Freitag, 25. Oktober 2013

Nach verpasstem Bundestagseinzug: AfD kassiert 1,7 Millionen Euro

1,7 Millionen Euro: So viel Steuergeld bekommt die Euro-kritische Protestpartei „Alternative für Deutschland“ (AfD) eigenen Angaben zufolge aus der Staatskasse. Derart aufgestellt, möchte die AfD nun die „Altparteien“ angreifen und im nächsten Jahr ins Europaparlament und in drei Landtage einziehen.

AfD-Wahlplakat (Foto: Oliver Cruzcampo)

Obwohl seine Partei bei den Bundestagswahlen mit 4,7 Prozent denkbar knapp am Einzug ins Parlament gescheitert war, hat der Sprecher der „Alternative für Deutschland“ (AfD), Bernd Lucke, gut Lachen. Seinen Angaben zufolge bescherte dieses Ergebnis der Protestpartei einen Geldsegen von mindestens 1,7 Millionen Euro aus den Mitteln der staatlichen Parteienfinanzierung.

Auch für seine persönliche Zukunft hat Lucke längst alle Weichen gestellt. Gegenüber den „Deutschen Wirtschaftsnachrichten“ kündigte er an, die Spitzenkandidatur zur Europawahl anzustreben. Seine Verpflichtungen als Universitätsprofessor wird er dafür zurückstellen. Lucke versicherte, Europa sei ein „zentrales Thema“ der AfD. Neben einigen anderen Bereichen sollten die „Probleme der Währungsunion, die wie ein Spaltpilz für Europa“ wirkten, auf der Agenda stehen.

Unterdessen treibt die Protestpartei ihren Strukturaufbau mit Nachdruck voran. Derzeit würden „fleißig“ neue Kreisverbände gegründet, sagte der 51-Jährige weiter. Mittlerweile habe die AfD, der eine 94-seitige Studie der Heinrich-Böll-Stiftung kürzlich „wohlstandschauvinistische, marktradikale wie zum Teil auch nationalistische und kulturalisierende Tendenzen“ bescheinigte (pdf-Datei), rund 17.000 Mitglieder. Allerdings waren zuletzt nicht alle Interessenten in den Reihen der Eurokritiker willkommen. Gegenüber den Anhängern der rechtspopulistischen Partei Die Freiheit verhängte der Bundesvorstand einen Aufnahmestopp, nachdem die Islamfeinde erklärt hatten, ihre bundes- und europapolitischen Aktivitäten zugunsten der „Alternative“ einstellen zu wollen. Damals war die Rede von bereits zwischen 350 und 500 übergelaufenen Freiheit-Sympathisanten.

In Euphorie versetzte den AfD-Chef auch die Einsatzbereitschaft seiner Mitglieder. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer „Graswurzelpartei“, die im nächsten Jahr in die Landtage von Brandenburg, Thüringen und Sachsen wolle. Die „Altparteien“, ein Ausdruck, den im Übrigen auch die NPD gerne verwendet, würden sich noch „umgucken“.

Kritik musste hingegen Bundespräsident Joachim Gauck einstecken, der Medienberichten zufolge die Protestpartei „populistisch“ genannt haben soll. Außerdem sei das Staatsoberhaupt froh über das Scheitern der AfD an der Fünf-Prozent-Hürde gewesen. Lucke nannte die Ausführungen Gaucks eine „Entgleisung“.