Mittwoch, 06. Januar 2016

Kommunalpolitiker der Linken bei Messerangriff in Wismar verletzt

Bislang unbekannte Täter überfielen am Montag in Wismar einen Schweriner Kommunalpolitiker der Linken. Nach Parteiangaben sei der junge Mann durch Messerstiche verletzt worden. Die Umstände der Tat ließen möglicherweise auf eine politische Motivation der Angreifer schließen. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Wieder eine Gewalttat in Mecklenburg-Vorpommern (Foto: unwiederbringlichbegangenes)

Die Tat ereignete sich am Montag. Wie der Schweriner Kreisverband der Linken in einer Pressemitteilung öffentlich machte, sei ihr Vorstandsmitglied Julian Kintzel in Wismar Opfer einer Messerattacke geworden. Die drei unbekannten Täter hätten den Sprecher des Parteinachwuchses „solid“ nicht nur niedergeschlagen, sondern auch mit einem Messer angegriffen. Die behandelten Ärzte hätten, so die Linke weiter, 17 Messerstiche gezählt. Kintzel sei außerdem als „schwule Kommunistensau“ beschimpft worden. Dies und die Kleidung eines der Täters, der nach diesen Angaben die bei Neonazis beliebte Modemarke Thor Steinar getragen habe, „näherten den Verdacht, dass es sich um eine rechtsextremistisch motivierte Straftat handelt“, sagte der Kreisvorsitzende Peter Brill.

Auswirkungen auf ihr Engagement habe der Angriff aber nicht: „Wir verurteilen diese Tat auf das Schärfste und erklären erneut, dass die Linke in ihrem Kampf gegen rechtsextremes Gedankengut nicht nachlassen wird“, hieß es vor der Partei. Brill forderte außerdem schnelle Ermittlungserfolge. Der Staatsschutz müsse die Ermittlungen „schnell vorantreiben“, um die Täter zur Verantwortung ziehen zu können.

Staatsschutz eingeschaltet

Tatsächlich ist der Staatsschutz mittlerweile eingeschaltet worden, bestätigte eine Polizeisprecherin ENDSTATION RECHTS., da eine politische Motivation des mutmaßlichen Täter-Trios „denkbar“ sei. Eine Online-Anzeige des Geschädigten sei am Dienstag eingegangen. Nun suche die Polizei Zeugen, außerdem würden die Schweriner Kollegen Kinzel zu der Tat befragen. Aufgrund des zeitlichen Abstandes sei die Ermittlungsarbeit nicht einfach: Sofortmaßnahmen, um die Täter noch am Tattag dingfest machen zu können, hätten nicht eingeleitet werden können.

Brill sprach gegenüber dem Tagesspiegel von Stich- und Schnittverletzungen, hauptsächlich am Arm und in der Brust, die am Montag und Dienstag im Krankenhaus ambulant behandelt worden seien. Der 18-Jährige sei alleine in der Nähe des Wismarer Bahnhofes unterwegs gewesen. Kintzel selbst sprach auf Facebook von einem unvermittelten Angriff. Zuerst habe ihm ein Gewalttäter in den Magen geschlagen, ein zweiter habe zugestochen, nachdem er zusammengesackt sei. Einen Großteil der Stiche habe er abwehren können; Fleischwunden und leichte Prellungen seien aber die Folge gewesen. Weiter vermutet der Linken-Kommunalpolitiker, dass diese Gegenwehr und das Erscheinen von Passanten die Angreifer zur Flucht bewogen hätten. 

Jüngst waren Rassisten mit mehreren Demonstrationen durch die Hansestadt gezogen; die Polizei musste einige Male tätig werden. Im Nachgang eines Aufmarsches Anfang September hatte beispielsweise eine Gruppe von Neonazis Flüchtlinge attackiert. Von einem weiteren Überfall auf Asylbewerber, sogar mit Baseballschlägern, berichtete die Polizei Anfang November.

Kintzel warnt vor Radikaliserung

Der mittlerweile wieder aus dem Krankenhaus entlassene Kintzel warnte derweil vor einer Radikalisierung der politischen Auseinandersetzung: „Unsere Antwort auf Hass muss Liebe, auf Dummheit Vernunft und auf Gewalt Solidarität sein. Somit ist Hass hier fehl am Platz. Lasst uns dieses Ereignis zum Anlass nehmen, solchen Ideologien durch mehr Menschlichkeit vorzubeugen. Nach meiner hoffentlich baldigen Gesundung werde ich dabei verstärkt mitwirken.“