Sonntag, 15. November 2015

Feuer zerstört Flüchtlingsunterkunft auf Usedom

Es ist nur rund vier Wochen her, da verübten Unbekannte auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Trassenheide auf Usedom einen Brandanschlag. In der letzten Nacht ist das Gebäude nun vollständig ausgebrannt. Die Ursache des Feuers ist bislang noch nicht bekannt. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Tatort in Hamburg (Foto: GregorHH, Archiv)

Am kommenden Donnerstag, den 19. November, sollten 15 Flüchtlinge in die neu hergerichteten vier Wohnungen eines Gebäudes einer ehemaligen Metallbaufirma in Trassenheide auf Usedom einziehen. Diese Pläne haben sich in der letzten Nacht zerschlagen. Wie die Polizei Neubrandenburg heute Morgen mitteilte, sei das zweigeschossige ehemalige Verwaltungsgebäude in der Nacht ausgebrannt. Das Haus ist nicht mehr bewohnbar.

Die Rettungsleitstelle des Landkreises informierte kurz nach 3.00 Uhr die zuständige Polizeiinspektion. Zur Ursache des Brandes und zur Schadenshöhe können die Ermittler zu diesem Zeitpunkt noch keine Informationen machen. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Der Einsatz eines Brandursachenermittlers sei vorgesehen, hieß es weiter. Zur Brandbekämpfung waren die Freiwilligen Feuerwehren aus Trassenheide, Karlshagen, Zinnowitz, Bannemin und Peenemünde mit insgesamt 48 Angehörigen im Einsatz.

Rassistische Demonstrationen

Erst am 11. Oktober hatten unbekannte Täter zwei Molotow-Cocktails gegen die Hauswand des mittlerweile seit zehn Jahren leerstehenden Firmengeländes geworfen. Es entstand geringer Sachschaden. Damals war noch nicht einmal ein Mietvertrag für das zukünftige Wohnheim unterzeichnet, sagte Bürgermeister Horst Freese der Ostsee-Zeitung. An den Plänen hielt Freese trotz des Anschlages fest. Auch in diesem Fall ermittelt die Kriminalpolizei.

Auf Usedom macht derzeit die rassistische Initiative „Wir sind Usedom“ Stimmung gegen Geflüchtete. Dazu nutzt sie Facebook, aber auch die Straße mit Demonstrationen. Erst am 12. November gab es in Trassenheide eine „Mahnwache“ vor einer Informationsveranstaltung der Gemeinde zu den ankommenden Asylbewerbern. Daran nahmen laut Veranstalter zwischen 40 und 50 Personen teil. Auf Fotos zu sehen war u. a. auch ein Transparent, das der NPD-Landtagsabgeordnete David Petereit bei der AfD-Demonstration in Rostock getragen hatte.  

UPDATE, 16. November 2015, 9.00 Uhr:

Die Ermittler gehen mittlerweile von einer vorsätzlichen schweren Brandstiftung aus, da sich nach ersten Erkenntnissen der oder die unbekannten Täter Zugang zu der geplanten Unterkunft verschafft hätten. Das Feuer sei vermutlich mit einem noch unbekannten Brandbeschleuniger im Dachgeschoss entzündet worden, heißt es in einer neuen Pressemitteilung der Polizei. Der Sachschaden belaufe sich auf rund 100.000 Euro. Derzeit prüfe der polizeiliche Staatsschutz, ob ein politisches Motiv für die Tat in Betracht komme.