Dienstag, 08. November 2016

Chemnitz: Sprengstoffanschlag auf alternativen Klub

Nicht nur, weil in dem Lokal auch eine Aufführung im Rahmen des Theaterprojektes „Unentdeckte Nachbarn“ stattfand, welches sich der NSU-Mordserie widmet, vermuten die Geschädigten eine politisch motivierte Tat.

Foto des Klubs nach dem Anschlag, Foto: Lokomov

Wie das Lokomov auf seiner Facebook-Seite meldet, sei in der Nacht von Montag auf Dienstag gegen 2 Uhr ein Sprengstoffanschlag auf den Klub verübt worden. Nach Informationen der Polizei wurde Pyrotechnik verwendet; eine Schaufensterscheibe ging zu Bruch. Eine zum Tatzeitpunkt im Gebäude befindliche Person berichtete von einem grellen roten Blitz, einem ohrenbetäubenden Knall und einer spürbaren Druckwelle. Personen, die zum Tatzeitpunkt im Klub bzw. dem Gebäude waren, blieben unverletzt. Die Täter konnten unerkannt entkommen. Der Sachschaden beträgt 2.500 Euro.

Der Verein geht davon aus, dass es sich um einen Einschüchterungsversuch handelt. Aktuell finden an vielen Orten in Chemnitz Veranstaltungen im Rahmen des Theaterprojekts „Unentdeckte Nachbarn“ statt, welches die NSU-Terrorserie aufarbeitet. Auch im Lokomov fand eine solche Veranstaltung statt. Laut „Freier Presse“ hat nun das „Operative Abwehrzentrum“, das für extremistisch motivierte Straftaten zuständig ist, die Ermittlungen übernommen.


Doch nicht nur das: Das Lokomov ist an der Augustusburger Straße / Ecke Zietenstraße gelegen. Hier beginnt für eine Gruppe, die sich das „Rechte Plenum“ nennt, jenes Viertel, welches sie als „ihren Nazi-Kiez“ mittels Aufklebern und Sprühaktionen markieren. Erst in der vergangenen Woche wurden umfangreiche Recherchen über Hintermänner und Akteure des „Rechten Plenums“ im Internet veröffentlicht.

Bereits in der Vergangenheit war das Lokomov immer wieder Ziel von politisch motivierten Anschlägen. Mehrfach wurden die großen Schaufensterscheiben eingeschlagen, die auch dank Spendengeldern wieder repariert wurden. Die Täter eines solchen Überfalls mit Körperverletzung wurden vor Kurzem zu mehrjährigen Bewährungsstrafen verurteilt.