Mittwoch, 02. November 2016

Greifswald: Reichsbürger attackieren Polizei mit Pfefferspray

In Greifswald lieferten sich am Dienstag Anhänger der Reichsbürger-Bewegung und Polizisten eine spektakuläre Auseinandersetzung. Was mit einer simplen Ordnungswidrigkeit begann, mündete in mehreren Reizgas-Attacken und versuchter Gefangenenbefreiung. Auch Drogen waren im Spiel.

In einer außergewöhnlich ausführlich gehaltenen Pressemitteilung weist die Polizei auf einen Vorfall vom Dienstagnachmittag in Greifswald hin. Der Einsatz von zwei Polizisten begann mit einer gewöhnlichen Kontrolle angesichts einer Verkehrsordnungswidrigkeit. So seien drei Personen in einem Auto angehalten und die Personalien des Fahrers überprüft worden.

Gegen den Mann läge allerdings ein Haftbefehl des Amtsgerichts Greifswald vor, zudem sei dieser dem Staatsschutz als Reichsbürger bekannt. Als die Polizisten den Mann über den Haftbefehl informierten, hätte dieser die Flucht ergriffen. Ein Beamter hätte Reizgas einsetzen müssen, um den Reichsbürger zu stoppen, da dieser „aktiven Widerstand“ geleistet hätte.

Daraufhin hätte sein 34-jähriger Bruder – unter Anwendung von Gewalt – versucht, ihn zu befreien. Der zweite Polizeibeamte hätte dies, ebenfalls durch den Einsatz von Reizgas, jedoch verhindern können.

Weiterer Haftbefehl und Drogenfund

Das wollte wiederum die Mutter der beiden Männer so nicht hinnehmen. Die 64-Jährige holte Reizgas aus dem abgestellten Auto und sprühte dies auf den Beamten, der ihren jüngeren Sohn fixieren wollte. Der 29-Jährige konnte sich daraufhin befreien, nahm seiner Mutter das Reizgas ab und richtete es erneut auf den Polizisten. Anschließend ergriff er die Flucht. Der Reichsbürger konnte bislang nicht ausfindig gemacht werden.

Nachdem Verstärkung für die beiden Polizisten eingetroffen war, konnten diese ärztlich versorgt werden. Zudem kamen weitere Details ans Tageslicht: Auch gegen die Mutter bestand ein Haftbefehl, zur Vollstreckung einer Ersatzfreiheitsstrafe. Wie viele Anhänger der rechtsextremen Bewegung weigerte sich die 64-Jährige offenbar, eine Geldstrafe zu zahlen. Am Abend hätte sie diese dann jedoch beglichen und wurde auf freien Fuß gesetzt. Bei ihrem älteren Sohn seien zudem diverse Drogen gefunden worden.

Auf alle drei Personen kommen nun Anzeigen wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung zu. Die Polizei prüfe derweil, ob auch gegen den älteren der beiden Brüder und die Mutter eine „Zugehörigkeit zu den sogenannten Reichsbürgern“ vorliege.