Mittwoch, 08. Januar 2014

Innenminister Caffier verbietet Rockerclub mit Wurzeln im Neonazi-Milieu

Der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, hat heute morgen den Rockerverein „Schwarze Schar MC Wismar“ verboten. Die von der Gruppierung verfolgten Zwecke und Tätigkeiten stünden im Widerspruch zu den Strafgesetzen. Die Führungsfiguren der Outlawrocker sind seit vielen Jahren in der Hansestadt aktiv – früher jedoch als bekennende Neonazis.

Schwarze Schar (Screenshot)

Der Präsident des Wismarer Rockerclubs „Schwarze Schar“, Philip Schlaffer, und sein Vize, Sebastian Kairies, sind in der Hansestadt wohl bekannt. Bevor die beiden und ihre knapp zwei Dutzend Anhänger als Motorrad-Gang für Aufsehen sorgten, verbreiteten sie als Aktivisten der Neonazi-Kameradschaft „Werwolf“ Angst und Schrecken. Exemplarisch wurde dies 2006 auf einem Video festgehalten, in dem laut NDR heutige Mitglieder des umstrittenen Vereins Neonazi-Gegner mit Knüppeln und Baseballschlägern bedrohen, die vor dem mittlerweile geschlossenen Szenetreffpunkt „Werwolfshop“ an einer Demonstration teilnahmen. Die wenigen Polizisten vor Ort konnten den tobenden braunen Mob nur mit entsicherten Dienstwaffen im Zaum halten.

Heute morgen, rund einen Monat nach einer großangelegten Razzia gegen den Club, bei der eine Person festgenommen worden war, hat der Minister für Inneres und Sport, Lorenz Caffier (CDU), die „Schwarze Schar“ und die zu diesem Verein gehörende Teilorganisation „Schwarze Jäger MC Wismar“ verboten und aufgelöst. Zugleich haben die Behörden das Vereinsheim „Zum Schwarzen Herzog“ im Gewerbegebiet der Gemeinde Gägelow beschlagnahmt. Entsprechende Bescheide wurden den 25 Rockern zugestellt.

Außerdem ist es verboten, Ersatzorganisationen zu bilden und die Kennzeichen des Vereins zu verwenden. Nach Überzeugung des Innenministeriums stehen die vom Verein verfolgten Zwecke und seine Tätigkeiten im Widerspruch zu Strafgesetzen. „Ich achte das Grundrecht, Vereine und Gesellschaften zu bilden. Die Grenze ist aber überschritten, wenn der Verein Straftaten verübt. Hier muss sich der Staat schützend vor seine Bürgerinnen und Bürger stellen und deutlich machen: Null Toleranz gegenüber Gewaltkriminalität“, begründete Caffier das Vorgehen.

Die seit Ende 2008 bestehende Vereinigung war von Experten als gewaltbereit eingeschätzt worden. Zahlreiche Opfer, zum Teil mit erheblichen Verletzungen, seien zu beklagen gewesen, teilte das Haus von Caffier weiter mit. Im letzten Juni soll ein Kuttenträger der „Schwarzen Schar“ nach einem Streit einen Mann niedergestochen haben. Der damals 25-Jährige sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft; die Staatsanwaltschaft wirft ihm „versuchten Mord“ vor.

Schlaffer hatte erst im September des letzten Jahres im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gestanden. Damals war vor dem Schweriner Amtsgericht ein bizarrer Streit ausgetragen worden. Der bullige Rocker, der nach NDR-Informationen mehrere Prostituiertenwohnungen betreiben soll, hatte sich von der Wismarer Kommunalpolitikerin Ines Raum 90.000 Euro geliehen, um das heute beschlagnahmte Clubhaus zu kaufen. Zurückgezahlt habe er nach der Darstellung der CDU-Pressesprecherin, die auch im Vorstand der Wismarer Wirtschaftsgemeinschaft sitzt, nur rund ein Viertel der Summe. Eingefädelt habe den Deal der damalige Geliebte der Unternehmerin. Diesen, den besten Freund des Chef-Rockers, habe sie nach seiner Haftentlassung 2010 kennengelernt. Wie der Disput indes ausging, ist nicht bekannt. Die beiden Parteien einigten sich hinter verschlossenen Türen.