen, um anschließend Steine auf das Haus zu werfen. Anschließend entfernten sich die beiden Jugendlichen vom Tatort.

Politisches Motiv

Die Vernehmung der mutmaßlichen Täter durch die Rostocker Kriminalpolizei förderte – kaum überraschend – ein politisches Motiv zu Tage. Der Verdacht, „dass beide Beschuldigte die Tat beginnen, um ihrer politischen Gesinnung Ausdruck zu verleihen“, habe sich mittlerweile erhärtet, sagte ein Sprecher.

Die militante Güstrower Neonazi-Szene machte in den vergangenen Wochen und Monaten bereits mehrere Male Schlagzeilen. Bei einer Demonstration am 21. März registrierten die Behörden sogar einen Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz. Außerdem patrouillierte eine selbsternannte braune „Bürgerwehr“ durch die 28.500 Einwohner zählende Stadt.